Großprojekte: Kostenexplosion als "strukturelles Problem"

In Linz gibt es große Pläne zur Umgestaltung des Urfahraner Jahrmarkt-Geländes
Baut die öffentliche Hand, wird es oft teurer als zunächst behauptet. Das zeigen aktuell drei Projekte in drei Landeshauptstädten.

Drei Projekte. Drei Städte. Drei Mal dasselbe Problem. Noch bevor die Bagger in Innsbruck, Linz und Salzburg für geplante Großprojekte der öffentlichen Hand auffahren, galoppieren die Kosten den ursprünglichen Preiskalkulationen davon.

Für WIFO-Ökonom Michael Klien, der sich unter anderem intensiv mit der Baukonjunktur beschäftigt, haben solche Entwicklungen durchaus System: „Überschreitungen der Kosten und der Dauer bei Großprojekten ist ein strukturelles Problem der öffentlichen Hand. Das ist überall in Österreich – aber auch in anderen Ländern – der Fall.“

Zu kleine Summen angesetzt

Laut einer Langfriststudie in Deutschland werden Kosten für Bauvorhaben der öffentlichen Hand im Schnitt um 70 Prozent überschritten. „Grundsätzlich ist es so, dass im Budgeterstellungsprozess Großprojekte oft mit realistischen, aber tendenziell zu kleinen Summen aufgenommen werden“, erklärt Klien.

„Für Leute, die in der Materie drinnen sind, ist meist klar, dass das nicht um diesen Preis umsetzbar ist.“ Im Vergabeprozess, der die günstigsten Anbieter bevorzugt, sieht der Forscher einen weiteren Pferdefuß. „Es werden von Firmen oft Angebote abgegeben, wo diese wissen, dass sich das nicht ausgeht, und jeder weiß: Da wird nachverhandelt.“

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