Martin Pucher

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Österreich
06/10/2021

Die „Scheinwelt“ rund um den Umwelt-Hokuspokus des Martin Pucher

Die rechte Hand des Commerzialbank-Chefs gibt Einblicke in seine gescheiterten Umweltgeschäfte

von Patrick Wammerl, Kid Möchel, Dominik Schreiber

Für Martin Pucher war es der letzte, mehrere hundert Millionen Euro schwere Rettungsanker, auf dem Papier ist es aber nicht mehr als ein Rohrkrepierer.

Rund um die hochgepriesenen Umweltpatente der Commerzialbank Mattersburg liegt seit Kurzem der Ermittlungsbericht der Sonderkommission vor. Und der ist so etwas wie ein 312 Seiten dickes Pleite-Dossier. Die Patente, wie der „Macom-Fix“ Öl- und Chemikalienbinder, der „CO2-Filter“ oder der „Entgifter“ scheinen ein Luftschloss des Bankenchefs gewesen zu sein, das trotz intensiver Geschäftsanbahnungen wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Manche Beobachter sprechen von einem Umwelt-Hokuspokus.

Dies zeigen neue Einvernahmeprotokolle bekannter Namen. „Können Sie den Wert der mit der Commerzialbank (CBM) entwickelten Patente beziffern?“, fragten die Ermittler den früheren Mattersburg-Kicker Bernd I.. Unter Pucher wechselte dieser in die Chefetage der Commerzialbank – als rechte Hand des Bankenchefs in Sachen Patente und Projektentwicklung. „Die realistische Chance auf einen Umsatzerlös hätte es mit dem Ölbinder gegeben“, sagte der als Beschuldigter geführte Bernd I. kürzlich aus. „Pucher wollte den Ölbinder in großem Stil im arabischen Raum verkaufen. (…) Hier sind Verträge auf der Ebene von unverbindlichen LOIs (Absichtserklärungen) mit arabischen Geschäftspartnern vorgelegen. Zu diesen Geschäften ist es aber nie gekommen, weil die Araber ihre Zusagen nie eingehalten haben.“

Herrscherhaus in Abu Dhabi

Pucher, Bernd I. und der deutsche Erfinder der Patente, Franz Josef Philipp, waren für Verhandlungen mit potenziellen Investoren mehrmals in Abu Dhabi. Es kam sogar zu Anbahnungen mit Scheich Saeed Bin Khalifa Al Nahyan und dem mächtigen Herrscherhaus des Emirates. Man gründete die „Convolant Emirates Group“, die Anfang 2011 im Technologiepark Abu Dhabi in einem Joint Venture verschiedene Produktionslinien des Macom-Fix produzieren sollte. Dazu kam es aber nie.

Einen potenziellen Verkauf des Ölbinders an Tankstellen, etwa in Deutschland, habe Martin Pucher nicht zugestimmt. Mit fünf Millionen Euro hat ein Patentanwalt den Wert des Ölbinder-Patents beziffert, in das die Commerzialbank drei bis vier Millionen Euro gesteckt hatte. „Pucher glaubte bis zuletzt an den CO2-Filter. Er hat gehofft, dass dieser das Weltpatent wird“, führte Bernd I. weiter aus. „Ich habe in den Jahren 2010/2011, nachdem ich den Erfinder Philipp kennengelernt hatte, Pucher gesagt, dass ich Zweifel an den Versprechungen von Philipp hegte, weil er zu viele Zusagen gemacht hatte, ohne je eine Zusage einzuhalten.“

Es seien Pucher immer wieder neue Patente präsentiert und verkauft worden. Das „Prinzip Hoffnung“ habe den Banker offenbar bewegt, dem Erfinder immer wieder neue Ideen zu finanzieren. „Pucher setzte auf den großen Durchbruch und wollte über die Beteiligungen eine große Einnahmequelle für die Commerzialbank schaffen“, sagt Bernd I.

103 Unternehmen wollten die Patente nicht

Philipp ist auch nach mehr als zehn Jahren gescheiterter Vermarktung immer noch der Meinung, dass es Investoren gibt, die bereit sind mehrere hundert Millionen in seine Erfindungen zu investieren. „Pucher hat das leider nicht geschafft“, so Philipp. Namen oder Firmen der angeblichen Geldgeber will der Deutsche dem Masseverwalter Gerwald Holper aber nicht verraten. Vielmehr drängte der Erfinder auf die Übertragung der Schutzrechte in eine Treuhandgesellschaft. „Erst danach sollen Investoren eingebunden und Finanzierungen geklärt werden“, erklärt Holper. Einem derart unsicheren Plan konnte der Masseverwalter aber freilich nicht zustimmen.

Er selbst ist ebenfalls damit gescheitert, aus den angeblich wertvollen Patentrechten Geld für die betrogenen Gläubiger zu lukrieren. Diese sind 103 Unternehmen angeboten worden, aber niemand wollte sie haben. Laut Masseverwalter sind sie „nicht verwertbar“.

Und das Fazit von Bernd I.: „Ich glaube, Pucher hat den Boden der Realität verloren und lebt in einer Illusion bzw. Scheinwelt, damit er mit seinem Geheimnis besser leben konnte.“

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