Chronik | Österreich
30.06.2018

Hilfe, Ferien: Eltern kommen ins Schwitzen

Wenn Krippe, Kindergarten und Hort zusperren, sind die Großeltern oder Organisationstalente gefragt.

„Hurra, Ferien“ – worüber Kinder jubeln, treibt Eltern oft zur Verzweiflung. Denn machen Krippe, Kindergarten, Hort und Schule im Sommer dicht, ist guter Rat in Sachen Kinderbetreuung gut – und nicht selten auch teuer.

„Ohne die Großeltern wäre es sehr schwer, da hätten wir ein gröberes Problem“, sagt Michaela Sebestik. Ihr vierjähriger Sohn Marcus besucht den Kindergarten in Sooß (NÖ, Bezirk Baden). Ab Ende Juli ist hier für drei Wochen Pause. Und nicht nur hier. „Die mehr als 1050 Kindergärten in Niederösterreich sind in den Ferienwochen 4, 5 und 6 geschlossen zu halten.“ Sagt das nö. Kindergartengesetz. Da wird drei Wochen lang instand gesetzt und geputzt , Kinder und Pädagoginnen sollen sich „ein bisschen vom Kindergarten-Alltag erholen“, heißt es dazu aus dem Amt der nö. Landesregierung.

Für die Eltern ist das aber meist weniger erholsam. „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie man ohne Großeltern den ganzen Sommer durchorganisieren sollte. Freunde von uns engagieren sogar ein Au Pair für die Ferien, aber das ist natürlich eine Geldfrage“, sagt Sebestik. Und der Sommer ist ja nur ein Aspekt. Da gibt es ja noch die Semesterferien, die Osterferien, Weihnachten, den Pfingstdienstag ...

 

Werden die Kinder größer, werden die Probleme nicht kleiner. Für die Familie Kähler in Wien erfordern die Sommerferien von Lilli (neun Jahre) und Elina (elf) eine genaue Planung. Die jüngere Tochter ist während der ersten Woche im Feriencamp, die Ältere bleibt zu Hause, da sie Heimweh hat. „Wir haben das Glück, dass mein Arbeitgeber in den ersten und letzten zwei Wochen der Ferien eine Kinderbetreuung zur Verfügung stellt“, erzählt Ivonne Kähler. Das kostet pro Woche hundert Euro, pro Kind. Die Kosten werden direkt vom Gehalt abgezogen. Im Verhältnis zu anderen Optionen sei das noch billig. Danach geht es für die beiden Kinder in ein Reitercamp. „Von Montag bis Freitag kostet das pro Kind 300 Euro. Das ist dann schon eher teuer.“ Auch die Oma hilft mit. So ergeht es aber nicht jedem: „Viele Freunde und Bekannte von uns können nicht auf die Unterstützung der Großeltern zählen. Die müssen dann getrennt Urlaub nehmen, um auf die Kinder aufpassen zu können“, erzählt Kähler.

Der „Oma-Faktor“

Generell gilt: Die Ferienbetreuung basiert auf dem „Oma-Faktor“: Laut einer Befragung des Markt- und Meinungsforschungsinstitutes Akonsult setzen 68 Prozent der Eltern bei der Ferienbetreuung zumindest teilweise auf die Großeltern. 60 Prozent (Mehrfachantworten waren möglich) sind selbst zu Hause. Für fast die Hälfte der Eltern ist es demnach sehr (19,6 Prozent) oder eher schwierig (28,7 Prozent), die Betreuung der Kinder im Sommer zu organisieren. Und teuer kann das auch noch werden: Laut der Befragung geben mehr als ein Viertel pro Kind 400 Euro oder mehr aus.

Wo man wohnt, spielt dabei eine gravierende Rolle, wie etwa ein statistischer Blick auf die Kindergärten beweist: In Wien machen von 754 Kindergärten 202 Sommerferien. In der Steiermark sind es 194 von 715, in Niederösterreich 773 von 1093, in Oberösterreich 574 von 723 und im Burgenland gar 113 von 117 (Stand 2017). Die durchschnittlichen Schließtage bei den Kindergärten im Sommer zeigen ein ähnliches Stadt-Land-Gefälle: In Wien sind es lediglich 1,5 Tage, in der Steiermark 10,8, in NÖ 11,1, in OÖ 15,8 und im Burgenland 20,1.

Kaum anders sieht es bei der Kleinkinderbetreuung aus: Während in Wien von 656 Krippen nur 197 die Sommerruhe genießen, sind es in NÖ schon 93 von 130, in OÖ 245 von 300, in der Steiermark 68 von 228 und im Burgenland 68 von 70.

 

Eine gute Nachricht: Es ändert sich gerade einiges. In immer mehr Gemeinden wird eine sommerliche Betreuung angeboten. Baden in NÖ etwa bietet sie heuer erstmals auch während der dreiwöchigen Kindergarten-Pause an. Eine Erhebung hatte ergeben, dass zehn Prozent der Eltern danach Bedarf haben. Weil aber die Landesbediensteten in dieser Zeit ruhen müssen (siehe Gesetz), machen pädagogisch geschulte Gemeindemitarbeiter den Job. Auch im nahen Traiskirchen werden „Ferien zu Hause“ angeboten. Und zwar für 5- bis 11-Jährige zwischen 7.30 und 17 Uhr. Das kostet pro Woche leistbare 40 Euro.

Das Burgenland fördert seit 2014 Gemeinden, Vereine und Organisationen, die eine Ferienbetreuung für Kinder anbieten. Was jährlich von rund 60 Institutionen und Gemeinden beantragt wird. Oberwart oder Mattersburg bieten eine durchgängige Ferienbetreuung an.

Jenen, die nicht in Gemeinden mit einem solchen Angebot wohnen und die auch nicht auf Oma oder Opa zurückgreifen können, bleibt oft nur, sich fürs „Kindersitten“ frei zu nehmen. Im österreichischen Durchschnitt haben Kindergärten 27,8 Tage pro Jahr geschlossen. Und das sind mehr, als ein Arbeitnehmer Urlaubsanspruch hat.

Mitarbeit: Benjamin Enajat