Chronik | Österreich
20.11.2017

Leichensuchhunde in den Wäldern von Stiwoll

Doppelmord: Aus einer geplanten Übung wurde ein realer Einsatz für speziell trainierte Diensthunde.

Abby wuselt durch den Wald, mal links, mal rechts oder quer durch das Gestrüpp. Marschierten da nicht drei Polizisten in kugelsicheren Westen hinter der belgischen Schäferhündin, könnte man die Szene für einen Ausflug halten. Doch Abby ist kein gewöhnlicher Hund: Sie ist einer jener sieben Leichen- und Blutspursuchhunde, die seit Montag in Stiwoll im Einsatz sind.

23 Tage sind bereits vergangen, seit Friedrich Felzmann, 66, zwei Nachbarn erschossen haben soll. Seither fehlt von ihm jede Spur, obwohl ihn die "Sonderkommission Friedrich" noch in dem weitläufigen Waldgebiet der Gemeinde vermutet. Bereits am Tag nach dem Doppelmord waren Suchhundestaffeln unterwegs, jetzt wurden speziell ausgebildete Polizeihunde dorthin verlegt. Sie sind auf das Aufspüren von Leichen trainiert. "Wir dürfen auch das nicht außer Acht lassen", sagt Diensthundeführer Wolfgang Hellinger. "Es könnte sich ja in der Zwischenzeit etwas ergeben haben." Wie die Polizeihunde ohne dieses Zusatzkönnen schlagen sie auch an, wenn sie Lebende aufspüren.

So ausgebildet wie die vierjährige Abby sind bei der österreichischen Polizei insgesamt nur noch weitere zwölf Tiere. Ihre Hundeführer und sie hätten ab Montag eigentlich zu einer Übung zusammenkommen sollen, daraus wurde der reale Einsatz in Stiwoll. Bis Mittwoch suchen sie das Gelände ab, die Routen werden mit GPS aufgezeichnet. Der Hund rennt dabei voraus, immer in Ruf- und Sichtkontakt zu seinem Menschen. Die Hunde sind ausdauernd, ein halber Tag einer solchen Suche ist ohne Pause schon drin.

Teamwork

Das ändert sich, sobald es in die intensive Suche geht, weil der Hund Blut oder Verwesung wittert. "Wir sagen, er hängt sich in den Geruch ein", schildert Hellinger. "Das merke ich bei meinem Hund genau, wann das passiert." Doch das ist für das Tier anstrengend, 20 Minuten Suche maximal sind möglich. "Das ist dann Teamwork. Ich muss schauen, in welche Richtung könnte es gehen?"

Allerdings versteckt sich der Verdächtige bereits seit mehr als drei Wochen. Ist es möglich, einen Spürhund auszutricksen? "So leicht nicht", versichert Hellinger. "Er hat 200 Millionen Geruchszellen, ein Mensch nur fünf Millionen." Außerdem erkenne ein Hund den Unterschied zwischen der Verwesung von Tier und Mensch, falls man ihn so auf eine falsche Fährte führen wollte: "Die Eiweißzersetzung ist da anders."