Chronik | Österreich
10.03.2018

3,5 Millionen Euro für Suche nach Phantom

Enorme Kosten für Stiwoll-Einsatz. Prämie für Hinweise auf Tibor Foco massiv erhöht.

37.600 Stunden lang waren Polizisten im sogenannten "plangemäßen" Einsatz, zudem leisteten die Beamten 48.000 Überstunden. Rechnet man Kosten für Unterkünfte und Verpflegung sowie technische Hilfsmittel wie Drohnen dazu, zählt der Einsatz nach dem mutmaßlichen Doppelmord von Stiwoll wohl zu den teuersten der vergangenen Jahre: 3,5 Millionen Euro kostete die ergebnislose Suche nach Friedrich Felzmann.

Seit mehr als vier Monaten ist der mittlerweile 67-Jährige verschwunden. Er soll am 29. Oktober in Stiwoll, Bezirk Graz-Umgebung, zwei Nachbarn erschossen und eine weitere Nachbarin schwer verletzt haben. Die letzte greifbare Spur des Flüchtigen fand sich am Tag danach: Sein weißer Kastenwagen wurde zehn Kilometer entfernt in einem Waldstück abgestellt entdeckt. Danach kam nichts mehr.

23 Jahre

Die Ermittler gehen immer mehr davon aus, dass Friedrich Felzmann längst tot sein könnte: Der Zeitraum ohne Geldbewegungen am Konto oder Kontaktaufnahme mit Menschen aus dem Umfeld sei einfach zu groß. Aber vier Monate sind verglichen mit 23 Jahren ein Wimpernschlag: So lange ist Tibor Foco schon untergetaucht.

1995 flüchtete der damals 39-Jährige bei einem Haftausgang zur Universität Linz: Foco wurde 1987 nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er im Jahr zuvor eine Prostituierte getötet haben soll. Das Urteil wurde später vom Höchstgericht aufgehoben, zum neuen Prozess erschien Foco jedoch nicht.

Sollte er noch am Leben sein, wäre er jetzt 62 Jahre alt. Aus diesem Grund hat das Bundeskriminalamt seine Fahndungsfotos technisch verändert, sie liefen durch eine Art Alterungsprogramm. Auch die Frisur und der Bart wurden angepasst. Diese neuen Bilder sind ab sofort auf der Fahndungsseite des Bundeskriminalamts abrufbar.

Erstmals mit Stimme

Hochgeladen wurden zusätzlich auch Schriftproben Focos sowie Details zum Ablauf seiner Flucht und erstmals ist seine Stimme zu hören: Eine 15-sekündige Aufnahme eines Interviews, das Foco nach seiner Verurteilung gab, ist abspielbar. "Ich wurde zu lebenslanger Haft verurteilt für einen Mord, den ich nicht begangen habe", hört man den damals 30-Jährigen sagen.

Weil aber auch im Fall Foco Stille bezüglich Hinweisen herrscht, wurde an der Höhe der ausgesetzten Belohnung geschraubt, und zwar gewaltig: Statt wie bisher 2900 Euro sind nun für den zielführenden Tipp auf Focos Unterschlupf 20.000 Euro versprochen. "Um die Wichtigkeit des Falles für die Polizei und die Gerichte aufzuzeigen", hieß es am Dienstag seitens des Bundeskriminalamts.

Foco und Felzmann eint übrigens ein Detail: Sie sind offiziell die meistgesuchten Flüchtigen Österreichs, sie stehen als einzige Verdächtige auf der Liste "Austria’s most wanted persons". Beide sind auch europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. Auch für Tipps zu Felzmann Verbleib ist eine Prämie ausgesetzt: 5000 Euro sind die höchste in der Steiermark jemals für Hinweise auf Flüchtige ausgesetzte Summe.