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Chronik Österreich
11/30/2021

Brisante Strafanzeige um Privatpferd in der Spanischen Hofreitschule

Im Fall um das Privatpferd „Maestoso Fantasca“ liegt eine Anzeige gegen Aufsichtsratschef Marihart, Ex-Chefin Gürtler und Geschäftsführer Klissenbauer vor. Die Vorwürfe werden bestritten.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Affäre um die Ausbildung eines privaten Lipizzaners in der Spanischen Hofreitschule bringt nun auch die heimische Justiz auf Trab. Der frühere Erste Oberbereiter Klaus Krzisch hat bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eine geharnischte Sachverhaltsdarstellung gegen drei Personen wegen des Verdachts der Geschenkannahme eines Machthabers und der Untreue eingebracht. Betroffen sind: Johann Marihart, Aufsichtsratsvorsitzender der Spanischen Hofreitschule, Elisabeth Gürtler, die ehemalige Geschäftsführerin der Hofreitschule und Erwin Klissenbauer, aktuell Co-Geschäftsführer der Hofreitschule. Alle drei weisen die Vorwürfe zurück.

Die Vorgeschichte

Die Tochter von Marihart hat 2013 den Lipizzanerhengst „Maestoso Fantasca-67“ für 12.000 Euro von der Spanischen Hofreitschule erworben und im Schulungszentrum Heldenberg gegen eine monatliche Gebühr (1.200 Euro) eingestellt.

„Entgegen jeglicher bisheriger Übung wurde der private Hengst jedoch während der Dienstzeit von Bereitern weiter ausgebildet und in den regulären Schulbetrieb übernommen“, heißt es in der Anzeige aus der Feder des Wiener Anwalts Dominik Konlechner. Auch habe die Hofreitschule die Kosten für den Beschlag und den Tierarzt übernommen. In den Jahren 2018 bis 2020 wurde der Hengst bei mehr als 120 Aufführungen eingesetzt.

„Es besteht kein wie immer gearteter Grund, ein fremdes Pferd in Vorstellungen zu nutzen, gleichzeitig durch die jahrelange Ausbildung auf das Schulniveau zu bringen und dieses dann aber nicht im Eigentum der Spanischen Hofreitschule zu haben“, meint Ex-Bereiter Krzisch.

Die Top-Ausbildung in der Hofreitschule erhöhe auch den Wert des Tieres. „Ausgebildete Schulhengste sind unbezahlbar und werden auch nicht verkauft“, heißt es in der Anzeige weiter. Es sei jedoch davon auszugehen, dass ein vollausgebildeter Schulhengst mehrere Hunderttausend Euro einbringen würde.

141.400 Euro

Laut Anzeige biete die Hofreitschule eine ganzjährige Einstellung (außer in den Monaten Juli und August) von Pferden samt Training um 2.600 Euro im Monat an. Indes habe Mariharts Tochter nur 1.200 Euro pro Monat bezahlt. Bis heute hochgerechnet (101 Monate) mache der finanzielle Entgang für die Hofreitschule laut Anzeige 141.400 Euro aus.

„Gleichzeitig musste aber die Bereiterin Hannah Z. der Tochter des Aufsichtsratsvorsitzenden in ihrer normalen Dienstzeit kostenlosen Reitunterricht geben. Der erfolgte ein- bis zwei Mal pro Woche, soweit das Pferd im Trainingszentrum Heldenberg stationiert war“, heißt es in der Anzeige weiter. „Die kostenlosen Reitstunden stellen eine unberechtigte Vermögenszuwendung dar.“ Verlangt doch die Hofreitschule bei einem Einzelunterricht für Dressurreiter (mit ihrem eigenen Pferd) anscheinend 150 Euro pro 45 Minuten.

Alles ganz anders

"Die Vorwürfe gehen ins Leere, sagt Ex-Hofreitschule-Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler zum KURIER. Laut ihrem Unternehmenskonzept habe man versucht, das Trainingszentrum Heldenplatz zu bespielen und Einnahmen zu generieren. Wie im Fall Fantasca werden 600 Euro Einstellgebühr pro Pferd verlangt plus 600 Euro für das Bewegen des Tieres fünf Mal in der Woche (jeweils eine halbe Stunde) durch eine Bereiterin in ihrer Dienstzeit. „Wir haben immer gesagt, wir müssten mehr solche Einsteller haben, die ein Pferd einstellen, über das wir voll verfügen können“, sagt Gürtler im Gespräch mit dem KURIER. „Das ist eine Einnahmequelle für die Hofreitschule für ein Pferd, für das wir nichts bezahlen.“

Johann Marihart hat schon in früheren Stellungnahmen alle „haltlosen Anschuldigungen“ zurückgewiesen: Ohne Kenntnis des Anzeigeninhalts will er derzeit aber kein Statement abgeben. Auch Geschäftsführer Erwin Klissenbauer will zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben. Er möchte die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen abwarten.

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