Chronik | Österreich
18.11.2017

Zielfahnder: "Jeder Täter ist uns voraus"

Der mutmaßliche Doppelmörder Friedrich Felzmann und Tibor Foco sind Österreichs meistgesuchte Flüchtige.

Der Beamte ist entwaffnend ehrlich. „Jeder Täter ist uns voraus“, schildert der Polizist, der als Zielfahnder anonym bleiben muss. Das Verhältnis Täter/Ermittler sei wie jenes zweier Schachspieler: „Der Täter hat die weiße Figur und beginnt. Ich hab’ als Polizist die schwarze und bin automatisch hinterher.“

Der Vergleich mit dem Schachspiel soll deutlich machen, warum es auch eine Hundertschaft an Einsatzkräften nicht schafft, einen einzelnen Mann zu finden. Friedrich Felzmann zum Beispiel. Der Steirer soll sich seit drei Wochen in einem Wald in Stiwoll versteckt halten. René Kornberger, Leiter der wegen des Doppelmordes von Stiwoll eingerichteten Sonderkommission, musste zuletzt zugeben, dass die Polizei keine Hinweise auf den Verbleib des Verdächtigen hat.

Das liege an der Örtlichkeit, das habe mit der Person selbst zu tun. „Er hat dort sein Leben verbracht“, betont Kornberger und meint die Wälder von Stiwoll. „Er geht durchs Dickicht und weiß, da hinten ist eine Höhle. Das weiß keiner von uns.“

Ein Weg zum Ziel

In solchen Fällen kommt die Zielfahndung ins Spiel. „Wir analysieren den Menschen, sein Denken, gehen Polizei- und Behördenakten durch, soziale Medien“, erklärt der Fahnder. „Daraus ergibt sich ein Gesamtbild. Mit wem hat ein Täter oft geredet, wo hat er sich gerne aufgehalten? Dann haben wir 100 Fahndungsansätze. Aber nur einer führt zum Ziel.“

Die Methode funktioniert: Zielfahnder spürten Peter Seisenbacher auf. Zielfahnder fassten jenen Rumänen, der im Sommer in Graz mehrere Pensionistinnen überfallen haben soll und sich in die Heimat abgesetzt hatte. In den vergangenen zehn Jahren waren Zielfahnder rund 200-mal erfolgreich.

Doch die Methode stößt auch an ihre Grenzen. Tibor Foco etwa ist seit 20 Jahren auf der Flucht: Er soll 1986 eine Prostituierte getötet haben und entkam während eines Haftausganges. Seit 1997 führt Foco, mittlerweile 61 Jahre alt, „Austria’s most wanted“-Liste der Polizei an. Seit drei Wochen steht auch Friedrich Felzmann auf dieser Liste der meistgesuchten Flüchtigen Österreichs.

Mäusefallen

Sie sind aber nur die bekanntesten Verdächtigen. Das Innenministerium veröffentlicht auf seiner Homepage Namen mutmaßlicher Täter, die sich abgesetzt haben: Eine Frau, die vor 17 Jahren ihre Kinder in Wien erdrosselt haben soll. Zwei Männer, die vor 18 Jahren in Vorarlberg einen Raubüberfall begangen haben sollen. Ein Tankstellenräuber aus Wels, der seit 2012 auf der Flucht ist. Nicht unbedingt Fälle für gezielte Sucheinsätze, aber für welt- oder europaweite Haftbefehle. Die sind in jeder Polizeistelle abrufbar.

„Mäusefallen aufstellen“ nennt das der Zielfahnder. Vorausdenken gilt hier, wie beim Schach: „Ich habe die Aufgabe, die weiße Figur zu schlagen und schachmatt zu setzen.“