© leisure communications

Chronik Österreich
12/14/2021

Palmers-Hochhaus: Ein Blickfang der Superlative

Das markante Bürogebäude direkt neben der Südautobahn in Wiener Neudorf erhält kommendes Jahr Europas größte LED-Werbefläche.

von Stefan Jedlicka, Agnes Preusser

Palmers schlägt Piccadilly Circus. Ab März 2022 soll am Bürogebäude des Wäschekonzerns neben der Südautobahn in Wiener Neudorf Europas größte LED-Werbefläche die Blicke auf sich ziehen. Mit mehr als 1.000 Quadratmeter Größe wird sie auch die bisherige Nummer 1 in London klar überstrahlen, die es auf 784 Quadratmeter bringt.

Worauf man seitens des Betreibers besonderen Wert legt: Der Bildschirm der Superlative mit dem Namen „Number One“ wird ausschließlich mit Öko-Strom aus Österreich betrieben. „Er eignet sich somit ideal für klimaneutrale Kampagnen.

Durch die Digitalisierung der Werbefläche können im Vergleich zur bisherigen analogen Bespielung mit PVC-Planen bis zu 4,5 Tonnen Kunststoff pro Jahr eingespart werden“, sagt „Number One“-Geschäftsführer Michael Müllner-Baatz.

Gebucht werden kann Europas größte LED-Werbefläche für 14 oder für 28 Tage. Die Inhalte sind abwechselnd jeweils 30 Sekunden lang sichtbar. Und zwar für rund 12 Millionen Blicke monatlich, wie man seitens des Betreibers betont.

Unternehmenskollaps

So markant das Gebäude in der Landschaft ist, so einschneidend sind auch die historischen Begebenheiten, die sich dort ereignet haben. Das 1956 errichtete Haus war ursprünglich der Sitz der Firma Eumig.

Star-Architekt
Der Beton-Glas-Bau  in der Palmersstraße wurde 1986 
von Architekt Oswald Haerdtl errichtet. Dieser erbaute etwa Hotel Bristol und Wien Museum

Nostalgie-Fans
Erst-Eigentümer Eumig, der Radios, Kameras und Tonbandgeräte herstellte, hat treue Fans: die sogenannten Eumigianer. Ein eigenes Museum gibt es im Alten Feuerwehrhaus in Wiener Neudorf (2351,  Parkstraße 6)

Zuständigkeiten
Für die neue Werbefläche ist „Number One“ zuständig. Auch Palmers muss darum für einen Werbeslot zahlen

Der damalige Marktführer bei Amateur-Kameras musste im Jahr 1981 Konkurs anmelden, was 3.000 Angestellte den Job kostete und einen politischen Skandal auslöste. Das Ende der Firma war der erste große Kollaps eines Unternehmens im Nahbereich der Bundesregierung.

Die verstaatlichte Länderbank hatte den Kamerahersteller zuvor übernommen und versucht, Eumig zu sanieren – vergeblich. Die Opposition, ÖVP und FPÖ, wollten Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) mit dem Aus des Unternehmens zu Fall bringen. Das gelang nicht, der Länderbank-Vorstand musste aber gehen.

Im Jahr 1982 wurde das Gebäude dann von Palmers übernommen. 1993 kam es in dem Haus zu einem Großbrand. Personen kamen keine zu Schaden, der Sachschaden war allerdings enorm. Bei der Bekämpfung des Brandes kam es laut der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neudorf zu einem kuriosen Zwischenfall: Der Palmers-Direktor begab sich in das brennende Gebäude, um den Tresor im 10. Stock zu schließen. Zwei Trupps mussten zu seiner (erfolgreichen) Rettung losgeschickt werden.

Riesiger Landbauer

2004 wurde das Gebäude verkauft, Palmers blieb aber bis 2014 Mieter. Dass das Hochhaus auch schon früher als Werbefläche genutzt wurde, zeigte sich im Niederösterreich-Wahlkampf 2018. Hier prangte auf 1.000 Quadratmetern das Gesicht von FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer.

2020 kaufte Palmers das Gebäude wieder zurück. Gemeinsam mit der Firma Lenzing wurde Hygiene Austria gegründet, die seit Anfang der Pandemie beim Palmers-Standort Masken herstellt. Anfang März 2021 kam es aber zu Hausdurchsungen aufgrund des Verdachts auf Schwarzarbeit und schweren Betrugs. Die Folge: Palmers ist nun Allein-Eigentümerin von Hygiene Austria. Die Produktion von FFP2- und MNS-Masken erfolgt nach wie vor am Standort in der Palmersstraße.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.