Fünfachmord in Kitzbühel

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Chronik Österreich
10/31/2019

Die sieben Warnstufen vor dem Eifersuchtsmord

Beziehungstaten geschehen nicht im Affekt, sagen neueste Untersuchungen einer Kriminologin. Sieben Punkte werden zur Vorwarnung.

von Dominik Schreiber

Die Eifersuchtsmorde der vergangenen Monate sorgen für viele Spekulationen. Oft äußern sich Psychologen nur zu bekannten Bruchstücken. Die britische Kriminologin Jane Monckton-Smith (von der Universität Gloucestershire) hat hingegen 372 solcher Mordfälle intensiv aufgearbeitet – und ist zu völlig neuen Schlüssen gelangt. Vor allem, dass die Taten nicht im Affekt passieren.

Demnach gibt es acht Stufen auf dem Weg eines Eifersuchts- beziehungsweise Beziehungsmörders. Doch meist wird nur über die letzte Phase gesprochen. Dabei dürfte das alles kaum spontan passieren, auch wenn das vor allem die Täter (und deren Anwälte) gerne behaupten.

Monckton-Smiths Theorien wurden von der britischen BBC verbreitet und sorgen auch in Österreich in der Kriminalpolizei für Aufsehen, weil die Exekutiv-Fachzeitung kripo.at zuletzt ausführlich darüber berichtet hat. Smith sieht dabei Chancen, dass dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann.

Start mit Belästigung

Der Beginn (Stufe 1) sind dabei entweder Stalking oder Belästigung (auch auf sozialen Medien). Obwohl hier bereits die Alarmglocken schrillen sollten, kommt es danach immer wieder zu echten Beziehungen (Stufe 2).

Stufe 3 ist besonders, weil diese nur wenige Wochen aber auch Jahrzehnte lang dauern kann. Dabei steigert sich die Eifersucht, es wird immer mehr Kontrolle auf den Partner ausgeübt (von Stalking bis Handyüberwachung), die dann auch in Gewalt übergeht. Es wird auch versucht, dass der oder die andere Freundschaften abbricht. Ehemalige Partner werden oft als „Psychopathen“ bezeichnet – ein untrügliches Zeichen für eine Verschärfung der Lage.

Die nächste Stufe kommt dann mit einem Ereignis – das muss nicht nur die Trennung sein, wie oft behauptet wird. Auch Erkrankungen oder finanzielle Probleme sind so genannte „Trigger“.

Danach (Stufe 5) kommt es zur Eskalation und zu Drohungen mit unmittelbarer Gewalt. Erst danach scheint äußerlich ein Sinneswandel (Stufe 6) zu kommen, innerlich kocht aber der Vulkan und die ersten Mordgedanken kommen auf. Die Tat wird schließlich geplant (Stufe 7) und umgesetzt (Stufe 8). Diese kann vom Amoklauf bis zum erweiterten Suizid (mit Kindern) gehen.

„Checkliste“ für Polizei

Monckton-Smith meint, wenn Behörden und Polizei mit dieser „Checkliste“ vorgehen, könnte das Risiko solcher Bluttaten künftig verkleinert werden. Denn die oben genannten Stufen werden de facto eigentlich immer durchlaufen.

In Österreich sollen demnächst auch die Ergebnisse der SOKO Frauenmorde vom Bundeskriminalamt präsentiert werden. Dem Vernehmen nach soll es dabei aber mehr um Tatwerkzeuge gehen als um die Beziehungen untereinander. Wie bereits berichtet, sollen vor allem Stichwaffen eine große Bedeutung bei rund 100 Mord(versuch)en an Frauen eine Rolle gespielt haben.

Frauen sind – entgegen den Vermutungen – allerdings nicht wirklich viel häufiger Opfer als Männer allgemein bei Morden und Mordversuchen. Die Zahl der Toten ist allerdings auf weiblicher Seite höher, weil bei Männern als Opfer die Taten seltener vollendet werden.

Für heuer deutet aber alles darauf hin, dass die Mordrate wieder sinken dürfte. Nach derzeitigen Hochrechnungen wird die Zahl von 76 Morden (wie 2018) heuer nicht erreicht werden.

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