Ins Restaurant gehen - das klappt vorerst nur in Vorarlberg

© APA/DIETMAR STIPLOVSEK

Chronik Österreich
03/16/2021

Geteiltes Land: Öffnung im Westen und Sperren im Osten Österreichs

In Vorarlberg können die Menschen wieder ins Restaurant gehen, im Osten leidet Wiener Neustadt unter den Ausreisetests.

von Christian Willim, Patrick Wammerl, Martin Gebhart

Neidisch blicken die Menschen im Osten Österreichs in das westlichste Bundesland. In Vorarlberg wurde am Montag die Tür in Richtung Normalität ein Stück geöffnet: Menschen trafen sich wieder in den Restaurants und genossen diese Freiheit, auch wenn sie die Ausgangssperre ab 20 Uhr daran erinnert, dass die Corona-Krise nicht vorbei ist. Im Osten Österreichs kann man davon derzeit nur träumen. Da wachten die Menschen in Wiener Neustadt in einer ganz anderen Realität auf: Ausreisekontrollen, wenn man die Stadt verlässt.

Kaum ein Leben in der Stadt, weil viele dem damit verbunden Testzwang ausweichen wollen. Und jetzt drohen auch noch dem angrenzenden Bezirk Ausreisetests, weil dort die 7-Tages-Inzidenz die 400er-Marke überschritten hat. Eine Ausreise-Testpflicht wurde am Montag auch für das Gasteinertal und die Tiroler Gemeinde Arzl im Pitztal verhängt. Und auch für die Osttiroler Stadt Lienz könnte es angesichts der hohen Infektionszahlen bald Realität werden.

Ein Schnitzel im Ländle

Das Wiener Schnitzel in dem Bregenzer Gasthof hat eine luftige Panier und schmeckt hervorragend. Der wahre Genuss ist es aber, wieder zwischen anderen Menschen in einem Lokal zu essen. Das ist zarter Butterschmelz für die Seele.

Zum Lockerungsstart am Montag öffnete vorerst aber nur ein Drittel der Vorarlberger Wirte. Die Rahmenbedingungen lassen für viele keinen wirtschaftlichen Betrieb zu. In "Gabriel’s Cucina" in Dornbirn ist Montagmittag hingegen das Leben zurückgekehrt.

Tränen in den Augen

Der Herd war nie kalt. Im Lockdown setzte Betreiber Gabriel Venturiello auf Take-away und Zustellung. "Aber heute habe ich Tränen in den Augen. Es ist was anderes, wenn man seine Gäste wieder im Lokal begrüßen kann", sagt der 47-Jährige.

Die Freude ist nicht einseitig. "Ein Traum", sagt Gast Michael Bereiter. Seine Frau Maria meint: "Das Herz geht einem auf." Die Hürden für den Lokalbesuch – Registrierung und Testpflicht – nehmen sie gerne in Kauf.

Chef Venturiello ist eine der kritischen Stimmen der Vorarlberger Gastro-Branche, hat im Herbst einen Trauermarsch mit Kollegen veranstaltet, um auf die Probleme der Wirte aufmerksam zu machen. "Es überwiegt heute die Freude, aber es wäre anders sinnvoller gewesen", sagt er.  Die maximale Betriebszeit bis zur Ausgangssperre ab 20 Uhr und der Kapazitätsverlust durch die vorgeschriebenen 2-Meter-Abstände zwischen den Gästegruppen machen den Gastronomen Kopfzerbrechen.

Theaterstück ausverkauft

Im Kulturbereich ist es – bei anderen Regeln – ähnlich. Im Foyer des Theater Kosmos wird am Montagvormittag aber geschraubt. Im Bühnenraum ist das Licht an. Gleich starten die Proben. Am Samstag ist Premiere für das 2-Personen-Stück „Wunschloses Unglück“ von Peter Handke.

"Wir haben das Glück der niedrigen Zahlen", sagen die künstlerischen Leiter Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig mit Blick auf das Vorarlberger Infektionsgeschehen. Statt 170  wird man 85 getestete und maskierte Besucher einlassen dürfen. Die ersten beiden Vorstellungen sind ausverkauft. "Man merkt, die Leute wollen wieder ins Theater", sagt Jagg.

Einige größere Kulturbetriebe bleiben zu. "Wenn ich 1.000 Abonnenten habe und maximal 100 reinlassen darf, ist das schwierig", sagen die beiden. "Wir sind ein kleines Boot", so Dragaschnig. Das sei aktuell ein Vorteil.

Ausreise-Planquadrat in Niederösterreich

Die Kontrolle ist rasch vorbei. "Bitte den Führerschein, die Zulassung und den negativen Corona-Test", verlangt der Polizist. Alles passt. "Danke, bitte weiterfahren." Das alles erinnert an ein übliches Polizei-Planquadrat das unter dem Titel "Ausreisekontrolle" läuft. Wer keinen negativen Test vorweisen kann, muss zurück. Das trifft aber die wenigsten.

Das befürchtete Stauchaos zu Beginn der Arbeitswoche ist im Hochinzidenzgebiet Wiener Neustadt jedenfalls ausgeblieben. Das liegt in erster Linie an der Polizei, weil diese  zwar an den Ausfahrtstraßen von Wiener Neustadt postiert ist, aber tatsächlich nur stichprobenartig kontrollieren, ob man einen negativen Corona-Test vorweisen kann. Höchstens zwei bis drei Autos werden gleichzeitig angehalten, eine Autoschlange wird bewusst vermieden.

Mehr Betriebsamkeit herrscht bei den vielen Teststraßen, die mittlerweile angeboten werden. In den Kasematten hat sich am Montag schon um 7 Uhr eine Schlange gebildet. Alles geht dennoch sehr rasch,  dafür sorgt mittlerweile das Bundesheer. Neu ist, dass sehr viele auswärtige Arbeiter zum Testen gehen. Die Angst, am Abend die Stadt nicht mehr verlassen zu können, dürfte groß sein. Auch große Betriebe haben für ihre Mitarbeiter das hauseigene Testangebot ausgeweitet.

Tausende Kontrollen

Am Samstag, dem ersten Tag der Corona-bedingten Ausreisekontrollen, wurden rund 4.000 Personen in 3.000 Fahrzeugen bei der Ausfahrt angehalten: 38 Personen wurden wegen fehlender Corona-Tests zurückgeschickt, sechs Anzeigen wurden ausgestellt. Montagfrüh wurden mehr als 3.000 Kontrollierte gezählt. 32 Mal mussten sie wegen eines fehlenden Tests zurückgeschickt werden.

Dass das große Chaos zum Wochenstart ausblieb, ist sicher auch dem deutlich geringeren Verkehrsaufkommen geschuldet. Wer nicht unbedingt muss, der meidet derzeit Wiener Neustadt.  Geschäfte in der Innenstadt und in den Einkaufszentren melden deutliche Umsatzrückgänge.  

"Das Bild erinnert mich an den Lockdown vor einem Jahr", sagt ein Rathaus-Mitarbeiter, der auf den Hauptplatz in Wiener Neustadt blickt. Womit klar ist: Die, die in der Stadt bleiben müssen, haben mehr Probleme als jene, die "ausreisen".

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