Chronik Österreich
01/19/2022

Hofreitschule: Warum die Lipizzaner mehr Geld benötigen

Früherer Oberbereiter und sein Anwalt fordern Strukturreform bei der „weltweit einzigartigen Kulturinstitution“.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Ohne Ausfallhaftung der Republik Österreich wäre die Spanische Hofreitschule wirtschaftlich längst konkursreif“, behaupten Klaus Krzisch, der frühere Erste Oberbereiter der Hofreitschule, und sein Anwalt Dominik Konlechner. Im Zuge der Aufarbeitung des Skandals rund um die Ausbildung des Privat-Lipizzaners „Maestoso Fantasca“, welcher der Tochter des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Hofreitschule gehört, fordern die beiden Kritiker eine dringende Strukturreform dieses „weltweit einzigartigen Kulturguts“.

„Es ist völliger Unsinn, anzunehmen, dass man eine Kultureinrichtung wie eine barocke Reitschule gewinnträchtig führen kann, die verbunden ist mit einem Gestüt, in dem eine Barockpferde-Rasse gezüchtet wird, die am freien Sportpferdemarkt nicht besonders nachgefragt ist“, sagt Anwalt Konlechner. „Diese Grundannahme der Ausgliederung 2001 war falsch.“

Die Hofreitschule habe von 2009 bis 2019 insgesamt einen Bilanzverlust in Höhe von rund 3,87 Millionen Euro eingespielt, in vier Geschäftsjahren gab es einen Bilanzüberschuss. 2019 betrug der Gewinn am Standort Wien, aber ohne Einrechnung des Gestüts in Piber (300 Pferde), 380.000 Euro. Detail am Rande: Insgesamt hat die Hofreitschule rund 400 Pferde.

Doch der Schein trüge. Denn das Landwirtschaftsministerium, zu dem die Hofreitschule gehört, gewähre jährliche „Zuchtförderungen“ in Höhe von 700.000 Euro bis einer Million Euro.

„Weil auch das Ministerium erkannt hat: Ohne öffentliche Gelder geht’s nicht“, sagt Konlechner. „Leider ist dieser Betrag zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Die Hofreitschule braucht eine substanzielle Unterstützung, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Da reden wir von zwei Millionen Euro.“

Mit dieser Basisabgeltung könnte sich die Hofreitschule ohne wirtschaftlichen Druck „auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren, sprich die Erhaltung der hohen Reitkunst und der ältesten Pferderasse Europas“.

Außerdem sollte die Spanische Hofreitschule vom Landwirtschaftsministerium ins Kunststaatssekretariat hinübergeführt werden. Zugleich sollten Bereiter einen Kündigungsschutz wie Vertragsbedienstete im Bundes- und Landesdienst zugesprochen bekommen, damit sie „notwendige interne Kritik“ äußern können, ohne einen Arbeitsplatzverlust befürchten zu müssen.

Wischi-Waschi-Bericht

Indes bezeichnet Anwalt Konlechner den kürzlich vorgelegten Prüfbericht zur Causa „Maestoso Fantasca“, der von der Hofreitschulgeschäftsführung und vom Aufsichtsrat bei einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben worden war, als Wischi-Waschi-Bericht. „Man hat das Gefühl, das ist der Versuch einer Reinwaschung der Verdächtigen und nicht einer Aufklärung des Sachverhalts“, sagt Konlechner.

Wie berichtet ermittelt die Staatsanwaltschaft nach einer Anzeige des früheren Oberbereiters Krzisch wegen des Verdachts der Untreue. Die Vorwürfe werden bestritten. Laut Krzisch und Konlechner hätte die Tochter des Ex-Aufsichtsrats ihren Privat-Lipizzaner de facto von einer Bereiterin der Hofreitschule ausbilden lassen. Sie soll monatlich 1.200 Euro Einstellgebühr anstatt 2.600 Euro Einstell- und Ausbildungsgebühr bezahlt haben. Diese Diskrepanz sei im Prüfbericht nicht aufgegriffen worden. Es stimme auch nicht, behauptet Konlechner, dass die Bereiterin von sich aus die Ausbildung des Privat-Lipizzaners begonnen habe. Letzteres Faktum beruhe aber nur auf Hörensagen.

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