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Chronik Österreich
08/07/2019

Tempo 140: "Mangelhafteste Prüfung, die ich je erlebt habe"

Landesrat Anschober: Messstationen entsprachen nicht den rechtlichen Vorgaben, der Betreiber kontert den Vorwürfen.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Wie schädlich ist Tempo 140 auf Autobahnen? Über das Projekt von FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer ist mittlerweile ein heftiger Streit ausgebrochen. Wie berichtet, ist eine Studie mit überraschenden Ergebnissen aufgetaucht. Deren Ergebnis: Alles nicht so schlimm wie befürchtet, die Auswirkungen seien nur minimal. Die Asfinag hat dafür vier unabhängige Gutachter engagiert.

Im KURIER sprach danach einer der renommiertesten Verkehrsexperten des Landes von einem Vergleich von "Äpfel und Birnen". In der Folge gab es erste Kritik der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Nun legt auch der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober nach. Die Experten des Landes würden „schwere Mängel“ vor allem bei Luftgütebemsseung sehen. Das Land will eigene Messungen durchführen, da es sich laut Anschober um die "mangelhafteste Prüfung, die ich je erlebt habe" handelt.

Laut den rechtlichen Vorgaben dürfte eine Messstation maximal zehn Meter vom Fahrbahnrand entfernt sein, erklärte Anschober. Die Messstelle in Allhaming sei aber 25 Meter weit weg von der Autobahn, die Messstelle in Niederösterreich sogar 38 Meter. Auch sei aufgrund der kurzen Messdauer keine Aussage möglich, ob die NO2-Grenzwerte (Stickstoffdioxid) überschritten wurden.

„Wir haben Ministerium und Asfinag von Beginn an auf diesen ebenfalls verzerrenden Fehler hingewiesen - ohne Wirkung“, kritisierte Anschober.Der Landesrat verwies zudem darauf, dass die Ergebnisse der Asfinag auch „im vollständigen Widerspruch“ zu den Evaluierungsergebnissen der Auswirkungen von Tempo 100 auf der A1 bei Enns stehen würden. Dort habe die flexible Schaltung von Tempo 100 - das Limit gilt nur bei entsprechender Umweltbelastung - eine Reduktion der NOx-Emissionen (Stickoxide) um satte 8,5 Prozent gebracht.

Land sieht Widersprüche

„Wenn eine Tempoverringerung massiv positive Auswirkungen durch deutliche Absenkungen der Emissionen und Immissionen bringt, dann ist es unmöglich, dass eine relevante Tempoerhöhung zu keinen wesentlichen Auswirkungen führt“, kritisiert Anschober.

Das einzig Positive sei, dass die Autofahrer das 140er-Limit offenbar nicht ausgenützt hätten. Denn das Tempo sei im Durchschnitt nur um zwei bis vier km/h gestiegen. Für Anschober ist die Asfinag-Evaluierung zu Tempo 140 „die mangelhafteste Überprüfung, die ich bisher gesehen habe“.

Anschober bekräftigte Kritik am Nationalen Klimaplan

Bei der Asfinag reagiert man verärgert, Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele meint dazu: "Herr Anschober vermischt die Zehn-Meter-Regelung, diese gilt nur beim IG-Luft-Gesetz". Bei dem aktuellen Versuche sei es nur darum gegangen, einen Vorher-Nachher-Vergleich anzustellen. "Wie verändert sich die Luftgüte, das war unser Interesse. Das war keine IG-Luft-Messung", betont Siegele.

Greenpeace hat errechnet, dass die tatsächliche Zunahme der CO2-Emissionen auf den beiden Teststrecken nicht wie laut Asfinag bei 1,2 bzw. 1,6 Prozent, sondern bei 2,5 bzw. 2,6 Prozent liegen würden. Bezogen auf den Pkw-Verkehr - für Lkw und Busse gilt ja weiter Tempo 80 - komme man sogar auf 3,5 bzw. 3,6 Prozent.

Die Asfinag pochte hingegen darauf, dass dies nichts an der Menge an tatsächlich emittierten Luftschadstoffen ändere. Siegele sagt, dass darauf sogar in dem Gutachten eingegangen wird. Die Asfinag habe auch keinen Wunsch zu einem weiteren Ausbau der 140er-Strecke: "Das ist eine verkehrspolitische Entscheidung, die der nächste Minister oder die nächste Ministerin trifft."