Outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Rome

© REUTERS / REMO CASILLI

Chronik Österreich
12/25/2020

Trauriges Fest: Auslandsösterreicher sitzen in Großbritannien fest

Das Flugverbot aufgrund der Coronavirus-Mutation hat die Weihnachtsreisepläne vieler Österreicher und Briten durchkreuzt. Der KURIER hat mit Betroffenen gesprochen.

von Markus Strohmayer, Konstantin Auer

Mit Flugverboten und Grenzschließungen rüstet sich Europa seit Anfang dieser Woche gegen eine in Großbritannien entdeckte, hochansteckende Variante des Coronavirus. Auch Österreich verhängte in der Nacht auf Dienstag, also einen Tag vor Weihnachten, ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien. Viele Österreicher in England, aber auch Briten in Österreich müssen deshalb die Feiertage ohne ihre Familien verbringen.

Laut Außenministerium leben rund 15.000 Auslandösterreicher im Vereinigten Königreich. Eine davon ist die 32-jährige Wienerin Sarah Dyduch, die in London arbeitet und kurz vor Weihnachten für ein paar "besinnliche" Tage nach Wien gereist war.

Nicht einmal eine Woche später saß sie im letzten Flieger Richtung englischer Hauptstadt. "Es ist das erste Weihnachtsfest, das ich nicht mit meiner Familie verbracht habe. Natürlich waren alle sehr traurig, als ich nach so kurzer Zeit schon wieder wegmusste", erzählt sie aus London, wo sie nach ihrer Rückkehr nun in häuslicher Quarantäne ist.

Die Auslandsösterreicherin hätte es natürlich auch riskieren und in Wien bleiben können, denn die entsprechende Verordnung des Außenministeriums gilt vorerst bis einschließlich 1. Jänner. "Darauf wollte ich mich in einem Jahr wie 2020 einfach nicht verlassen. Es würde mich nicht überraschen, wenn die Flugverbote verlängert werden. Da sie ihren Job in London hat, wäre es problematisch gewesen, mehrere Wochen in Österreich festzusitzen.

Ähnlich ging es dem britischen Übersetzer und Podcast-Produzenten Lee Wintgate, der über die Feiertage eigentlich seinen jährlichen Heimaturlaub antreten wollte, diesen aber in letzter Sekunde stornierte. Aber selbst ohne die Virusmutation hätte sich der Fußballfan auf "etwas andere" Weihnachten einstellen müssen. Schließlich hätte ihn sowohl in Großbritannien als auch zurück in Österreich eine zehntägige Quarantäne erwartet.

Typisch britisch nimmt der 31-Jährige die Situation aber mit Humor: "Einige meiner Landsleute wollten den Brexit, um die Kontrolle über die Grenzen zu haben. Jetzt haben wir den Brexit, aber erst recht keine Kontrolle darüber wer ein- und ausreisen darf."

Die Situation sei aber durchaus ernst, gibt er zu bedenken: "Ich habe Freunde, die quasi gestrandet sind und nicht wissen, wann sie wieder zurück können.“ Südlich von London erreichte der KURIER eine 38-jährige Grazerin, die derzeit genau dieses Problem hat. Sie ist seit Anfang Dezember mit ihrem Mann, der Brite ist, und ihren Kindern bei den Schwiegereltern in der Nähe von Brighton zu Besuch. Am 2. Jänner ist der Rückflug geplant. Ob dieser dann auch in Wien landen darf, ist noch ungewiss.

Antworten hat die Grazerin bisher weder von der AUA noch der Botschaft bekommen, sagt sie. Der KURIER hat mittlerweile erfahren, dass das Außenministerium aus derzeitiger Sicht keine Rückholflüge plant. Für die Mutter von zwei Kindern ist das ein Problem, denn sie soll am 4. Jänner einen neuen Job als Krankenschwester beginnen. "Wir wären sowieso in Quarantäne gegangen und hätten uns testen lassen, warum muss man da ein Landeverbot aussprechen", fragt sich die Krankenschwester.

Sie erzählt, dass in Großbritannien ohnehin viele glauben, dass es bei den Landeverboten nicht nur um epidemiologische Entscheidungen gehe, sondern auch um politische. "Die wollen während der Brexit-Verhandlungen zeigen, was es heißt, wenn man abgeschottet ist“, vermutet die Krankenschwester.

Von Reisen wollen die meisten Betroffenen jedenfalls vorerst Abstand nehmen. "Es herrscht große Verwirrung, es fehlt die klare Strategie", beschreibt Wintgate die derzeitige Lage in seinem Heimatland. Mit dem Gedanken, dass es deshalb länger dauern könnte, bis er Freunde und Familie wieder trifft, hat er sich bereits abgefunden. "Ich habe genug vom Reisen“, meint auch Dyduch. "Mir macht das derzeit zu viel Stress. Jedes Mal, wenn man sich verabschiedet, weiß man nicht, wann man sich wieder sehen kann."

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