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Chronik Österreich
06/16/2021

Ein neuer, alter Prater-Skandal droht: Stadt-Rechnungshof prüft

Es gibt wilde Vorwürfe und anonyme Anzeigen. Noch immer sind Millionen aus dem Jahr 2008 unauffindbar. Der Stadtrechnungshof durchleuchtet nun den Prater

von Dominik Schreiber, Kid Möchel, Josef Gebhard

Hinter den Kulissen des Wurstelpraters ging es in den vergangenen Monaten hoch her. Bereits am 23. September 2020 eskalierte die Lage erstmals: „Deine Anschuldigung bedeutet (...), dass sämtliche handelnde Personen und Kontrollinstanzen versagen oder wissentlich über Unregelmäßigkeiten hinwegsehen“, wird zwei Tage später der Geschäftsführer der Prater Wien GmbH, Michael Prohaska, an den Präsidenten des Praterverbandes, Stefan Sittler-Koidl schreiben.

Prohaska fordert, dass die Anschuldigungen öffentlich zurückgenommen werden.

Als der KURIER Sittler-Koidl ein paar Tage später anruft, spricht er von Missverständnissen. Doch vieles deutet darauf hin, dass an diesem Tag der Ball ins Rollen gekommen ist.

Insider sprechen bereits im Zuge der damaligen Recherche davon, dass Geld aus dem Prater von Privatpersonen für private Zwecke, aber auch für den Gemeinderatswahlkampf aufgewendet werden soll bzw. wurde. Beweise dafür gibt es allerdings keine.

Anzeigen erstattet

Doch in der Folge soll es zu mehreren (teils anonymen) Anzeigen gekommen sein. Eine Sprecherin des Stadtrechnungshofs bestätigt, dass erst vor Kurzem eine Prüfung des Praters begonnen habe. Konkret gehe es um die Überprüfung der wirtschaftlichen Entwicklung von Teilbereichen des Vergnügungsparks. Einzelheiten wollte die Sprecherin nicht nennen.

Aus gut informierten Kreisen heißt es aber, dass die Zahl der Prüfer von normalerweise zwei auf drei Personen aufgestockt worden ist. Ursprünglich wollte man offenbar nur die vergangenen drei Jahre prüfen. Nun soll die Prüfung bis in das Jahr 2008 zurückgehen.

Damals hieß die Prater Wien GmbH, eine Tochterfirma der Stadt, noch Prater Service GmbH und war in einen veritablen Skandal verwickelt, der der Wiener Vize-Bürgermeisterin Grete Laska (SPÖ) schlussendlich den Job kostete. Im Jahr 2009 warf sie das Handtuch.

Viel Geld verschwunden

Damals wurde der umstrittene Prater-Vorplatz gebaut. Anstatt der geplanten rund dreißig Millionen Euro kostete der Bau fast sechzig Millionen. Fünf Jahre lang ermittelte die Staatsanwaltschaft und füllte Tausende Seiten Akten. Für eine Anklage reichte es nie. Sicher ist aber, dass zumindest ein hoher einstelliger Millionenbetrag verschwunden ist.

Das Geld wurde in der US-Finanzmetropole ebenso vermutet wie in Liechtenstein. Doch manche meinten auch, das Geld sei eher wie ein Schatz vergraben und könne bei Bedarf sozusagen wieder gehoben werden. Das alles ist aber Spekulation.

Es gibt jedenfalls Leute innerhalb des Praters, die der festen Überzeugung sind, dass die aktuellen Probleme mit jenen von 2008 eng verwoben sind. Denn: Der Skandal um den Prater-Vorplatz kostete zwar der damals Vizebürgermeisterin das Amt. Aber so manche andere damals handelnde Person ist noch immer aktiv. Politisch zuständig ist mittlerweile jedenfalls Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Er verweist in dieser Angelegenheit auf die Prater Wien GmbH.

Dort heißt es nur, dass es derzeit eine Routine-Prüfung ohne Anlass durch den Stadtrechnungshof gebe und man ohne Bericht vorerst keinen Grund sehe, überhaupt etwas zu dieser Prüfung zu sagen.

Prater-Präsident Sittler-Koidl erfuhr am Dienstag durch den KURIER von der aktuellen Prüfung. Zu seinen Aussagen aus dem September wollte er nichts hinzufügen. Er begrüße es aber, dass es nun endlich Transparenz bei der Stadt-Tochter gebe: „Wenn wir zum Beispiel eine Reinigung im Prater benötigt haben und es hieß von der Prater GmbH, dafür ist kein Geld da, dann mussten wir das so akzeptieren.“

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Hintergrund

Die Prater Wien GmbH hieß früher Prater Service GmbH . Sie ist eine 100-Prozent-Tochter der Stadt Wien Marketing GmbH

Millionenkapital

Die Prater Wien GmbH beschäftigt 15 Mitarbeiter und verfügte 2019 über 19,27 Millionen Euro Eigenkapital. Der operative Gewinn lag bei 4.900 Euro, der Bilanzgewinn – aufgrund der Gewinne aus den Vorjahren – betrug rund 3,38 Millionen Euro. Das Unternehmen hat Verbindlichkeiten in Höhe von 17,58 Millionen Euro. Auffällig ist, dass die Prater Wien GmbH Finanzanlagen in Höhe von 22,92 Millionen Euro ausweist, dabei dürfte es sich um Wertpapiere bzw. Beteiligungen (Riesenradplatz GmbH) handeln

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