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Chronik Österreich
07/01/2020

Heißer Kampf um einen Platz am See

Großer Andrang, beschränkte Fläche: Freie Seezugänge werden auch im Corona-Sommer zum Thema.

von Claudia Koglbauer-Schöll, Matthias Nagl, Nikolaus Tuschar

Ob am Neusiedler See, dem Wörthersee oder den Seen im Salzkammergut: Am Wochenende herrschte angesichts des ersten Grußes des Hochsommers überall das gleiche Bild: Die Menschen strömten an die Seen, mancherorts bildeten sich Warteschlangen, die Freibäder waren gut gefüllt.

Die Sehnsucht nach Natur einerseits und die Corona-Beschränkungen andererseits dürften die Diskussion um freie Seezugänge heuer wieder befeuern. So sind etwa am Neusiedler See laut Zahlen der Rechercheplattform Addendum nur acht Prozent des Ufers öffentlich zugänglich.

„Wir hatten selten so starke Tage wie am vergangenen Sonntag“, sagt Rene Lentsch, Obmann des Tourismusverbands in Podersdorf am Neusiedler See. Trotz allem – sperren musste man das Bad wegen des großen Besucherandranges nicht. „Wir haben eine Fläche für 13.000 Gäste, da können alle den nötigen Sicherheitsabstand einhalten“, sagt Lentsch. Die fünf Parkplätze würden einen reibungslosen Eintritt in das Strandbad garantieren. Die Strandbäder rund um den See seien im Juni generell gut besucht gewesen, heißt es bei der Neusiedler See Tourismus GmbH.

Sehnsucht bringt Andrang

Ähnlich das Bild am Wallersee in Salzburg. Der See ist mit 27 Prozent öffentlichem Zugang für Salzburger Verhältnisse relativ zugänglich. Am Samstag und Sonntag war nicht nur das frei zugängliche Strandbad in Seekirchen gut besucht, auch in Henndorf war es das stärkste Wochenende des bisherigen Sommers.

1.400 Gäste dürfen aufgrund der Corona-Beschränkungen insgesamt ins dortige Strandbad. 700 Plätze sind für Saison- und Familienkarteninhaber reserviert. Die Kapazität von 700 Tageskarten müsste reichen, im vergangenen Sommer waren es am stärksten Tag 650 Gäste.

Allerdings dürfte heuer der Andrang auf die Seen größer sein. „Sobald das Wetter einigermaßen passt, füllt sich das Bad schneller als früher“, sagt Robert Kastner von der Gemeinde Henndorf. „Die Leute haben Sehnsucht nach dem See, auch weil das Wetter so lange schlecht war.“

Dazu kommt, dass derzeit weniger Menschen auf Urlaub sind als üblich. Er habe zudem am vergangenen Wochenende mehr Gäste aus Ostösterreich und Bayern registriert als in der Vergangenheit, meint Kastner.

Auch am Wörthersee war der Andrang am Wochenende groß. Mit 82 Prozent Privatbesitz zählt er zu Österreichs privatesten Seen. In den Strandbädern rund um Klagenfurt gibt es dennoch keine Platzprobleme: „Falls wir mehr Platz brauchen, können wir rein theoretisch die Flächen des Strandbads im Norden und Süden erweitern,“ erklärt Klagenfurts Bäderchef Gerald Knes.

82 Prozent
des Wörthersee-Ufers sind in privater Hand. Mit nur 9 Prozent öffentlichem Seezugang ist der Kärntner See der am wenigsten zugängliche der großen Seen. Der Rest ist Naturraum (Fels, Schilf etc.). Auf Platz zwei liegt der Attersee mit 76 Prozent privatem Seezugang. 13 Prozent sind dort frei zugänglich

62 Prozent
des Seezugangs zum Achensee sind öffentlich. Damit ist der Tiroler See das Gegenstück zu Wörthersee und Attersee und der am besten zugängliche von Österreichs Seen

32 Grad
könnte das Thermometer am Mittwoch  im Osten Österreichs anzeigen.  Die heißesten Orte liegen am Neusiedler See. Es wird generell heiß bis schwül.  Im Berg- und Hügelland kann es Gewitter und Regenschauer geben

Der weitere Trend
Der Donnerstag wird bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad wechselhaft. Der Freitag wird vor allem regnerisch und ein bisschen kühler. Pünktlich zum Wochenende wird das Wetter wieder sommerlich warm bis heiß und bringt Sonnenschein – Badewetter also

Land legt Masterplan vor

Am Neusiedler See sind die Flächen am Ufer nicht nur bei Badegästen heiß begehrt (siehe Artikel unten). In Neusiedl war im Strandbereich der Bau eines Hotels geplant. Weil es zu keiner Einigung zwischen Stadtgemeinde und Projektbetreiber kam, wurde das Projekt wieder auf Eis gelegt. „Die Stadtgemeinde hat den Grund zurückgekauft. Jetzt kann man sich dort hinsetzten und den Ausblick auf den See genießen“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Böhm.

In den anderen Orten rund um den See sind die Kosten für Tagesgäste aber sehr unterschiedlich. Acht Seebäder gibt es auf österreichischer Seite, dazu zählen jene in Illmitz, Rust, Podersdorf, Weiden, Neusiedl, Mörbisch oder Breitenbrunn. Die Eintrittspreise liegen zwischen 3,50 und 6 Euro. Nur in Jois ist der Seezugang kostenlos, sagt Bürgermeister Hannes Steurer. Das dortige Areal ist im Privatbesitz, das Restaurant „Zur Seejungfrau“ ist gleich nebenan.

Auch wenn immer wieder touristische Projekte rund um den See geplant sind: Der Wunsch nach mehr freien Seezugängen ist offensichtlich vorhanden: 89 Prozent der Bevölkerung sprechen sich laut einer Haushaltsbefragung für die Schaffung bzw. die Erhaltung öffentlicher Seezugänge aus. Das Burgenland will nun bis Ende des Jahres einen Masterplan Neusiedler See vorlegen. Darin soll festgelegt werden, wo künftig gebaut werden darf und wie nach dem Tourismuskonzept die Seezugänge geregelt werden.