Insolvenzverfahren
03/28/2019

Ausgebremst: Millionenpleite eines Autohändlers

Citroen hat den Händlervertrag mit 15. März 2019 aufgelöst. Die Hausbank war nicht mehr bereit, weitere Kredite zu gewähren.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Sie verstehen kein Fachchinesisch? Das ist bei uns auch nicht nötig. Denn wir beraten und erklären Ihnen gerne alles rund um Ihr Fahrzeug in klarem Deutsch und ohne technische Fachbegriffe. Außerdem zeigen wir Ihnen an Ihrem Fahrzeug, was wir Ihnen sagen, damit Sie alle Schritte nachvollziehen können“ heißt es auf der Firmen-Homepage dieses Autohändlers. „Sollten Sie als Experte dennoch mit uns fachsimpeln wollen, dann können Sie dies gerne tun.

Doch der Betrieb muss jetzt mit dem Insolvenzgericht in St. Pölten fachsimpeln. Denn das Autohaus Radl mit Sitz in Amstetten hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und Creditreform dem KURIER. Das Unternehmen handelt mit Neufahrzeugen den Marke Citroen und Gebrauchtwagen und betreibt eine Kfz-Werkstätte.

Die Geschichte

Das Unternehmen besteht seit 1983. Fünf Jahre später erfolgte die Übersiedlung in die Carl-Benz-Straße 4, dem heutigen Firmensitz, wo das Unternehmen weiter betrieben und aufgebaut wurde. Es wurde Ende 2014 an Bettina und Helmut Radl verkauft. Mit Kaufvertrag vom November 2014 haben die Radl-Beteiligungs GmbH und Bettina Radl die Gesellschaftsanteile an der Schneckenleitner GmbH samt Kreditschulden übernommen. Das gesamte Paket umfasste rund 1,7 Millionen Euro.   „Die beiden übernahmen u.a. das vorhandene, bestens bewährte und eingearbeitete Team und die Markenvertretung für Citroën“, heißt es auf der Homepage. Seit Dezember 2014 leiten die neuen Inhaber das Unternehmen, mit März 2015 erfolgte die offizielle Umfirmierung zur Autohaus Radl GmbH.

Brisanter Hintergrund

Bei Ankauf des Betriebs Ende 2014 soll laut Aktenlage die geschäftliche Situation "aufgrund der vorgelegten Daten und Informationen falsch eingeschätzt worden sein". "Ein nachfolgender Prozess mit dem Voreigentümer betreffend Preisanpassung wurde aus Zeit- und Kostengründen 2017 verglichen, da die erforderlichen Nachweise nicht eindeutig erbracht werden konnten", teilt das Unternehmen dem Gericht mit. "Durch den Verlust von drei B- Händlern, welche als Vertriebsagenturen für das Unternehmen tätigen waren, kam es zu einem massiven Umsatzrückgang, dadurch bedingt zu einem Anstieg der stückzahlbezogenen Einkaufpreise bei Citroen und einem Rückgang der zu erwirtschaftenden Margen."

Händlervertrag aufgelöst

Vom Importeur sollen in den vergangenen zwei Jahren Investitionen für 2018, 2019 und 2020  eingefordert worden sein. Eine Vertragskündigung soll im Raum gestanden sein. Die vom Unternehmen als Lösung vorgeschlagene Herabstufung auf einen B-Händler (Vertriebsagentur) mit weit geringerem Investitionsvolumen soll abgelehnt worden sein.

Es kam noch schlimmer: Citroen Österreich soll mit 15. März 2019 den Händlervertrag "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung aufgelöst" haben. Zusätzlich wurde von der Citroen Österreich der Werkstättenvertrag gekündigt. Kündigungsfrist: zumindest zwei Jahre.

Letztlich war auch die finanzierende Hausbank nicht mehr bereit, weitere Kredite zu gewähren. Der Kontokorrentrahem reichte aber für den weiteren Betrieb nicht aus. Das Autohaus musste die Reißleine ziehen und ein Insolvenzverfahren beantragen. Elf Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten beziffert der KSV1870 mit rund 2,88 Millionen. Im Jahr 2017 betrugen die Schulden bereits rund 2,444 Millionen Euro, aber der Bilanzgewinn wurde mit fast 283.000 Euro beziffert; der Gewinnvortrag aus den Vorjahrenlag bei 313.800 Euro. Bei den Aktiva stechen die Sachlagen mit 1,119 Millionen Euro und das Umlaufvermögen mit 1,717 Millionen Euro hervor. Das Eigenkapital wurde mit 302.000 Euro beziffert.

 

Die Zukunft

"Ob und in wie weit zumindest eine kurzfristige Fortführung des Unternehmens möglich ist wird nun zu prüfen sein", heißt es dazu zum KSV1870.