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Insolvenzverfahren
03/22/2019

Abgefahren: Millionenpleite eines namhaften Maschinenbauers

Das Unternehmen, bekannt für Raupenfahrzeuge, soll nach der Entschuldung mit neuen Partnern wieder durchstarten.

von Kid Möchel

„Wir bauen auf 30 Jahre Erfahrung in der Automobil- und Zulieferbranche, verfügen über fundiertes Know-how in der Elektromobilität und können auf umfassendes Wissen in der Entwicklung und Serienfertigung von elektrischen Antrieben für Raupenfahrzeuge zurückgreifen“, heißt es auf die Firmen-Homepage der Mattro Mobility Revolutions GmbH.

Das Unternehmen, bekannt für seine Raupenfahrzeuge Ziesel, beschäftigt derzeit 32 Mitarbeiter und musste jetzt - wirtschaftlich gesehen - die Reißleine ziehen. Das bestätigt Klaus Schaller vom KSV1870 dem KURIER.

hohe Entwicklungskosten, hohe Markterschließungskosten

Auch Geschäftsführer Alois Bauer bestätigte im Gespräch mit dem KURIER, dass die Mattro Mobility Revolutions GmbH und ihre 70-Prozent-Tochter Mattro Produktion GmbH in Schwaz Insolvenz angemeldet haben. „Das ist richtig. Die Altlasten haben uns einfach erdrückt, hohe Entwicklungskosten, hohe Markterschließungskosten “, sagt Bauer. „Wir haben auch einen Ausflug in die Photovoltaik-Branche gemacht mit der Mattro Energy, die ist aber zurückgefahren worden. Wir sind auch sehr schnell gewachsen von 2014 weg, das war halt schlussendlich zu viel. Es gibt Potenzial für weiteres Wachstum am Markt, aber dazu brauchen wir zusätzliche Partner. Die können wir aber mit diesen Altlasten nicht gewinnen.“

So soll das Unternehmen über einen Neustart und mit einer neuen Gesellschaft sowie mit bestehenden und neuen Partnern fortgeführt werden. Laut Bauer soll der Personalstand von 32 Mitarbeitern, 13 Personen im Engineering, der Rest in der Produktion, gehalten werden. Indes befrindet sich die Mattro Energy GmbH mittlerweile in Liquidation.

Rote Zahlen

Aktuelles Zahlenmaterial liegt noch nicht vor. Aber bereits 2017 saß die Mattro Produktion GmbH auf 3,082 Millionen Euro Schulden, das negative Eigenkapital wurde mit 1,508 Millionen Euro beziffert und der Bilanzverlust mit 1,962 Millionen Euro. Die Mattro Mobility Revolutions GmbH saß bereits 2017 auf rund 651.000 Euro Verbindlichkeiten, der Bilanzverlust wurde mit 314.700 Euro beziffert, das negative Eigenkapital mit 156.000 Euro.

Schwierige Lage bereits 2017

Im Bilanzlagebericht 2017 hieß es:„Aufgrund der Absehbarkeit des negativen Ergebnisses wurde bereits im September 2017 ein umfangreicher Kurswechsel in der Mattro Production GmbH eingeleitet. Nach einer gründlichen Analyse der Situation und dem Wechsel in der Geschäftsführer wurde ein Maßnahmenpaket geschnürt, welches sich im Wesentlichen auf drei Säulen stützt:

Erstens: Fokussierung auf gewinnbringende Produkte und Reduktion des Portfolios. Hier hat sich Mattro u.a.aus der Photovoltaik-Branche zurückgezogen.

Zweitens: Kostensenkung durch schlankere Struktur und Personalreduktion. Die eingeleiteten Maßnahmen führten zu einer Reduktion der Fixkosten von ca. 30 Prozent

Drittens: Umsatzsteigerung durch Änderung im Außenauftritt und neuen Vertriebspartnerschaften. Die Darstellung der Gesamt-Kompetenz von Mattro auf der neuen Homepage führte parallel zur wachsenden Fahrzeugsparte zu einer Umsatzsteigerung in der Akkuproduktion und der Dienstleistung.

Zusammengefasst konnte mit diesen Maßnahmen der Turnaround planmäßig im 3. Quartal 2018 erreicht werden. Die damit geschaffene Basis bietet zudem eine positive Prognose für 2019 und die Folgejahre. Die ausführlichen Planungsunterlagen, welche die Analyse, die ausgearbeiteten Maßnahmen und die Planzahlen für 2018 und die Folgejahre enthalten, liegen im Unternehmen auf."