David Kreytenberg will in der Krise auf die Straße servieren. Der öffentliche Raum gehöre nicht den Autos allein

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Österreich
05/28/2020

Wiener Wirte wollen Gastgärten statt Autos auf der Straße

In der Krise brauchen die Wirte mehr Platz für ihre Gastgärten. Manche wollen dafür jetzt Straßen für Autos sperren. In Berlin und Rotterdam sind ähnliche Konzepte in Umsetzung.

von Julia Schrenk

Ein paar Tische, ein paar Sessel, gutes Essen, dazu natürlich Getränke. Nein, nicht im Lokal – sondern mitten auf der Straße.

Geht es nach David Kreytenberg, könnte das in Wien bald Realität seit. Der Gastronom fordert, öffentliche Straßen abschnittsweise zu sperren, damit dort Schanigärten aufgebaut werden können. Im Streit um den öffentlichen Raum – leidenschaftlich geführt zwischen Autofahrern, Radlern und Fußgängern – mischen nun also auch noch die Wirte mit.

Doch der Reihe nach.

Als am 15. Mai die Gastronomie hierzulande nach dem Lockdown wieder hochfuhr, hat Kreytenberg im 4. Bezirk sein Wirtshaus Schlawiener nicht nur aufgesperrt, sondern frisch eröffnet.

Kreytenberg kennt man in der Szene, sein Lokal wurde lang erwartet, an Gästen fehlt es nicht. Aber: „Man merkt es an den Leuten – die Stimmung drinnen ist beklemmend.“ Wegen Corona. Viele, sagt er, würden doch lieber draußen sitzen.

Doch draußen sei zu wenig Platz. Dabei sollten die Gäste sogar draußen sitzen, sagt Kreytenberg – und wird sehr deutlich: In den Lokalen herrsche derzeit „unnötige Ansteckungsgefahr“.

Deswegen fordert der Gastronom nicht nur, dass Gastgärten, die auf öffentlichem Raum aufgebaut werden, zumindest während der Krise um „zwei oder drei“ Parzellen vergrößert werden können.

Sondern auch, dass Straßen abgeriegelt werden. Es müsse ja nicht gleich eine ganze Straße sein, aber am Wochenende oder ein Mal pro Woche sollten Abschnitte für den Verkehr gesperrt werden.

Auch andere Gastronomen äußern sich vorsichtig positiv. Florian Egger, Chef des Zweitbester im 4. Bezirk, sagt: „Wir sind längst für eine autofreie Heumühlgasse.“

Man müsse nur darauf achten, wo solche Zonen eingerichtet werden, damit andere Wirte dadurch keinen Nachteil erleiden.

Ein radikaler Vorschlag?

Zumindest einer, der wohl kontrovers diskutiert wird. Denn darüber, wie der öffentlichen Raum genutzt wird, ist zuletzt durch die Einführung von temporären Begegnungszonen und Pop-up-Radwegen in der Krise längst eine heftige Debatte ausgebrochen.

Wien–Berlin

In anderen Städten in Europa sind solche Vorschläge bereits in der Umsetzung. In Rotterdam dürfen heuer alle Geschäfte – auch Frisörsalons – Parkplätze in Verkaufsfläche umwandeln. Eine Extra-Erlaubnis ist nicht nötig.

In Berlin sind Corona-bedingte „Gastro-Meilen“ bereits fix. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat Mitte Mai einen sogenannten „Melde-Dialog“ ausgerufen – und gefragt, in welchen Zonen „das Aufstellen von „Tischen, Stühlen und Auslagen auf der Fahrbahn“ sowie die „temporäre Sperrung der Straße von Freitagmittag bis Sonntagabend für den motorisierten Individualverkehr“ erlaubt sein soll.

"Gastro-Meilen"

300 Wirte haben sich zurückgemeldet, das Ergebnis: In drei Zonen sind die „Gastro-Meilen“ gewünscht. Dort werden an den Wochenenden Gastgärten auf der Fahrbahn aufgebaut. Autos dürfen dann nicht fahren.

Ein Bericht darüber im Berliner Tagesspiegel hat auch in Wien Anklang gefunden. Moritz Baier, der in der Zollergasse im 7. Bezirk das Café Liebling und die Bar „Ganz Wien“ mitbetreibt, hat ihn an Bezirksvorsteher Markus Reiter weitergeleitet.

Baier sagt: „As soon as possible gehört das umgesetzt“ – so schnell wie möglich. Seit 2013 setzt sich Baier für eine Fußgängerzone in der Zollergasse ein, der Bezirk hat sich nun auf eine Begegnungszone geeinigt.

Zumindest in Stoßzeiten könnte die Straße aber – wie in Berlin – komplett autofrei gemacht werden, sagt Baier. „Wien muss sich überlegen, welche Stadt es sein will. Eine spießige oder eine weltoffene?“

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