Autofahrer auf der A23 müssen sich auf Sperren im Baubereich einstellen

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Österreich
07/12/2021

Sollen ältere Autofahrer zum verpflichtenden Fahrtest?

Nach dem Unfall eines 86-Jährigen flammt die Debatte neu auf. Warum in Schwechat Führerscheine freiwillig abgegeben werden.

von Anja Kröll

Es ist eine Diskussion, die immer dann aufflammt, wenn etwas passiert. So wie am Sonntag in St. Florian (Bezirk Linz-Land): Ein 86-Jähriger aus dem Bezirk Urfahr-Umgebung hatte laut Polizei einen Parkplatz vor dem Chorherrenstift gesucht. Aus vorerst unbekannter Ursache beschleunigte er seinen Wagen. Zeugen vermuteten eine Verwechslung von Gas- und Bremspedal, bestätigt ist dies laut Polizei nicht. Der Lenker dürfte nicht vor Mittwoch befragt werden können. Fest steht: Der Mann raste frontal in eine Menschgengruppe vor einem Marktstand. Zwölf Personen wurden verletzt, sieben davon schwer, eine schwebt in Lebensgefahr.

Der Vorfall feuert die Diskussion über Hochbetagte am Steuer an. Seit Jahren laufen in Österreich nach Vorfällen wie diesen Debatten über verpflichtende Untersuchungen der Fahrtauglichkeit von Senioren. Seit Jahren ohne Ergebnis. Politisch ist die Thematik ein absolutes Tabuthema.

Die Statistik zeigt: In absoluten Zahlen verursachte die Gruppe der über 75-Jährigen im Jahr 2020 insgesamt 1.390 Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Zum Vergleich: Bei den 20- bis 29- Jährigen waren es 3.671 Verkehrsunfälle. Freilich: Jüngere Fahrer legen rein berufsbedingt mehr Kilometer als Ältere zurück. Laut einer Untersuchung des Verkehrsclub Österreichs (VCÖ) sitzt die Altersgruppe der über 64-Jährigen im Schnitt 10 Kilometer pro Tag und Person hinter dem Lenkrad. In der Gruppe der 20 bis 34-Jährigen sind es im Schnitt 26 Kilometer pro Tag und Person. „Es gibt 90-Jährige, die fitter sind als so mancher 50-Jähriger. Und darum ist es auch so schwierig zu bestimmen, wo man die Altersgrenze für Checks ansetzt, und wo Altersdiskriminierung beginnt“, sagt Christian Gratzer, Sprecher des VCÖ.

Alter ist keine Krankheit

In dieselbe Kerbe schlägt man beim ÖAMTC: „Wir diskutieren die Thematik seit Jahrzehnten. Aber Alter ist keine Krankheit. Wenn dann müsste es Untersuchungen für alle Lenkberechtigten geben“, sagt Martin Hoffer, Leiter der Rechtsdienste beim ÖAMTC. Wunder dürfe man davon allerdings keine erwarten. Denn laut Hoffer würden Länder, die etwa bereits Gesundheitschecks für Senioren vorschreiben – wie etwa Spanien alle fünf Jahre für alle ab 65 – keine geringere Unfallstatistik aufweisen. „Und die Behörde hat in Österreich bereits die Möglichkeit einer eingeschränkten Lenkberechtigung. Etwa, dass das Fahren auf Autobahnen, oder in der Nacht untersagt wird“, erklärt Hoffer.

Anreize für freiwillige Führerscheinabgabe

Wichtig sei es laut beiden Experten, Anreize zu schaffen, dass ältere Fahrer, die sich nicht mehr sicher fühlen, ihren Führerschein freiwillig abgeben. Was besonders in ländlichen Regionen, in denen der Wegfall des Autos auch einen Wegfall an Unabhängigkeit und dem Verlust sozialer Kontakte bedeutet. „Ältere Menschen wollen auch weiterhin mobil sein“, sagt VCÖ-Sprecher Gratzer. Im Bregenzer Wald gebe es etwa einen guten Busverkehr im Halb-Stunden-Takt.

40 freiwillige Führerscheinabgaben in Schwechat

In der Stadtgemeinde Schwechat setzt man seit etwas einem Jahr mit Erfolg auf dieses Modell: Wer seinen Führerschein freiwillig abgibt, erhält einmalig die Jahreskarte oder Taxigutscheine im selben Wert. "Wir hatten bisher 40 Personen, die ihren Schein freiwillig abgegeben haben. Das ist eine äußerst positive Bilanz", erzählt Bürgermeistern Karin Baier (SPÖ) im KURIER-Gespräch.  Darunter Lenker zwischen 75 und 78 Jahren, die völlig fit waren. "Aber sie haben sich nicht mehr sicher beim Fahren gefühlt und diesen Schritt gesetzt", sagt die Ortschefin. Warum es nicht eine Gratis-Jahreskarte für die Öffis aus Lebzeiten gibt? "Weil wir uns das leider nicht leisten können. Aber diese Frage kommt von den Betroffenen auch immer wieder", sagt Baier.

Eine wichtige Rolle in der sensiblen Thematik könnten laut ÖAMTC und VCÖ auch die Hausärzte spielen. Diese sollten für die Familie als „externe Autorität“ zum Einsatz kommen, wie es Gratzer formuliert: „Das Thema einer Führerscheinabgabe führt in der Familie oft zu massiven Konflikten. Ein Arzt kann hier beratend sehr viel helfen.“ Und Hoffer fügt hinzu: „Es geht hier nicht ums Vernadern. Aber ein Hausarzt kann Hilfe anbieten, auch auf medizinischer Ebene. Denn solche Unfälle passieren ja meistens nicht aus heiterem Himmel.“ Der ÖAMTC bietet auch immer wieder Fahrtrainings für Senioren an. An einem neuen Modul wird gerade gearbeitet.

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