Peter Fetz ist Chef des "Hirschen" in Schwarzenberg im Bregenzerwald

© Christian Willim

Lokalaugenschein
03/15/2021

Nur jeder dritte Wirt in Vorarlberg sperrt heute wieder auf

Der KURIER besucht am ersten Tag der Vorarlberger Öffnung Wirte, Kulturbetreiber und einen Sportverein.

von Christian Willim

***Diese Geschichte wird laufend aktualisiert***

Der "Hirschen" in Schwarzenberg im Bregenzerwald liegt seit über vier Monaten im Tiefschlaf. Restaurant, Hotel und Kulturbetrieb in dem 1755 erbauten Traditionshaus - der Lockdown hat alles lahmgelegt.

Ab heute, Montag, darf in Vorarlberg die Gastronomie wieder öffnen. Das Ländle wird damit zur österreichweiten Pilotregion. Auch im Sport- und Kulturbereich gibt es Lockerungen, die nur für das westlichste Bundesland gelten.

Ab dem heutigen Montag wird Vorarlberg zur Pilotregion für Öffnungen in Österreich.

Die Gastronomie darf im Freien und in den Lokalen Gäste bewirten. Die Öffnungszeiten sind durch die nächtliche Ausgangsregelung beschränkt. Um 20 Uhr muss wieder jeder vom Gasthaus-Besuch daheim sein.

Zudem braucht es einen negativen Corona-Test, der im Fall eines PCR-Tests nicht älter als 72 Stunden und bei einem weniger verlässlichen Antigen-Test nur 48 Stunden alt sein darf. Die Maske ist auch im Wirtshaus zu tragen und kann nur zu Speis und Trank abgenommen werden.

Veranstaltungen im Kulturbereich sind ebenfalls wieder möglich - auch in geschlossenen Räumen. Die Zahl der Besucher ist allerdings auf 100 Personen beschränkt, zudem darf nur maximal die halbe Kapazität der Räumlichkeit genutzt werden.

Die Plätze müssen zugewiesen und gekennzeichnet sein. Hier gelten auch in Eigenregie durchgeführte Tests als Eintrittskarte, sofern diese in einem behördlichen Datenverarbeitungssystem erfasst sind. Speisen und Getränke dürfen nicht abgegeben werden

Lockerungen gibt es auch im Sportbereich, wo in Vorarlberg 20 Jugendliche bis 18 outdoor und zehn indoor zusammenkommen können. Allerdings ist kein Sport mit Körperkontakt erlaubt.

Auch beim Sport gibt es eine Testpflicht. Die Regeln dafür sind die selben wie in der Kultur.

Veranstaltungen im Rahmen der außerschulischen Jugenderziehung und Jugendarbeit sind künftig mit bis zu zehn Personen bis 18 Jahre zuzüglich zweier volljähriger Betreuungspersonen wieder zulässig. Voraussetzung sind negative Antigen-oder PCR-Tests.

Erlaubt sind auch Zusammenkünfte von medizinischen und psychosozialen Selbsthilfegruppen.

Peter Fetz gehört zu den Unternehmern, die wieder aufsperren wollen, wenn auch erst ab Freitag und vorerst nur für einen Wochenendebetrieb des Gastlokals. "Es geht darum, jetzt ein gutes Zeichen zu setzen", sagt der "Hirschen"-Chef, während sich draußen der Wintereinbruch in Schnee niederschlägt.

Nicht alle Wirte im Land denken so wie der 30-Jährige. Laut einer Umfrage der Vorarlberger Wirtschaftskammer wollen nur 30 Prozent der Vorarlberger Gastronomen ihre Lokale unter diesen Bedingungen öffnen.

Zwei-Meter-Abstände zwischen den Gastgruppen und eine Öffnungszeiten bis maximal 20 Uhr lassen für viele keinen wirtschaftlichen Betrieb zu.

"Wir haben den Vorteil, dass wir so viel Platz haben", sagt Fetz, der die Rahmenbedinungen zwar kritisch sieht, aber auch meint: "Wir müssen die Challenge annehmen."

Den Vorarlberger Pilotversuch befürwortet er, bei allen Risiken, die damit verbunden sind: "Ganz Mitteleuropa schaut auf uns. Wenn es nicht funktioniert, können wir es bis Mitte Juli wieder abschreiben."

Optimistischer Blick

Als Wirt sei er aber überzeut, "dass wir das gut hinkriegen". Und was sagt der Kulturveranstalter, der in seinem Hotel den Gästen unter anderem Konzerte, Lesungen und Kabarett serviert: "Da sehe ich es genauso."

Wie er selbst allerdings Kultur und Gastronomie unter einen Hut kriegen soll, weiß der Vorarlberger aber noch nicht. Denn derzeit schließen die Regeln aus, dass beides parallel von Statten gehen kann.

Der Hotelier Fetz wiederum weiß wie alle anderen in seiner Branche nicht, wann er wieder Zimmer vermieten kann und hofft, "dass wir  ab Mai wieder ohne Unterbrechung offen haben können".

Der Tag der Öffnungen startet im Zentrum von Bregenz zwischen Schneetreiben und Regen. Die Gastgärten sind witterungsbedingt zu. Ohne die Möglichkeit, auch Gasträume zu bespielen, auf die Landeshauptmann Markus Wallner gedrängt hätte, wären die Lokalöffnungen zum Auftakt wohl zur Gänze ins Wasser gefallen.

Ein älterer Herr kommt gerade von seinem ersten Kaffee in einem Lokal über den Kornmarkt spaziert. "Ich finde es gut, es ist ein erster Schritt", sagt er. Das Gefühl wieder einmal in einem Kaffeehaus gesessen zu sein. "Fein", meint er mit breitem Grinser.

Bei Ingrid und Werner Linder könnte Meinung nicht unterschiedlicher sein: Sie will am Dienstag gleich zu gleich zwei Damentreffen für ein Schwätzchen in ein Lokal und meint: "Ich freu mich riesig."

Ihr Mann ortet hingegen einen "Riesenzirkus": "Ich lass mich doch nicht nur für einen Kaffee testen. Und der Wirtschaft bringt das nichts, wenn die nicht auch am Abend offen lassen können. Da machen sie den Umsatz."

Im Foyer des Theater Kosmos in Bregenz wird geschraubt. Im Bühnenraum ist das Licht an. Gleich werden die aus Wien angereisten Schauspieler zur ersten Probe kommen. Am Samstag ist Premiere für das 2-Personen-Stück "Wunschloses Unglück" von Peter Handke, die eigentlich schon am 5. November stattfinden hätte sollen.

"Wir haben das Glück der niedrigen Zahlen", sagen die künstlerischen Leiter Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig mit Blick auf das Vorarlberger Infektionsgeschehen. 85 statt 170 Besucher wird man einlassen können. Die ersten beiden Vorstellungen waren sofort ausverkauft, als klar war, dass es wieder losgeht.

"Man merkt, die Leute wollen wieder ins Theater", sagt Jagg. "Wir freuen uns", beschreibt Dragaschnig die Gefühlslage im Haus. Einige größere Kulturbetriebe wollen die Türen vorerst weiter geschlossen halten. "Wenn ich 1000 Abonnenten habe und nur 100 reinlassen kann, ist das schwierig", verstehen die beiden solche Entscheidungen. "Wir sind ein kleines Boot", so Dragaschnig. Das sei aktuell ein Vorteil.

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