© REUTERS/HENRY NICHOLLS

Chronik Österreich
05/13/2021

Russische Geheimdienstspuren in Österreich

Michail Chodorkowski. Der Exil-Russe berichtet von Spionagetätigkeit – in der Vergangenheit gab es bereits drei Fälle, die mit Russland unmittelbar zusammenhängen

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Russland soll den inneren Kreis der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel unterwandert haben. Dazu gibt es ein Netzwerk, das von Frankreich bis Polen aktiv ist. Und auch ein hochrangiger österreichischer Spion wird genannt.

Der Kreml-Kritiker und ehemalige Oligarch Michail Chodorkowski sprach vergangene Woche per Video mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments. Dabei soll er laut einem Bericht des EU-Observer über ein Agentennetzwerk in Europa gesprochen haben.

Partys für Politiker

Das Gespräch kam auch auf den Wirecard-Manager Jan Marsalek, der laut Chodorkowski einen hochrangigen österreichischen Geheimdienstmann für Russland rekrutiert hat. Marsalek soll außerdem Partys organisiert haben, um Informationen von Sicherheitsleuten und Politikern zu erhalten.

Einen Namen des hochrangigen Geheimdienstlers nannte Chodorkowski keinen, es deutet aber vieles darauf hin, dass es sich um einen karenzierten Spitzenbeamten handeln könnte, der Marsalek am Tag vor seiner Flucht getroffen hat. Dieser soll ihm auch bei der Flucht über den Flugplatz Bad Vöslau nach Minsk geholfen haben. Ob sich Marsalek tatsächlich in Russland aufhält, wie viele vermuten, dazu sagte der ehemalige Industrielle nichts.

Zwei weitere Fälle

Noch immer laufen aber die Ermittlungen in einem weiteren Fall gegen einen BVT-Mitarbeiter, den der KURIER im Juni 2018 aufgedeckt hat. Auch hier gibt es Verdachtsmomente, wonach es zu Spionagetätigkeiten für Russland gekommen sein soll.

Erst im März 2020 wurde außerdem ein ehemaliger Offizier des Bundesheeres zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er Staatsgeheimnisse an den russischen Geheimdienst verraten hat. M. soll mindestens fünfundzwanzig Jahre aktiv gewesen sein und dafür fast dreihunderttausend Euro kassiert haben. Der Oberst soll bereits Ende der 1980er-Jahre im Iran rekrutiert worden sein. Die Informationen aus Österreich dürfte er bei Trinkgelagen in der Slowakei an seinen russischen Führungsoffizier weitergegeben haben. Dieser Fall, über den nach und nach neue Details bekannt werden, wurde offenbar vom britischen Nachrichtendienst

MI-6 aufgedeckt und an die österreichischen Behörden übergeben. Vermutlich handelte es sich um eine Operation infolge der Vergiftung von Ex-Agent Sergei Skripal in Großbritannien.

Auch Chodorkowski lebt mittlerweile in London, wo viele ehemalige Oligarchen und Ex-Spione Zuflucht gefunden haben. Zwischen Großbritannien und Russland gibt es immer wieder heftige Auseinandersetzungen deswegen. Gegen Chodorkowski wird außerdem aktuell wegen Mordes in Russland ermittelt.

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