kurier.at - wie vor 30 Jahren alles begann
Als vor über 30 Jahren der Online-Kurier erstmals zum Thema wurde, gab es im Journalismus noch Methoden, die man heute steinzeitlich nennen würde. Recherche funktionierte über Festnetz-Telefone, Handys hatten nur ganz wenige Journalisten. Fotografiert wurde ausschließlich in Schwarz-Weiß, dafür mussten Filme in die Redaktion gebracht und entwickelt werden. Die Kurier-Computer waren bessere Schreibmaschinen, die Grafik etwa auf dem Niveau des ORF-Teletext.
Man kann sich also vorstellen, dass das Internet noch nicht einmal ein Nischenprodukt war. Noch dazu war es horrend teuer, privates Surfen im Netz unmöglich. „Das Internet wird kein Massenmedium“, prophezeite der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx noch im Jahr 2001, also fünf Jahre später.
Nicht alle Beteiligten waren - aus damaliger Sicht wohl verständlich - begeistert davon, hunderttausende Schilling auf ein Pferd zu setzen, das noch eher wie ein lahmer Ackergaul wirkte. Jahre später ging etwa die Zeitung „Täglich Alles“ zugrunde, weil sie nur noch online erschien. Geld im Netz zu verdienen, das war unmöglich damals.
Peter Rabl
Doch der damalige KURIER-Chefredakteur und -Herausgeber Peter Rabl blieb unbeirrt. „Das Projekt habe ich 1995 mit zwei frühen Internet-Spezialisten gestartet, Wolfgang Hauptmann und Gerhard Jahnel, die ich vom trend-Verlag kannte und abgeworben hatte“, berichtet Rabl.
Und weiter: „Das Projekt sollte viel breiter angelegt sein durch eine Kooperation mit unserem Mehrheitseigentümer Raiffeisen. Geplant war ein eigener Internet- und Telekom-Provider - später als reines Raiffeisen-Unternehmen Netway für Jahre auf dem Markt - und eine gemeinsame Plattform für Bank, Versicherung, Reisebüro und sonstige Leistungen der Raiffeisengruppe gemeinsam mit dem Kurier und seiner Magazins-Gruppe - trend, profil etc.“ Eine Idee, die Jahre später von einer anderen Zeitung umgesetzt wurde.
Aller Anfang war schwer für den Online-KURIER
„Damit hätten wir 1995, gleichzeitig mit dem Online-Start des Standard, aber wesentlich attraktiver als das Konkurrenz-Medium, in den Markt gehen können. Dieser starke Auftritt scheiterte damals leider mangels Einigung mit den deutschen Miteigentümern WAZ-Gruppe“, erinnert sich Rabl. „Das hat auch den Start und die Entwicklung des Online-KURIER gebremst. Wir konnten über die folgenden Jahre nicht mit voller Kraft und entsprechenden Budgets agieren. Umso erfreulicher, dass der Verlag in späteren Jahren mit größerem Einsatz die bis heute anhaltende Erfolgsgeschichte des Online-KURIER erreichen konnte.“
Doch Hürden gab es noch ganz andere. So musste das Internet bunt sein. Die analogen Schwarz-Weiß-Fotos aus Papier waren unbrauchbar, nur die Austria Presse Agentur lieferte Farbbilder. So wurden zunächst auch nur APA-Meldungen online gestellt. Online und Print blieben noch viele Jahre getrennt, zu Beginn musste kurier.at die Journalisten fragen, ob sie eine Geschichte online stellen dürfen. Und es musste extra bezahlt werden.
Später gab es die KURIER-Schlagzeilen im Internet als Teaser. Das war natürlich noch alles gratis, die komplette Geschichte erfuhr man aber nur, wenn man sich eine gedruckte Ausgabe kaufte. Eine Paywall der anderen Art.
Elisabeth Gardavsky
Für die Redaktion gab es in der Folge zwei Ansprechpartner: Leonhard Zachl, der das Klischee des IT-Administrators der ersten Stunde verkörperte und einfach alles regelte. Und Elisabeth Gardavsky, die erste Journalistin als Online-Chefin: kurier.at wurde als eigene Firma mit eigenen Mitarbeitern gegründet. „
Deshalb wurde ein Technik- und ein Redaktionsteam aus externen Menschen zusammengestellt, die praktisch als Parallel-Firma zu Print gearbeitet hat - nicht ganz 24/7, aber schon sehr knapp dran in Schichtdiensten“, erinnert sich Gardavsky. Auch ein eigenes Team für Marketing und Verkauf wurde installiert, um Geld zu lukrieren. So wurden diverse andere Plattformen angebunden, auch Spieleseiten zum Beispiel.
„Von Anfang an gab es den prinzipiellen Zwist zwischen unserer Print–Redaktion und der Online-Redaktion. Dabei ging es darum, dass die Onliner erst einmal als Konkurrenz zu Print aufgestellt waren. Sie durften Agenturmeldungen auf die Seite stellen, echte KURIER-Inhalte nur in Ausnahmefällen“, so die ehemalige Online-Chefin. „So quasi als Stufe drei in der kurier.at-Entwicklung durften dann die Aufmacher der täglichen Print-Ausgaben online gestellt werden. Aber auch das lief nicht konfliktfrei. Und analog dazu hatte Online auch noch die Zores mit der Foto-Redaktion. Denn auch da galt: Wir durften die Fotos der Kollegen aus dem Haus nicht verwenden, sondern nur Bilder, die wir honorarfrei bekommen konnten.“
Bis alle Gräben zugeschüttet waren, dauerte es Jahre. Heute bietet das KURIER-Medienhaus längst alles aus einer Hand.
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