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Chronik Österreich
01/09/2021

Corona: Ostösterreich drängt auf eigene Regeln

Wegen der aktuell relativ guten Kennzahlen wünschen sich Wien und NÖ weniger strenge Maßnahmen als im Westen. Zum Beispiel eine frühere Öffnung der Schulen.

von Josef Gebhard, Martin Gebhart , Matthias Nagl

Im Wien-Wahlkampf wurde die Stadtregierung von VP-Ministern noch wegen der vermeintlich schleißigen Corona-Maßnahmen gescholten, vier Monate später hat sich das Blatt gewendet: Aufgrund der positiven Entwicklung im Pandemie-Geschehen müsste in Wien, aber auch in Innsbruck und fünf Bezirken in NÖ die Corona-Ampel von Rot auf Orange schalten. Wie berichtet, entschloss sich die zuständige Kommission am Donnerstag doch dagegen: Man müsse noch die Auswirkungen der Weihnachtsfeiertage und des Auftretens der neuen Virus-Mutation bewerten.

Immer deutlicher zeigt sich aber unabhängig davon ein Ost-West-Gefälle in der Virus-Verbreitung: Hier die Länder Wien, NÖ und Burgenland mit zuletzt sehr günstigen Eckdaten, dort die westlichen Länder, die die Pandemie nur schwer in den Griff zu bekommen scheinen.

Sorgenkind Salzburg

Allen voran Salzburg: Dort lag die 7-Tages-Inzidenz am Freitag bei 326. Das ist mehr als das Doppelte des Österreich-Schnitts von 161. Über die Ursachen tappt man im Dunkeln: "Es gibt keine alles klärende Begründung", sagt Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz. Es gebe "keine herausragenden Cluster, sondern kleine Haushaltscluster. Wo sich die Personen angesteckt haben, das ist ihnen meist selbst nicht klar." Nicht ausgeschlossen wird, dass die mutierte Virusvariante bei den höheren Zahlen eine Rolle spielt.

In den östlichen Ländern hinterfragt man indes, ob die strengen Corona-Regeln bundesweit gelten müssen. Zuletzt zeigte sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) optimistisch, dass Wien, das Burgenland und NÖ bei der Corona-Ampel auf Orange geschalten werden könnte. "Wir haben eine sehr positive Entwicklung in der Ostregion. Da bin ich dann neugierig, wie man dann einen Lockdown argumentiert", so der Stadtchef in Hinblick auf die geplante Verlängerung, die am 14. Jänner beschlossen werden soll.

Nach jetzigem Stand wird der Lockdown jedenfalls bis 24. Jänner dauern. "Doch macht es Sinn, an diesem Tag ganz Österreich aufzumachen?", sagt ein Sprecher von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Auch er rechnet damit, dass in der Ostregion immer mehr Bezirke orange werden. "Wenn die Entwicklung so bleibt, sollten wir langsam über regional unterschiedliche Öffnungsschritte diskutieren", betont er. Etwa bei den Schulen, im Handel oder in der Kultur.

Konkreter wird Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): "Klar ist: Wenn bei uns die Zahlen der 7-Tage-Inzidenz unter 100 fallen und in Richtung 50 gehen, müsste ein Unterschied gemacht werden. Man kann den Eltern in der Ostregion nicht erklären, warum bei solchen Zahlen die Schulen nicht offen sind."

Mikl-Leitner sieht einen "drohenden Ärztemangel"

Es geht aber auch um handfeste juristische Fragen: Laut Covid-Maßnahmengesetz müssen alle Schritte zur Pandemie-Bekämpfung ausreichend begründet sein. Sonst droht eine Aufhebung durch den Verfassungsgerichtshof, wie sie in einzelnen Fällen bereits erfolgt ist. Die Frage ist: Lässt sich ein bundesweiter Lockdown noch ausreichend begründen, wenn in drei Bundesländern mit insgesamt vier Millionen Einwohnern die Ampel nur mehr orange leuchtet?

Für Eva Schernhammer, Epidemiologin an der Wiener MedUni, kommt der aktuelle Befund nicht ganz überraschend. "Schon die Antikörper-Studie aus dem vergangenen Herbst hat ein deutliches Ost-West-Gefälle gezeigt." Demnach seien in Wien, NÖ und dem Burgenland bei 3,8 Prozent der Teilnehmer Antikörper gefunden worden, die auf eine durchgemachte Corona-Infektion hinweisen. In den westlichen Bundesländer seien es 5,7 Prozent gewesen.

Ursachen unklar

"Wie es zu diesem Unterschied kommt, ist allerdings schwer zu erklären", betont die Expertin. Sie warnt auch vor voreiligen Schlussfolgerungen: "Die Lage kann sich sehr schnell ändern."

Ihrer Einschätzung nach sei es jetzt auch noch zu früh, auf regional unterschiedlich strenge Corona-Maßnahmen umzusteigen: "Dafür sind wir immer noch in einer zu kritischen Phase mit sehr vielen Neuinfektionen."

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