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Chronik Österreich
06/09/2021

Operation Trojanischer Schild: Ein Schlag gegen die Drogenclans

Für die Balkanmafia spielt Österreich, speziell Wien, eine wichtige Rolle. Nun wurden zahlreiche Clanmitglieder festgenommen, darunter auch ranghohe Vertreter.

von Michaela Reibenwein, Markus Strohmayer, Mirad Odobasic

Wien scheint ein beliebtes Pflaster für die internationale Clan-Kriminalität zu sein. Dario D. alias „Dexter“ (nach der beliebten TV-Serie mit einem Serienmörder) war hier mit falschen Papieren untergetaucht. Aus gutem Grund: Er soll in Serbien unter anderem drei Morde in Auftrag gegeben haben und wurde deshalb von der Polizei gesucht. Dexter soll eine große Nummer im montenegrinischen Kovacian-Clan sein – jenem Clan, dem auch das Mordopfer vom Lugeck im Dezember 2018 angehört hatte.

Jede zehnte Festnahme

Lange wurde nach Dexter gesucht, nun verriet ihn sein eigenes Handy. Denn Dexter ist einer von weltweit 800 Verdächtigen, die im Rahmen der Operation „Trojanischer Schild“ festgenommen wurden. Ein Zehntel der gesamten Festnahmen, konkret 81 dieser Festnahmen, passierten in Österreich. Allein am Mittwoch wurden 15 Personen in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert. Außerdem wurden 67 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei fand die Polizei unter anderem 35 Waffen, 707 Kilogramm Suchtgift (Cannabis, Heroin, Kokain, ...) im Straßenverkaufswert von 4,6 Mio. Euro und 646.000 Euro Bargeld. „Uns ist ein großer Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelungen“, freut sich Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

Seit dem Frühjahr waren die heimischen Behörden in die internationale Aktion unter FBI-Leitung, gegen das organisierte Verbrechen eingebunden. „Action Day“, also Tag des Zugriffs, war der 7. Juni. Da rückten zeitgleich 400 Ermittler in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg aus. Das Ziel: Banden vom Westbalkan, die im großen Stil Drogenhandel betreiben. Und die Österreich, speziell Wien, als wichtige Drehscheibe für ihre Drogengeschäfte in Westeuropa nutzen. Etliche hochrangige Clan-Mitglieder sind im Großraum Wien zu finden. Und die Clans kämpfen mit allen Mitteln um ihre Vormachtstellung – was nicht erst seit dem Mord am Lugeck bekannt ist. Da dürfte das Mordopfer von einem Auftragsmörder des verfeindeten Skaljarski-Clans erschossen worden sein.

Auch Dexter versteckte sich hier, nachdem er wegen einer internationalen Fahndung zuvor in der Türkei und Griechenland untergetaucht war. Laut serbischen Medien soll er der „wichtigste Mann“ für Österreich gewesen sein. Zudem habe er auch Deutschland überwacht. Bei seiner Festnahme wurden auch zehn Kilo Heroin gefunden.

Folter im Keller

Dexter soll es auch gewesen sein, der den Auftrag zur Folterung eines erfolglosen Drogenverkäufers gegeben hat. „Es handelte sich um einen Läufer, ein untergeordnetes Bandenmitglied“, sagt Franz Ruf, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit. Der Mann hatte bei der Organisation 2.000 Euro Schulden. Daraufhin wurde er in einen Wiener Keller verschleppt und dort mit einem Hammer malträtiert.

Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Die Polizei geht in den kommenden Tagen von weiteren Festnahmen aus.

Infiltrierte Handys
Das FBI brachte über einen Überläufer und verdeckte Ermittler sogenannte  Krypto-Handys in der Unterwelt in Umlauf. Die Geräte namens „AN0M“ ermöglichten eine angeblich geheime Kommunikation. Ebenso konnten Kontakte und Chats via Fernlöschung beseitigt werden und eine Ortung war nicht möglich – zumindest dachten das die Verbrecher.

Die Nachfrage im kriminellen Milieu war groß. Was man dort nicht wusste – die Ermittler entschlüsselten laufend die Nachrichten. Schlussendlich mehr als 20 Millionen. Warum ausgerechnet jetzt der international koordinierte Zugriff erfolgte, ist ungewiss. Zuletzt   kursierten aber online Gerüchte, das „Geiheimhandy“ sei gar nicht so geheim
 

 

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