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Chronik Österreich
03/23/2021

Corona: Warum im Osten Österreichs die Lage so dramatisch ist

Mutationen hauptverantwortlich für die kritische Lage. Modell Vorarlberg erhielt nun aber ebenfalls einen Rückschlag.

von Patrick Wammerl, Christian Willim, Josef Gebhard

Im Osten Österreichs sind die Intensivstationen am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Die Vorarlberger sitzen derweil bei Spätzle und Bier am Wirtshaustisch. Viel größer könnte der Kontrast im Pandemie-Geschehen nicht sein. Doch am Dienstag bekam auch die Modellregion Vorarlberg einen Rückschlag versetzt.

Aufgrund eines Clusters im Schul- und Kinderbetreuungsbereich in Hörbranz und Lochau wird ab Mittwochmitternacht über das Leiblachtal, in dem beide Orte liegen, eine Ausreise-Testpflicht verhängt. In etlichen der entdeckten Fälle wurde die britische Mutation nachgewiesen, die in Vorarlberg bisher eine untergeordnete Rolle spielte.

„Wir sind mitten in Öffnungsschritten. Da steht auch einiges am Spiel“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, warum die Maßnahme nun notwendig sei. Mit einer 7-Tages-Inzidenz von 78 sieht er sein Bundesland aber weiterhin weit von den Zahlen im Rest von Österreich entfernt.

Doch warum hat sich die Lage derart unterschiedlich entwickelt? Sind die Vorarlberger so viel disziplinierter als Wiener, Burgenländer oder Niederösterreicher?

Ein klares „Nein“ dazu kommt von führenden Epidemiologen. „Der Hauptgrund ist sicher die ungleiche Verteilung der britischen Mutationsvariante zwischen Ost und West. Im Osten werden schon mehr als 90 Prozent der Infektionen durch die britische Variante verursacht. Sie ist ansteckender und scheint auch bei Jüngeren zu schwereren Verläufen zu führen. Dadurch ist der Osten viel stärker betroffen als der Westen – oder vielleicht auch dem Westen nur ein paar Wochen voraus, weil sich die britische Variante dort auch früher oder später durchsetzen wird“, sagt Mediziner Gerald Gartlehner, Donau Uni Krems.

Ballungsraum

Dazu kommt, dass der Ballungsraum Wien und NÖ mit 3,7 Millionen Menschen die größte Bevölkerungsdichte des Landes aufweist. Gepaart mit der Isolationsmüdigkeit der Bevölkerung, die die Einschränkungen laut NÖ-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) nicht mehr voll mitträgt, gibt es im Osten einen größeren Nährboden für die Verbreitung des Virus. Außerdem habe die Mitwirkung am Contact-Tracing deutlich nachgelassen, heißt es aus dem Hochinzidenzgebiet Wiener Neustadt. Vermeintliche Ansteckungen bei familiären Treffen werden verheimlicht.

Die Art der Virus-Mutation und der Umstand, dass nun auch Junge schwer erkranken, führe laut dem Umweltmediziner Hans-Peter Hutter zu deutlich längeren Liegezeiten in den Intensivstationen, was die Bettenkapazitäten beeinträchtigt: „Von September bis Ende Jänner ist sie österreichweit von durchschnittlich sieben auf 11,2 Tage gestiegen.“

„Die Lage ist ernst und spitzt sich weiter zu“, sagt eine Sprecherin des Wiener Gesundheitsverbunds. Am Dienstag waren Wien-weit 168 Covid-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Drei mehr als tags zuvor und so viele wie noch nie.

Mittlerweile habe man bei der Auslastung Stufe sechs von acht erreicht. Insgesamt stünden für alle Intensivpatienten in den Gemeindespitälern 550 Betten zur Verfügung. Wann der Punkt der totalen Erschöpfung der Kapazitäten erreicht ist, kann die Sprecherin nicht sagen.

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