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Chronik Österreich
10/29/2020

Datenchaos bei AGES: Wie viele Infizierte gibt es wirklich?

Im Dashboard der AGES ist von 40.000 aktiven Fällen die Rede. Nach Zahlen des BMI sind es aber fast 11.000 weniger.

von Kevin Kada

Neben der Zahl der Neuinfektionen ist die Zahl der aktiven Corona-Fälle eine wichtige Kennzahl, um sich ein Bild vom aktuellen Infektionsgeschehen in Österreich zu machen. 

Nicht jeder neue Infizierte muss automatisch im Krankenhaus behandelt werden. Allerdings zeigt sich, dass je länger eine Covid-19-Infektion dauert, desto schwerwiegender ist ihr Verlauf. Oft ist dann auch eine Behandlung im Spital notwendig. Die Zahl der aktiven Fälle gibt dem Gesundheitssystem also eine Möglichkeit der Prognose.

Und genau hier hat Österreich oder in diesem Fall die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ein gravierendes Problem.

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Sieht man sich das Dashboard der AGES (früher vom Gesundheitsministerium betrieben) an, so werden dort mit Stand Donnerstag um 14 Uhr 40.263 aktive Fälle ausgewiesen.

Fast 11.000 Infizierte weniger

Die Zahlen des Bundesministeriums für Inneres, sowie des Gesundheitsministeriums sprechen aber eine andere Sprache. Hier waren zum gleichen Stand "nur" 29.526 aktive Fälle. Also fast 11.000 Infizierte weniger. Wie es zu dieser Diskrepanz kommt, erklärt die AGES im Dashboard selbst: 

"Die beträchtliche Differenz in der Angabe zu 'Geheilten Fällen' zwischen amtlichen Dashboard und AGES Dashboard ergibt sich durch Verzögerungen in der Fall-Datenvervollständigung im EMS (Anm.: Epidemiologisches Meldesystem). Nach Rücksprache mit den Ländern werden in Kürze alle geheilten Fälle auch im EMS mit dem Fallstatus "geheilt" abgeschlossen werden", heißt es in der Erläuterung zum Dashboard.

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Diese Erklärung ist dort aber bereits seit der Übernahme des Dashboards durch die AGES am 6. Oktober zu finden. Auf KURIER-Anfrage konnte die AGES auch nach mehrmaliger Nachfrage nicht erklären, wie lange es noch dauern wird, ehe die Genesenen Fälle auch im Dashboard ersichtlich sind. Auch, um wie viele Tage sich die Daten verzögern, konnte die AGES nicht beantworten.

Anders als das vollautomatische Dashboard, welches durch das EMS gespeist wird, melden die Bundesländer ihre neuen Genesenen täglich an den Krisenstab der Bundesregierung im Innenministerium.

Aus diesen Zahlen ergibt sich auch die tägliche Meldung des Innenministeriums zu den neuen Genesenen sowie den Neuinfektionen in den einzelnen Bundesländern. Aus diesen Daten errechnen sich auch die gestrigen fast 30.000 aktiven Fälle. Auch der KURIER richtet sich aktuell nach diesen Zahlen. 

Nächstes Kapitel

Die unterschiedlichen Angaben der aktiven Fällen reihen sich in eine Vielzahl an Datenproblemen im Ministerium und der AGES ein. Zuletzt gab es auch schon Probleme mit der Zahl der verfügbaren Intensivbetten.

Zudem ist seit Beginn der Pandemie die Berechnung der Bundesländerdaten nicht in sich schlüssig. Das liegt an der doppelten Datenerfassung. Auf der einen Seite wird zur Berechnung das EMS herangezogen, auf der anderen Seite die Einmeldungen der Bundesländer. 

Bereits im Juli hat das Gesundheitsministerium gegenüber dem KURIER eine Verbesserung versprochen: „Es ist geplant durch weitere Optimierungen die Daten durch die Verwendung einer Datenquelle abdecken zu können.“

Allerdings widerspricht sich der Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) selbst, wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ an Anschober hervorgeht: "Die Erfahrungen haben gezeigt, dass 2 Meldearten zielführend sind um einen umfassenderen Überblick über die epidemiologische Situation zu gewährleisten. Die Daten aus den Bundesländern bieten eine wichtige Ergänzung zu den aus dem EMS generierten Daten (z.B.: Hospitalisierungszahlen). Gleichzeitig kann durch die 2. Meldeschiene eine Verzögerung bei der Eintragung in das EMS ausgeglichen werden."

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