© Kurier/Franz Gruber

Chronik Österreich
02/26/2021

Ein neunjähriger Fußballer stürmt bis zum Höchstgericht

Adrian und sein Coach wollen endlich wieder trainieren und brachten Individualantrag beim Verfassungsgerichtshof ein.

von Michaela Reibenwein

Adrian spielt Fußball, seit er vier Jahre alt ist. Sein Lieblingsklub ist der FC Barcelona, sein Lieblingsspieler ist Erling Haaland. Adrian will ein so guter Stürmer werden wie sein Vorbild. Dafür trainiert er fleißig in der U10 des Wiener Traditionsklubs Vienna. Dreimal die Woche, dazu noch ein Spiel am Wochenende. Zumindest war das so, bis Corona kam. Und somit der Nachwuchs-Amateursport von einem Tag auf den anderen nicht mehr stattfinden konnte. Deshalb verlässt Adrian mit seinem Trainer David Zellinger, einem Juristen, nun den Rasen, und stürmt bis zum Verfassungsgerichtshof.

„Will Profi werden“

Dort hat der neunjährige Adrian einen sogenannten Individualantrag eingebracht. Und darin schreibt er den Höchstrichtern: „Fußball ist meine größte Leidenschaft und ich möchte eines Tages Profi werden.“

Und er schildert den Richtern auch seine ersten Erfolge: „Wir hatten mit unserer Mannschaft bereits einige tolle Spiele und Turniere. Unter anderem spielten wir im September 2019 gegen die Nachwuchsmannschaften des FC Liverpool und des FC Red Bull Salzburg und konnten diese schlagen. Am Ende erreichten wir den sensationellen zweiten Platz.“

Doch das letzte Mannschaftstraining ist mittlerweile Monate her. „Meine Freunde fehlen mir“, sagt Adrian. „Daheim fällt mir die Decke auf den Kopf.“ Doch er hat großes Glück: Zumindest einmal die Woche kann er mit einem Privattrainer (der ist erlaubt, Anm.) spielen. Und er hat auch noch seinen um ein Jahr jüngeren Bruder Mateo, der genauso gern Fußball spielt wie er und der sogar schon den Sprung von der Vienna zur Wiener Austria geschafft hat.

Trainer Zellinger weiß, wie schwer die Situation für seine 13 Nachwuchskicker ist. Und er ist überzeugt: Ein Training wäre möglich. „Immerhin gibt es ja mittlerweile die Gratis-Coronatests. Das wäre kein Problem.“ Eine andere Möglichkeit wären Kleingruppentrainings mit Sicherheitsabstand.

Zwar habe man versucht, via Zoom miteinander in Kontakt zu bleiben. „Aber Training ist so natürlich keines möglich.“

Bleibt das Fußballverbot noch länger, könnte das auch starke Auswirkungen auf den Sport gesamt haben. „Im Sommer haben wir das nächste Sichtungstraining. Ich kann mir gut vorstellen, dass dann weniger Kinder kommen.“

Kinderrechte

Im Individualantrag weisen Adrian und sein Trainer auf die Kinderrechte hin. „Durch das Verbot der Sportausübung und der Hinderung in der Verfolgung meines Zieles, eines Tages Profifußballspieler zu werden, werde ich in meinem verfassungsgesetzlich gewährleisteten subjektiven Recht auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung verletzt.“ Auch Adrians Mutter hofft, dass ihre Söhne bald wieder Fußballspielen dürfen: „Ich vermisse das genauso.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.