© Patrick Wammerl

Chronik Österreich
05/23/2021

Der Leidensweg der Hotellerie in die "neue Normalität"

Ungewissheit und Bangen um die Zukunft gehörte zur Tagesordnung. Nach der Öffnung merkt man Aufbruchsstimmung.

von Patrick Wammerl

Es ist das verlängerte Pfingstwochenende, aber für Andrea und ihren Ehemann Andreas Herbst ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zusammen. Nach sage und schreibe 27 Wochen im Lockdown durften sie diese Woche ihr Hotel Riederalm im salzburgerischen Leogang wieder eröffnen.

Und der Hunger nach Urlaub scheint groß zu sein. Kurz nach Bekanntgabe des Eröffnungstermins für Österreichs Hotellerie war das Viersternehaus am Nabel des Leoganger Bikeparks ausverkauft. So gut wie die meisten Tourismusbetriebe in der Umgebung.

Die vergangenen Monate waren dennoch nicht einfach. Die Ungewissheit hing wie das Damoklesschwert über dem Haus im Salzburger Pinzgau.

„Getestet, geimpft oder genesen?“, fragt Raffael freundlich an der Rezeption des Hotels. Für ein Ehepaar vom Wolfgangsee kein Hindernis um einzuchecken. Obwohl sie selbst in einer der schönsten Tourismusgegenden des Salzkammergutes leben, haben sie keine Sekunde gezögert endlich wieder Urlaub zu machen.

„Wir haben diesen Moment schon herbei gesehnt“, sagen die Beiden. Die Maskenpflicht auf den Gängen, am Weg zum Frühstücksbuffet oder ins Fitnessstudio des Hotels nimmt man gerne in Kauf für ein Stück zurück bekommende Normalität.

Um die strengen Abstandsregeln und Personenbeschränkungen im Restaurant und dem Wellnessbereich einzuhalten, musste die Gästeanzahl beschränkt und ein Teil der Zimmer nicht vergeben werden. Aber das ist immer noch besser, als die Achterbahnfahrt der letzten Monate, sagt Andrea Herbst.

Von 100 auf 0

Nachdem am 3. November nach einem noch nie dagewesenen Rekordsommer coronabedingt die Hotels schließen mussten, war es die monatelange Ungewissheit die zermürbend war. „Wir hätten niemals gedacht, zu Weihnachten oder Silvester nicht aufsperren zu können. Aber alle 14 Tage mussten wir die Buchungen nach hinten verschieben“, sagt das Hoteliers-Ehepaar.

Vier Mal hat das noch übrig gebliebene Personal das gesamte Hotel umdekoriert – Christbäume, Kleeblätter, Faschingsgirlanden und Osterhasen. Doch kein erwarteter Eröffnungstermin hielt. Die verlorene Zeit hat die Familie deswegen genutzt, um das bereits lang geplante Ausbauprojekt eines A‘ la Carte-Restaurants in Angriff zu nehmen.

Dass Pfingsten wieder eine derartige Nachfrage erfährt, hat man den Reiselockerungen in Deutschland zu verdanken. „Die deutschen Gäste machen bei uns gut 60 Prozent aus“, sagt Andrea Herbst. Und sie sind an diesem Wochenende in Scharren gekommen.

Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich alle 48 Stunden testen lassen. Dafür hat das Hotel ein hauseigenes Testangebot geschaffen. „Ein Problem hat niemand damit“, heißt es an der Rezeption. „Man hat die Gewissheit eines sicheren Aufenthalts und nimmt das gerne für ein paar Tage Freiheit in Kauf“, sagt ein Ehepaar aus München.

Wegen des Besucheransturms zu Pfingsten wurde in der gesamten Tourismusregion Saalfelden-Leogang das öffentliche Testangebot erweitert. Schließlich benötigen die deutschen Gäste für die Heimfahrt einen gültigen Coronatest als Freifahrtschein in die Heimat.

Der beste Beweis für ein kleines Stück widererlangte Normalität verdeutlicht ein Blick ins Schwimmbad des Hotels. Aus der Wasserrutsche ertönt lautes Kindergelächter, ein paar Sprösslinge tauchen um die Wette und Mama und Papa liegen entspannt auf den Sonnenliegen und schmökern in den Zeitschriften.

 

Im Bikepark ist bereits die Hölle los. Und die Maskenpflicht in der Seilbahn? Für die Downhill begeisterten Jugendlichen nicht einmal mehr die Rede wert. Es scheint sich ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt zu haben.

Das kolportierte Ende des Maskentragens voraussichtlich im Juni sorgte im Good Life Resort Riederalm die letzten Tage für eine gewisse Entspannung. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein bremste aber noch am Samstag die Erwartungen. 

An der Motivation und den Erwartungen ändert dies aber nichts, wie Andrea Herbst sagt: „Wir gehen davon aus, dass der Sommer und der Herbst wieder extrem stark werden. Die Region hat sich zu einer Ganzjahresdestination entwickelt."

Dann muss sie an die Rezeption eilen. Die nächsten Gäste sind angekommen.

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