Nun eröffnet auch Vorarlberg die Jagd auf einen Wolf

Snarling Eurasian wolf (Canis lupus lupus)
ÖVP-Landesrat erlässt Bescheid zur Entnahme eines "Schadwolfes" im Gebiet Klostertal/Silbertal.

Nach weiteren Wolfsrissen im Bezirk Bludenz in der Nacht auf Donnerstag haben die zuständigen Vorarlberger Behörden nun einen Entnahmebescheid für den Wolf erlassen. Das hat Landesrat Christian Gantner (ÖVP) am Freitagnachmittag in einer Aussendung bekannt gegeben.

Er räumte ein, dass der Entnahmebescheid „nicht unumstritten und eine Gratwanderung“ sei. In der aktuellen Situation nur tatenlos zuzuschauen wäre laut Gantner aber „komplett falsch“.

Etliche Risse

Der Wolf hat nach Angaben des Landeswildbiologen Hubert Schatz in der Nacht auf Donnerstag auf einer Alm in Klösterle zwei Schafe getötet und zwei verletzt. Mehrere Tiere seien abgängig. Seit 14. April seien im Bereich Klostertal/Silbertal 16 Wild- und Nutztierrisse aufgefunden worden, die mit großer Wahrscheinlichkeit alle auf diesen einen Wolf zurückzuführen seien.

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Für neun der 16 Risse liegt eine DNA-Bestätigung vor, in vier Fällen ist das Ergebnis noch ausständig, bei drei Nutztierrissen konnte die DNA nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der Wolf sei heuer und im Vorjahr auch in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Kärnten mehrfach nachgewiesen worden, hieß es.

Erneut zwei Schafe in Vorarlberg von Wolf gerissen

Ganter hatte zuletzt auf neue Regeln in Vorarlberg gedrängt, um die Jagd auf Wölfe bei Bedarf schneller eröffnen zu können. Er plädierte für ein Modell, wie es mehrere Bundesländer bereits umgesetzt haben, das aber höchst umstritten ist. In Tirol, Kärnten und anderen Bundesländern reicht eine Verordnung, um Wölfe zum Abschuss freizugeben.

Landesrat Daniel Zadra vom grünen Koalitionspartner der Vorarlberger ÖVP hatte hingen darauf verwiesen, dass die bestehenden Möglichkeiten bisher noch nie ausgeschöpft wurden.

Nun versucht es Gantner mit einem Bescheid. „Diese Situation ist für die Vorarlberger Land- und Alpwirtschaft nicht länger hinnehmbar, vor allem in Gebieten, wo Herdenschutzmaßnahmen aufgrund der besonderen schwierigen Geländeverhältnisse für die Tierhaltenden nicht zumutbar sind“, sagte er.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Klostertal/Silbertal in der nahen Zukunft zu weiteren Rissen kommt, werde von Fachleuten trotz Herdenschutzmaßnahmen als hoch eingeschätzt. „Es ist deshalb wichtig, schnell und entschlossen zu handeln, um die Gefahr des Schadwolfes für unsere Alpwirtschaft einzudämmen“, so der Landesrat.

Nur in Ausnahmefällen

Die Anordnung der Entnahme von ganzjährig geschonten Wildtieren wie einem Wolf ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und bei Vorliegen besonderer Verhältnisse möglich. Sollte sich die bescheidmäßige Ausnahme von den Schonvorschriften und des Artenschutzes für den Schadwolf nicht als wirkungsvoll herausstellen, verlangte Gantner eine rasche Lösung im Verordnungsweg sowie eine Herabsetzung des Schutzstatus' des Wolfes auf EU-Ebene.

Die fragwürdigen Regeln, mit denen mehrere Bundesländer Beschwerden gegen Abschüsse von Wölfen durch Naturschutzorganisationen aushebeln, wackeln inzwischen bereits.

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Für Gantner gilt es jedoch auch auf EU-Ebene umzudenken: Die geltende Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU sei über 30 Jahre alt, eine unverzügliche Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten sei erforderlich. „Die Entnahme von Schad- bzw. Problemwölfen muss zukünftig ohne aufwendiges Verfahren und Zeitverzug problemlos möglich sein“, forderte der Landesrat.

Am Vormittag hatte sich bereits der Präsident der österreichischen und der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger, für die „sofortige Abschussfreigabe“ für den Wolf ausgesprochen. Die Zukunft der Alp- und Weidewirtschaft sei bedroht.

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