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Chronik Österreich
09/26/2020

Eheschließung: Die Hoch-Zeiten sind vorbei

Seit Montag gilt für Hochzeitsfeiern wieder eine Obergrenze von zehn Personen. Das ist für viele zu wenig.

von Theresa Bittermann, Nina Oezelt

Julia Mock hat beim Antrag „Ja“ zu ihrem Martin gesagt, aber schon zum zweiten Mal muss nun alles abgeblasen werden. Der erste Hochzeitstermin im Juni ist wegen Corona geplatzt, der Ersatztermin im Oktober nun auch. Seit Montag gelten wieder strengere Corona-Regeln: maximal zehn Personen dürfen bei einer Hochzeitsfeier indoor dabei sein. Das ist den beiden und auch vielen anderen zu wenig. Die bereits zweite Rolle an Verschiebungen rollt derzeit über die Branche.

46.034 Eheschließungen gab es laut Statistik Austria 2019. Zwei Drittel, also der Großteil aller Hochzeiten, finden laut Bernhard Fichtenbauer, Betreiber einer Webseite für Hochzeitlocations, in den Monaten März bis August statt. Im Frühjahr gab es dieses Jahr jedoch gar keine Hochzeiten. Über den Sommer wurden die Maßnahmen dann schrittweise gelockert. (Im August waren es 200 Personen). Stand Juni 2020 gab es etwa 14.000 Hochzeiten. Das ist um ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Aus Unsicherheit haben viele ihren Termin auf den Herbst verschoben, jetzt werden sie ein zweites Mal enttäuscht. Die neueste Verordnung des Gesundheitsministeriums mit dem Zehn-Personen-Maximum macht für viele die Hochzeit hinfällig. Bei der Trauung – egal ob am Standesamt oder in der Kirche – selbst dürfen zwar je nach Location mehr Gäste anwesend sein, sofern gebührend Abstand gehalten wird. Bei der Feier ist bei zehn Personen Schluss. Aber nicht nur für die Paare ist das traurig. Eine ganze Branche leidet.

Kritik aus der Branche

Wie Sandra Thaler vom Wiener Brautmoden-Store „Elfenkleid“ berichtet, wollten viele das weiße Traumkleid zurückgeben. Akzeptiert hat sie das aber nicht: „Dann könnten wir wirklich zusperren“, sagt sie. Sie verzeichnet einen Rückgang der Einkäufe von 40 Prozent. Auch Gerhard Heilingbrunner, Betreiber des Restaurants Oktagon am Himmel, mit Blick über Wien – gleich neben der beliebten Sisi-Kapelle in Döbling, weiß nicht weiter. Normalerweise finden hier 50 bis 60 Hochzeiten statt, bis jetzt waren es drei.

Die Hochzeitsplanerin Bianca Lehrner hätte eigentlich zwei bis drei Hochzeiten jedes Wochenende betreut. Nun hat sich diese Zahl mit einem Schlag kräftig reduziert. Nur noch zwei Termine insgesamt bleiben ihr. „Der Herbst trifft uns hart, da wäre noch einiges gekommen und darauf haben eigentlich alle in der Branche gehofft“, sagt sie. Von Stylisten, Floristen, Konditoren bis zu Technikern, Animateuren, Fotografen, Caterern und Musikern – die Liste der betroffenen Dienstleister ist lang. Die strenge Personenobergrenze stößt vielen von ihnen sauer auf.

Eine Hochzeit gilt als Veranstaltung ohne zugewiesene Sitzplätze. „Woher diese Zehner-Grenze kommt, ist nicht nachvollziehbar. Und ich weiß nicht, wer auf die Idee kommt, dass es bei einer Hochzeit keine fixen Sitzplätze gebe“, sagt Elisabeth Brandl von der zuständigen Fachgruppe der Wirtschaftskammer.

Im Ministerium gehe man aber, davon aus, dass die Sitzplätze bei einer Hochzeit nicht den ganzen Abend über eingenommen werden, daher der Unterschied zu Theater Kino und Co, wo ein Maximum von 1.500 Personen gilt.

Nicht leer gefegt, aber doch mager sieht der Terminkalender von Dompfarrer Toni Faber aus. Viele haben ihm abgesagt. Im Stephansdom kann man gut Abstand halten, die Gästeliste darf hier länger sein. „Traurig ist es trotzdem. Vor Kurzem hatte ich eine schöne Hochzeit, aber die Leute konnten sich nicht umarmen.“

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