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Chronik Österreich
08/17/2021

Commerzialbank: Laut Gutachter sind Patente nicht einmal eine Million Euro wert

Banker Martin Pucher pumpte anscheinend Millionengelder aus der Bank in Erfindungen eines Deutschen, doch die erwiesen sich als Fehlinvestition.

von Patrick Wammerl, Kid Möchel, Dominik Schreiber

Das „Prinzip Hoffnung“ ist zerplatzt wie eine Seifenblase – auch für die Gläubiger eine bittere Enttäuschung. Anstatt der erhofften 300 bis 400 Millionen Euro sind die Umweltpatente der Commerzialbank Mattersburg zumindest rund 630.000 Euro, im besten Fall 980.000 Euro wert. Auf dieses Liquidationswert kommt zumindest der von der Staatsanwaltschaft im Verfahren gegen Banken-Chef Martin Pucher eingesetzte Gutachter.

Der aus Bonn stammende Sachverständige Dierk-Oliver Kiehne hat einen Bericht zum Umwelt-Hokuspokus und den Baupatenten der Bank abgegeben. Das Ergebnis ist ernüchternd und der Wert der Ölbinder-Technologie oder des -Filters bei Weitem nicht so astronomisch, wie Pucher und der deutsche Erfinder Franz Josef Philipp es einschätzten.

Dabei flossen zig Millionen Euro der Bank in die Erfindungen. In Deutschland wurde eine Fabrik gekauft, um darin tonnenweise Ölbindemittel herzustellen. „In der Hoffnung, dafür später ein Vielfaches wieder herauszubekommen“, erklärt Philipp.

Pucher war mit Entourage einige Male in Abu Dhabi, um mit potenziellen Investoren zu verhandeln. Es kam sogar zu Anbahnungen mit Scheich Saeed Bin Khalifa Al Nahyan und dem mächtigen Herrscherhaus des Emirates. Aber auch daraus wurde nichts.

"Preis bestimmen Angebot und Nachfrage"

Dass die Patente heute nicht einmal mehr eine Million Euro einspielen sollen, ist für den deutschen Erfinder schwer zu akzeptieren. Den Masseverwaltern Gerwald Holper und Michael Lentsch unterstellt er sogar Unvermögen bei dem Versuch, die Patente zu Geld zu machen. „Was auf dem Papier steht, bedeutet nichts. Den Preis bestimmen Angebot und Nachfrage“, sagt Philipp.

Mit der Übertragung der Schutzrechte in eine eigene Treuhandgesellschaft wollte sich der Deutsche um die Vermarktung kümmern. Seinem Vorschlag nach wären 25 Prozent des Ertrags den Gläubigern der Bank zugestanden.

Allerdings gibt es begründete Zweifel an diesem Plan. Pucher, Philipp und alle anderen involvierten Personen haben es mehr als zehn Jahre lang nicht geschafft, die Patente am Weltmarkt zu Geld zu machen.

1 Euro - nur ein Angebot für Puchers Patente

Indes versichert Masseverwalter Lentsch dem KURIER, dass viele Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um die Patente an den Mann zu bringen.

„Wir nehmen die Geschichte mit den Patenten sehr ernst. Wir arbeiten mit Experten in Deutschland zusammen und die haben Gott und die Welt angesprochen, ob es Interesse an den Patenten gibt“, sagt Lentsch. „Mit Ausnahme eines Angebots über einen Euro haben wir keines bekommen.“ Eine Absage erteilt er dem Vorschlag mit der „Treuhandgesellschaft“.

„Dass wir einer Treuhandgesellschaft Patente übertragen, ohne zu wissen, was dann passiert, entspricht nicht unserer Pflichtensituation. Das geht nicht“, sagt der Masseverwalter. Und in Richtung des Erfinders sagt er: „Ich habe noch nichts gesehen, wo ein Substrat dahinter war.“

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