Corona Test Rotes Kreuz Feature

© Kurier / Franz Gruber

Chronik Österreich
10/26/2020

Jurist klagt an: "Seit 48 Stunden positiv, aber die Behörde interessiert es nicht"

Jurist wurde erst 62 Stunden nach seinem positiven Corona-Test von der Behörde angerufen, um seine Kontaktpersonen zu recherchieren.

Es ist wohl nur ein Beispiel von vielen, aber es zeigt, wie schwer sich die Gesundheitsbehörden beim Contact-Tracing derzeit tun. Ein 55-jähriger Wiener Jurist (Anm.: Name der Redaktion bekannt) wurde am Samstag positiv auf Corona getestet, aber die Behörden kümmern sich offensichtlich nicht um die Nachverfolgung seiner Kontakte. Hier ist seine Story.

Samstag, 12 Uhr: Corona-App schlägt an

Am Samstagvormittag schlägt die Corona-App auf seinem Handy an. Er habe einen Kontakt mit einem Verdachtsfall gehabt, so die Mitteilung. Der Mann ist ohne Symptome, aber in Sorge um seine Angehörigen und Freunde, daher unternimmt er gleich zwei PCR-Tests. Den einen bei einer behördlichen Autoteststraße in Wien, dann noch einen bei einem Privatlabor. Beide Tests finden Samstag um die Mittagszeit statt.

Samstag, 17 Uhr: Test ist positiv

Bereits am Samstag um 17 Uhr erfährt er - vom privaten Labor - dass er positiv sei. Das Labor teilt ihm mit, er solle zuhause bleiben, er werde von der Behörde kontaktiert. Und dass er seine Kontaktpersonen erfassen und notieren soll. Doch der Mann geht einen Schritt weiter und informiert selbst seine Kontakte der letzten 48 Stunden per SMS, E-Mail oder telefonisch. Es handelt sich um Freunde, Kollegen im Büro, Familienmitglieder. Sie mögen doch über das lange Wochenende nicht ihre Familien besuchen, und sie sollen sich auch testen lassen.

Sonntag: Polizei ruft an - prüft aber nur die Daten

Am Sonntag ruft die Polizei an, um die Kontaktdaten am niederösterreichischen Heimatort zu überprüfen. Es sollte bisher der einzigen Kontakt mit den Behörden bleiben. Denn weder am Sonntag noch am Montag erfolgt seitens der Behörden eine Abfrage der Kontaktpersonen. Ohne seine Eigeninitiative wüsste kein einziger von ihnen vom Risiko, und alle würden am Wochenende ungestört damit herumlaufen.

Der Jurist ist von der "unprofessionellen Vorgangsweise der Behörden schockiert". Und weiter: "Ich vertraute als Staatsbürger bisher darauf, dass wir im achten Monat der Krise die Strukturen geschaffen haben, um das Virus einzudämmen. Dem ist aber offensichtlich nicht so. Ohne eine rasche Information von Kontaktpersonen kann ja das Virus nicht eingedämmt werden. Es ist erschütternd, dass das so lange dauert."

Keine Symptome, aber kein Testergebnis der Behörde

Übrigens: Der Mann ist zum Glück weiterhin symptomfrei. Das Testergebnis aus der behördlichen Auto-Teststraße in Wien hat er bis heute nicht. Es sind aber erst zweieinhalb Tage seit dem Test vergangen.

Fazit: Ohne Corona-App und ohne privates Labor wüsste der Niederösterreicher bis jetzt nicht, dass er Corona-positiv und daher ansteckend ist.

Update: Anruf, Dienstag 8 Uhr früh

Am Dienstag früh, genau 62 Stunden nach dem positiven Testergebnis, war es dann soweit. Die Bezirkshauptmannschaft Tulln meldete sich bei dem Juristen. Offenbar hatte der Amtsleiter aufgrund des Artikels auf kurier.at den Fall beschleunigt. Alle Kontaktpersonen der letzten acht Tage wurden notiert, insgesamt waren das 16 Personen. Eigentlich hätte die Polizei dem Juristen mitteilen sollen, dass er seine Kontakte verständigt, so der Mitarbeiter der BH Tulln. Der Jurist ist zwar froh, dass nun ein Fortschritt erzielt wurde, dennoch bleibt er der Meinung, dass bei einer erfolgreichen Corona-Bekämpfung die Warnungen an Kontaktpersonen durch die Behörde weit früher ergehen müssten.

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