Chronik | Österreich
22.11.2017

"Horror-Hans" lebte elf Wochen im Wald

Doppelmord von Stiwoll: Weiter keine Spur von Friedrich Felzmann. Doch sein Fall ist nicht einzigartig.

Hunderte Beamte, die ebenso viele Häuser und Hütten durchsucht haben. Suchhunde, auch speziell trainiert auf Blutspuren und Verwesungsgeruch, waren seit Montag schon wieder in den Wäldern um Stiwoll. Heeresfahrzeuge mit Wärmebildkameras wurden ebenfalls eingesetzt, auch mit Drohnen wurde das Gebiet überflogen.

Das Ergebnis ist unbefriedigend: Fast vier Wochen nach dem Doppelmord bleibt der mutmaßliche Täter Friedrich Felzmann untergetaucht. "Es gibt keine neuen Hinweise", heißt es knapp aus der "Sonderkommission Friedrich". Dafür mangelt es nicht an Gerüchten. Der 66-Jährige könnte es zu Fuß zur Pyhrnautobahn geschafft haben, von einem Lkw-Fahrer mitgenommen worden und längst in Deutschland oder Kroatien sein.

Er könnte sich in den Wäldern einen Unterstand gebaut haben oder sich in einer der rund 50 Hütten entlang der Wanderwege versteckt halten.

Felzmann könnte aber auch längst tot sein, er könnte Suizid begangen haben. Den Freitod des Verdächtigen schlossen die Beamten allerdings bisher eher aus, so etwas passe nicht in das Profil des als querulatorisch und kämpferisch bekannten Bienenzüchters.

Doch vier Wochen alleine im Wald? Ist das zu schaffen? Zumindest davon sind die Ermittler überzeugt. Felzmann sei Ausharren im Wald gewohnt, als Tierfotograf auch Tarnen und Täuschen.

Ähnliche Geschichte

Außerdem habe es in der Steiermark schon einmal einen ähnlichen Fall gegeben, wenn auch im Sommer: 2009 verbarg sich ein damals 54-jähriger Mann elf Wochen lang in einem Waldstück bei Frohnleiten, Graz-Umgebung. In manchen Details gleichen sich die Geschichten von Felzmann und Johann S., der in Medien vielfach "Horror-Hans" genannt wurde. Wie Felzmann eckte der 54-Jährige immer wieder mit den Behörden an, hielt sich für verfolgt und als Opfer der Justiz. Im Februar 2009 hielt S. den Ort St. Marein im Mürztal in Atem: Er behauptete, eine Geisel in seinem Haus zu haben und drohte, das Gebäude zu sprengen.

Die Geisel gab es nicht, S. wurde verhaftet und sollte als geistig abnormer Rechtsbrecher in eine Anstalt eingeliefert werden. Allerdings entkam er zuvor im Juni 2009 aus einem Spital und wurde erst elf Wochen später im Wald entdeckt: Abgemagert, aber sonst wohlauf. S. starb 2016 nach einer neuerlichen Flucht aus einer Pflegeeinrichtung.