Meinung
10/29/2020

Hausaufgaben im Corona-Zahlenchaos wurden nicht gemacht

Durch die stiefmütterlich behandelten Corona-Daten, verbaut sich die Bundesregierung jegliche Akzeptanz in der Bevölkerung.

von Kevin Kada

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie beschäftigt sich der KURIER intensiv mit allen Daten rund um Infektionen, 7-Tages-Inzidenz und Aktiven Fällen. Und genauso lange müssen sich die zuständigen Redakteure auch mit der unzureichenden Datenaufbereitung beschäftigen.

Zuvor durch das Gesundheitsministerium, jetzt durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Die Redakteure müssen mit den Zahlen arbeiten, die sie zur Verfügung haben. Trotzdem müssen sie sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, man wolle Panik verbreiten oder etwas beschönigen. Die Zahlen sollen für sich sprechen und natürlich auch interpretiert und erklärt werden.

Doch die Pandemie zeigt, dass es die Bundesregierung mit der Macht der Zahlen nicht so genau nimmt. Das jüngste Beispiel der Diskrepanzen in den aktiven Fällen zeigt einmal mehr, dass es einen transparenten Umgang mit Daten braucht. Würden die Wissenschaftler, Mathematiker, Statistiker und Experten des Landes alle Rohdaten zur Verfügung haben, dann könnte die Pandemie wohl auch mit etwas weniger Emotion und Anhand von Fakten bekämpft werden.

Die Handlungs- und Deutungshoheit der Bundesregierung in Sachen Corona-Zahlen wurde zu Beginn der Pandemie noch akzeptiert. Ein Schulterschluss war gefragt. Aber spätestens seit dem Sommer, als die Zahlen vergleichsweise niedrig waren, hätte man sich darüber Gedanken machen müssen, wie es weitergeht. Wie kann ich belastbare Daten zur Verfügung stellen, die auch bestimmte Maßnahmen rechtfertigen? Wie kann ich der Bevölkerung vermitteln, dass sich Österreich in einer ernsten Lage befindet, ohne Panik zu verbreiten?

Das sind Fragen, die jetzt, in der zweiten heißen Phase, nicht beantwortet werden können und dadurch auch die Zustimmung in der Bevölkerung sinkt. Besonders schwer wiegt es, wenn aktuelle Zahlen wegen unterschiedlicher oder ungenauer Zählweisen in den Verdacht kommen, als politisches Instrument genutzt zu werden. So wie es beispielsweise vor der Wien-Wahl passiert ist.

Zudem öffnen diese Unterschiede nicht nur Tür und Tor für Verschwörungstheorien. Sie lassen die Österreicherinnen und Österreicher jede andere Information der Bundesregierung ebenfalls hinterfragen. All das gipfelt am Ende darin, dass die Bevölkerung kein Verständnis für (auch sinnvolle) Maßnahmen hat.

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