„Tatortreinigung selbst bezahlt“: S. erzählt, was er nach der Attacke alles erleben musste.

© Privat

Chronik Österreich
09/25/2021

Nach Messerattacke bei Autoverkauf: Der lange Leidensweg des Opfers

Christoph S. überlebte den Angriff knapp, jetzt appelliert er an die Politik.

von Johannes Weichhart

Es war am 30. November 2018, als Christoph S. einem vorsätzlichen Mordversuch zum Opfer fiel. Der Steirer aus Langenwang wollte eigentlich nur seinen VW-Bus verkaufen, doch der vermeintliche Interessent, mit dem der Kaufpreis bereits vereinbart gewesen war, entpuppte sich als ein Krimineller. Dieser soll den Tod des Opfers bewusst in Kauf genommen haben, um an den Campingbus zu kommen. Der Täter zog plötzlich ein mitgebrachtes Messer und versetzte dem Steirer zahlreiche Stiche am ganzen Körper.

Dass der 51-Jährige noch am Leben ist, grenzt an ein Wunder. Sechs Mal musste er reanimiert werden, er lag vier Wochen in künstlichem Tiefschlaf. Einige Zeit war nicht sicher, ob er überleben wird bzw. ob Spätfolgen auftreten könnten.

Die Kunst der Ärzte rettete S., doch sein Leidensweg war nicht zu Ende. Was folgte, war laut S. unter anderem ein Kampf gegen die Privatversicherung, die, anstatt zu helfen, auf eine Zermürbungstaktik gesetzt haben soll. „Erst als mein Rechtsanwalt massiv intervenierte, konnte ich einen kleinen Teil des gerichtlich zugesprochenen Schmerzensgeldes bei der Versicherung geltend machen, die offensichtlich diese Ausfallshaftungsklausel bewusst verschwieg“,erzählt Christoph S. im Gespräch mit dem KURIER.

Kosten selbst getragen

Zahlreiche Therapien und Behandlungen sowie die Schäden im Haus musste Christoph S. selbst bezahlen. Sogar für die Tatortreinigung in der Höhe von mehr als 3.000 Euro habe er selbst aufkommen müssen, schüttelt S. den Kopf.

Vom Täter, der wegen versuchten Mordes und schweren Raubes zu 20 Jahren Haft und der Zahlung des Schmerzensgeldes (bzw. teilweise des Verdienstentgangs) verurteilt wurde, habe er bisher noch keinen Cent gesehen. Das Urteil erging bereits im Oktober 2019, bis heute hat der Steirer mit finanziellen Einbußen zu kämpfen. „Dazu kommt, dass ich meinen damaligen Job derzeit nicht mehr ausüben kann.“

Bei dem Täter handelt es sich um einen deutschen Staatsbürger, der nach einer gewissen Zeit in einem österreichischen Gefängnis nach Deutschland verlegt werden könnte. Dies mache die Causa noch schwieriger, meint der 51-Jährige.

„Gesetzeslücke“

„Nach dessen Freilassung kann ich versuchen, mittels europäischer Pfändungsverordnung an mein zugesprochenes Geld zu kommen – die Erfolgschancen sind jedoch gleich Null. Hier sehe ich die Politik in der Pflicht, den Opfern rasch und unbürokratisch zu helfen “, appelliert S., der von einer Gesetzeslücke spricht, die endlich diskutiert werden müsse. „Wenn man keine Rücklagen hat, kann eine derartige Situation unter Umständen existenzbedrohend sein. Opfer von Gewaltverbrechen sollten sich nicht auch noch um die finanzielle Situation Gedanken machen müssen“, ist sich der Steirer sicher.

Glück hatte S. zumindest in Sachen Krankengeld. Aufgrund seines Angestelltenverhältnisses in Deutschland wurde es um einiges länger bezahlt als in Österreich. „Auch mein ehemaliger Arbeitgeber hat sich zum Glück sehr sozial und entgegenkommend verhalten.“

Mittlerweile ist der Steirer mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Nach einer Kündigung will er neue berufliche Pfade beschreiten.

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