16-mal musste die Bergrettung am Wochenende alleine in Niederösterreich ausrücken.

© ÖBRD/Reichenau

Chronik Österreich
06/17/2020

Massen auf den Bergen: Gipfelsturm statt Dolcefarniente

Viele Sportler suchen Erholung in der Höhe statt im Süden. Die Bergrettungen sind im Dauereinsatz.

von Patrick Wammerl, Matthias Nagl

Wanderschuhe statt Flip Flops, Brettljause und Himbeerkracherl statt Aperol-Spritz und Quattro Stagione. Während es in „normalen“ Jahren an den verlängerten Wochenenden im Juni Zehntausende Österreicher zum Dolcefarniente (süßes Nichtstun) an den Strand von Bibione oder Jesolo zog, ist in Zeiten von Corona eher die traumhafte Kulisse von Österreichs Bergwelt angesagt. Allerdings mit einem schalen Beigeschmack.

Der Run auf die Gipfel hat mancherorts zu einem Einsatzmarathon für Bergrettung und Alpinpolizei geführt. Alleine in Niederösterreich musste die Bergrettung am langen Wochenende zu Fronleichnam 16-mal ausrücken, um verunglückte oder verletzte Wanderer zu bergen oder sie nach Wetterstürzen in Sicherheit zu bringen. Besonders auffallend ist laut den Einsatzkräften, dass es viele unerfahrene Wanderer, ohne der entsprechenden Tourenvorbereitung und Kenntnis, in teils schwieriges Gelände zieht.

Die geschlossenen Grenzen haben zuletzt dazu geführt, dass Freizeitsuchende ihren Urlaub oder freie Tage verstärkt in den Bergen verbringen. „Wir bemerken besonders, dass aus dem Großraum Wien viele Menschen in die niederösterreichischen Berge kommen. Freilich passieren dadurch auch mehr Unfälle. Es spiegelt sich auch in den Einsatzzahlen wider“, sagt der Landesleiter der Bergrettung NÖ/Wien, Matthias Cernusca.

++ HANDOUT ++ NIEDERÖSTERREICH: TÖDLICHER ALPINUNFALL AUF DER RAX

Vermehrte Einsätze auch im Westen

Manche Ortsstellen wie Reichenau an der Rax oder Mitterbach am Ötscher hatten am Wochenende gleich vier Einsätze oder mehr abzuwickeln.

Auch von den Bergrettungen in Salzburg und Tirol gibt es steigende Einsatzzahlen zu vermelden. „Es waren schon mehr Leute unterwegs als sonst“, sagt Gregor Franke von der Bergrettung Tirol. Das betrifft nicht nur Wanderer. Auch im Bikepark Leogang war deutlich mehr los als erwartet. „Wir haben mit so einem Ansturm eigentlich noch nicht gerechnet“, heißt es dort.

Unter den Kurzurlaubern in den alpinen Regionen waren nicht nur Österreicher. So musste in Salzburg eine achtköpfige Gruppe von jungen deutschen Wanderern vom 3.000 Meter hohen Hochkönig gerettet werden – sie waren in Turnschuhen unterwegs.

Im Notfall am Berg
ist die Bergrettung unter dem Alpinnotruf 140 oder der europäischen Notrufnummer 112 zu rufen. Je genauer die Angaben, desto schneller ist Hilfe da.

8.958 Einsätze
leistete die österreichische Bergrettung im Jahr 2019. Unter den Geborgenen waren 6.194 Verletzte und 2.203 Unverletzte. 263 Personen konnten nur noch tot geborgen werden.

12.912 Mitglieder
zählte die Österreichische Bergrettung 2019, darunter 783 Frauen. 1.343 Mitglieder (davon 145 Frauen) zählt die nö. Mannschaft, sie ist drittstärkste hinter Tirol (4.574) und Salzburg (1.953).

7 Sicherheitstipps   
Ehrliche Selbsteinschätzung / Sorgfältige Tourenplanung /  Passende Ausrüstung / Richtige Verpflegung / Wetter beachten / Tempo anpassen / im Notfall: Ruhe bewahren, Erste Hilfe leisten, Notruf wählen

Vom Gewitter überrascht

Sie waren nicht die einzigen, die schlecht vorbereitet zum Gipfelsturm aufbrachen. Etliche Wanderer hatten nicht mit den Tücken des Wetters gerechnet. Trotz Warnungen gerieten dreimal Ausflüglern wegen eines Donnerwetters in Not und mussten gerettet werden. „Insbesondere die Monate Mai bis August sind die gewitter- und blitzreichsten des Jahres. Eine Tourenplanung mit besonderem Augenmerk auf die Wettervorhersage ist unumgänglich“, sagt Landesleiter Cernusca. Gerade in exponierten Höhenlagen oder in einem Klettersteig ist die Gefahr von einem Blitzschlag besonders hoch. „Die Versicherungen und Stahlseile wirken wie ein Blitzableiter“, so Cernusca.

Die Bergrettung rät, nicht auf das gerade Wohl eine Bergtour zu beginnen, sondern sich im Internet, in Wanderführern oder bei alpinen Vereinen über die geplante Tour genau zu erkundigen. „Eine vermeintliche Forststraße entpuppt sich rasch als schwieriger Klettersteig, wenn man einfach blind darauf losrennt“, erklärt der Landesleiter.

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