Muslime beginnen Ramadan

Der islamische Fastenmonat Ramadan
Foto: dapd/AP Das Iftar-Mahl, das Fastenbrechen während des Fastenmonats Ramadan.

Was Sie über den muslimischen Fastenmonat wissen müssen.


Montagmorgen, 4:55 Uhr, war es so weit, Sonnenaufgang. Und damit der Start des Fastenmonats Ramadan für die gläubigen Wiener Musliminnen und Muslime. 30 Tage lang, also bis zum 4. Juli, verzichten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr. Während des neunten Monats im islamischen Mondkalender gedenken sie der "Herabsendung" des Korans an den Propheten Mohammed. Ist die erste Sichel des Neumonds am Himmel zu sehen, beginnt traditionell der Ramadan.

“Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet."

- Koran Sure 2, Vers 183

Der diesjährige Ramadan verlangt den Gläubigen dabei besonders viel ab. Wegen des Mondzyklus verschiebt sich der Ramadan im Verhältnis zum Gregorianischen Kalender jedes Jahr um zehn bis elf Tage. 2016 fällt der Ramadan genau rund um die Sommersonnenwende, also in die Zeit der kürzesten Nächte. Das macht das Fasten heuer besonders hart. Ein Faktum, das auch dem frisch gewählten Londoner Bürgermeister Sadiq Khan Sorgen bereitet.  "Es ist furchteinflößend", schreibt er in einem Gastbeitrag für den britischen Guardian. "Viele dieser Fasttage werden bis zu 19 Stunden dauern." Es sei allerdings beeindruckend, wie viel der menschliche Körper aushält. Sein größtes Problem, erklärt Khan, sei der Verzicht auf Kaffee.

Beendet wird der Ramadan mit dem drei Tage dauernde Fastenbrechfest Id Al-Fitr, Beim nun folgenden Fest des Fastenbrechens werden Kinder traditionell mit Süßigkeiten beschenkt - daher kommt auch die in der Türkei gebräuchliche Bezeichnung Zuckerfest (Seker Bayrami). Die Türken nutzen die dreitägigen Feiertage vor allem für Verwandtenbesuche oder einen Kurzurlaub.

 

Was Sie über den Ramadan wissen müssen:

80 Prozent halten in Österreich den Ramadan ein

Rund 600.000 Menschen muslimischen Glaubens leben derzeit in Österreich, und laut einer Schätzung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) halten 80 Prozent von ihnen den Ramadan ein. "Denn der Ramadan ist nicht nur ein Fastenmonat. Es geht darum, ein Mehr an Spiritualität zu erreichen", erklärt Carla Amina Baghajati, Sprecherin der IGGiÖ. "Im Vordergrund steht das soziale Bewusstsein. Die Empathie-Fähigkeit steigt, wenn man sich bewusst wird, dass viele Menschen keinen Zugang zu Essen oder sauberem Wasser haben." Freilich gelte es, zu bedenken: "Wenn jemand etwa eine körperlich anstrengende Arbeit ausüben muss, aufgrund des Fastens aber so geschwächt ist, dass ein Arbeitsunfall droht, dann sollte man das Fasten zur Sicherheit unterbrechen", ergänzt Baghajati. Schließlich könne man den Fasttag später nachholen.

Dass Helfen und Spenden in dem heiligen Monat groß geschrieben wird, zeigt einmal mehr die Muslimische Jugend Österreich. Mit ihrem karitativem Projekt "Fasten Teilen Helfen" möchten sie das soziale Bewusstsein in der Gesellschaft stärken. Gleich am ersten Tag des Ramadan, kochte eine Gruppe in der Caritas-Obdachloseneinrichtung "Die Gruft" das Mittagessen.

Der Wiener Verein Ceurabics ist zudem seit mehr als einem Jahr um interreligiösen Dialog bemüht. Am 25. Juni lädt der Verein daher wieder zu einem gemeinsamen Fastentag. Dabei können Nicht-Muslime die muslimische Praxis am eigenen Leib ausprobieren. Am Abend wird dann gemeinsam das Fasten gebrochen.

