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Chronik Österreich
04/23/2020

Festflaute sorgt für Katerstimmung in Österreich

Die Corona-bedingten Absagen treffen Städte, Vereine, Unternehmer und auch die Feuerwehren hart.

von Bernhard Ichner, Josef Gebhard, Nikolaus Tuschar, Johannes Weichhart

Das große Vorbild hat es schon vorgemacht: Aus Sicherheitsgründen wurde das Mekka jedes Bierzeltfans – das Münchner Oktoberfest, das von 19. September bis 4. Oktober stattfinden hätte sollen – wegen Corona abgesagt. Und auch seitens der „Wiener Wiesn“ heißt es nun, man werde „nach dem gesunden Menschenverstand“ agieren.

Das Dirndl- und Lederhosen-Spektakel, das von 24. September bis 11. Oktober im Wiener Prater geplant gewesen wäre, wird somit wohl ebenfalls abgeblasen. Dafür spricht auch, dass man "eine besonders originelle Überraschung" ankündigt, "um die Wiesn-Fans dennoch zu beglücken".

Mehr Information ließ sich der „Wiener Wiesn“-Betreiber auf KURIER-Anfrage nicht entlocken. Man plane für Donnerstag eine Presseaussendung zum weiteren Vorgehen und wolle die Neuigkeiten nicht vorwegnehmen, erklärte Geschäftsführer Christian Feldhofer.

Donauinselfest

Nach wie vor stattfinden soll, wie berichtet, das Wiener Donauinselfest. Von 18. bis 20. September – kurz vor der Wien-Wahl am 11. Oktober – wäre nach einer coronabedingten Verschiebung der diesjährige Termin des von der Wiener SPÖ veranstalteten Open-Air-Spektakels.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist offen. Denkbar ist, dass die Veranstalter einfach abwarten, bis das vom Bund verhängte Verbot von Großevents (gültig bis Ende August) verlängert wird. Dann müsste man das Inselfest nicht von sich aus absagen.

Auch Feuerwehren sind betroffen

Die coronabedingte Festflaute trifft viele hart – auch die Feuerwehren in Niederösterreich. Bis Juni sind bereits alle Feste abgesagt, wie es danach weitergeht, ist unklar. Bis zu 1000 Veranstaltungen sind betroffen, heißt es dazu aus dem Landeskommando.

Damit entfallen den Einsatzkräften auch wichtige Einnahmequellen, denn das Geld wird oft für die Mitfinanzierung bei der Anschaffungen von Maschinen verwendet. „Wir haben heuer ein neues Feuerwehrhaus gebaut und ein Fahrzeug angeschafft“, berichtet Hannes Lechner, Feuerwehrkommandant in Bischofstetten in Niederösterreich.

"Ausfälle tun jeder Feuerwehr weh"

Der Kuppel-Cup, ein Wettbewerb samt Heurigen, der kürzlich über die Bühne hätte gehen sollen, musste abgesagt werden. „Die Ausfälle tun jeder Feuerwehr weh, uns natürlich auch. Zum Glück wird uns die Gemeinde in dieser schwierigen Phase unterstützen“, sagt Lechner.

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner weiß um die Sorgen seiner Kollegen. „Das Corona-Virus hat die Finanzierungspläne vieler Wehren gehörig durcheinandergewirbelt. Aber klar ist, dass wir uns an die Vorgaben des Bundes halten.“

Abstandsregelung

Auch Kärntens geschichtsträchtigsten Veranstaltungen, die Wiesenmärkte in Bleiburg und St. Veit an der Glan, hängen wegen der Coronakrise in der Luft. Vor dem Ausbruch der Epidemie rechneten die Veranstalter noch mit mehreren Zehntausenden Besuchern. Nun ist unklar, ob die Veranstaltungen im September wie geplant stattfinden können.

Das Veranstaltungsverbot bis 31. August betrifft beide Events nämlich nicht. „Die Veranstaltung braucht aber eine gewisse Planungsphase und Vorlaufzeit“, sagt Andreas Reisenbauer, Sprecher der Stadt St. Veit. Sollten Maßnahmen wie die Abstandsregelung zum Zeitpunkt der Veranstaltung weiterhin gelten, sei es schlichtweg nicht möglich, den Wiesenmarkt durchzuführen.

39 Millionen Euro Umsatz fällt weg

Was die sommerlichen Großveranstaltungen in Kärnten angeht, sind der Altstadtzauber in Klagenfurt und der Villacher Kirchtag bereits fix abgesagt.

Letzterer gilt laut Informationen der Stadt Villach mit 400.000 Besuchern sogar als zweitgrößtes Fest Österreichs nach dem Donauinselfest. Allein am Festgelände werden mehr als 39 Millionen Euro umgesetzt – der Kirchtag sei „für unzählige regionale Unternehmerinnen und Unternehmer der größte Umsatz- und Gewinnbringer des Jahres“, teilte die Stadt mit.

Ruf nach Entschädigung

Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) fordert aus diesem Grund eine Entschädigung – denn ohne Kirchtag würden viele Betriebe „in schwerste wirtschaftliche Turbulenzen“ geraten.

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