Dass Helfen und Spenden in dem heiligen Monat groß geschrieben wird, zeigt einmal mehr die „Muslimische Jugend“. Mit ihrem karitativem Projekt „Fasten Teilen Helfen“ möchten sie das soziale Bewusstsein in der Gesellschaft stärken. Gleich am ersten Tag des Ramadan, kochte eine Gruppe in der Caritas-Obdachloseneinrichtung „Die Gruft“ das Mittagessen.
Der Wiener Verein Ceurabics ist zudem  seit mehr als einem Jahr um interreligiösen Dialog bemüht. Am 24. Juni  lädt der Verein daher wieder zu einem gemeinsamen Fastentag. Dabei können Nicht-Muslime die muslimische Praxis am eigenen Leib ausprobieren. Am Abend wird dann gemeinsam das Fasten gebrochen.

Fasten in anderen Religionen

Christentum:

Religionen Foto: APA Für gläubige katholische Christen beginnt am Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit. Sie ist die Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Früher galten strengere Regeln: Echte Fastentage sind nach der katholischen Lehre heute nur noch Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen Tagen ist jeweils nur eine - fleischlose - Mahlzeit erlaubt. Es ist auch üblich, auf Süßes Alkohol und andere Speisen sowie alltägliche Vergnügungen zu verzichten. Einige Ausnahmen gelten für Kinder und Jugendliche, alte, kranke und schwer arbeitende Menschen.

Für Protestanten ist Fasten hingegen keine Pflicht. Für Martin Luther war Fasten eine individuelle Frömmigkeitsübung, die nicht allen empfohlen oder gar verordnet werden kann. Nur der Karfreitag ist für viele evangelische Christen ein strenger Fasttag.

Jede Orthodoxe Kirche hat verschiedene Fastenkalender, die jeweils auf die speziellen Ansprüche der Kirche zugeschnitten sind. Neben der Osterfastenzeit gibt es drei weitere Fastenzeiten im Jahr, die Apostelfastenzeit, das Gottesmutterfasten und das Weihnachtsfasten. Und zusätzlich drei Abstufungen von Einschränkungen, die jedoch von Kirche zu Kirche variieren können:

  • Strenges Fasten: ein streng veganes Fasten, bei dem außer Honig keine tierische Produkte verzehrt werden, zudem werden weder Öl noch Alkohol konsumiert.
  • Leichtes Fasten: zusätzlich ist der Verzehr von Wein, Öl und Weichtieren (Meeresfrüchte) erlaubt.
  • Auch der Konsum von Fisch ist erlaubt.

Judentum:

Religionen Foto: APA Yom Kippur (Der Versöhnungstag) ist nicht nur der wichtigste jüdische Festtag, sondern auch der strengste. An diesem Tag der Reue, Buße und Umkehr erhoffen sich Gläubige die Vergebung ihrer Sünden. Er wird am 10. Tischri (siebter Monat des traditionellen jüdischen Kalenders) gefeiert, im gregorianischen Kalender fällt er in den September oder Oktober. Der Gottesdienst dauert den ganzen Tag. Vom Beginn des Festes bis zum Sonnenuntergang des folgenden Tages soll auf Essen, Trinken und Baden verzichtet werden. Allerdings ist es erlaubt, Hände und Augen mit Wasser zu benetzen. Zur festlichen ersten Mahlzeit nach dem Fasten wünscht man sich ein gutes Jahr. Streng religiöse Juden tragen an Jom Kippur auch keine Lederschuhe und kleiden sich in Weiß. Schwangere und Kranke können an diesem Tag nach eigener Einschätzung fasten, müssen aber nicht.

Buddhismus:

Religionen Foto: APA Im Gegensatz zu anderen Religionen haben die Buddhisten keine einheitlichen Fastenzeiten. Buddha lehrte einen Mittelweg, weder Hunger noch Völlerei sind demnach empfehlenswert. Da ein voller Magen bei der Meditation hinderlich ist, nehmen viele Buddhisten vor dem Meditieren nur kleine Mahlzeiten zu sich, achten aber darauf, dass sie keinen Hunger haben. Während der dreimonatigen Regenzeit Vassa ziehen sich viele Buddhisten ins Kloster zurück und essen ab Mittag nichts mehr.

(KURIER) Erstellt am