Chronik | Österreich
17.02.2018

5000 Euro und dennoch keine Spur

Auch eine Prämie für Hinweise auf den mutmaßlichen Doppelmörder brachte die Polizei nicht weiter.

130.000 Klicks hatte Friedrich Felzmanns Video, in dem er sich über angebliche Behördenwillkür beschwerte. "Alles Hitler oder wie oder was?" ist mittlerweile von YouTube entfernt worden. Der Clip wurde erst populär, als der Steirer des Doppelmordes verdächtigt wurde. Zuvor hatte Felzmann auf seinem Videokanal nur 250 Abonnenten.

Vor 16 Wochen soll der 66-Jährige in Stiwoll zwei Nachbarn erschossen und eine weitere Frau schwer verletzt haben. Seither führt der Steirer– gemeinsam mit Tibor Foco – die Liste der meistgesuchten Flüchtigen Österreichs an und ist auch einer der 65 "Most Wanted" Europas. Felzmann flüchtete am 29. Oktober mit seinem Kastenwagen, den er zehn Kilometer vom Tatort entfernt im Wald abstellte. Am 30. Oktober wurde das Auto gefunden.

Das war der letzte handfeste Hinweis auf den Verbleib des Verdächtigen, sieht man von einer Zeichnung ab, die 400 Meter vom Kastenwagen entfernt am Waldboden lag. Sie könnte von Felzmann stammen, sicher ist das aber nicht: Eine Skizze eines Torbogens ist darauf zu sehen; möglich, dass sie auf der Flucht verloren ging. Die Hoffnung, dass dies eine Spur zu einem möglichen Versteck sein könnte, erfüllte sich nicht.

Keine Erkenntnisse

400 Hinweise gingen in diesen 112 Tagen ein, ebenso viele Menschen wurden befragt, Suchaktionen mit Infrarotkameras und Hunden erfolgten. Doch all das brachte die Polizei bei ihren Ermittlungen nicht weiter. Die eigens eingerichtete "Sonderkommission Friedrich" musste drei Monate nach ihrer Gründung wieder aufgelöst werden sie konnte keine Ergebnisse liefern, außer jenen, dass keine Spuren zu dem Flüchtigen zu finden seien."Wir haben alles berücksichtigt, was es zu berücksichtigen gab", bedauert Renè Kornberger, er leitete die "Soko Friedrich". "Aber wir haben keinen Anhaltspunkt, wo sich der Beschuldigte aufhält." Felzmann wurde im weitläufigen Wald rund um die Gemeinde vermutet, die Kriminalpsychologen gingen jedenfalls davon aus. "Er fühlt sich im Wald wohl, kennt sich dort aus", begründete Profiler Werner Schlojer vom Bundeskriminalamt seine Einschätzung.

Doch je mehr Zeit verstrich, desto unwahrscheinlicher wurde die Theorie. "So viel kann man sagen: Er hält sich nicht mehr in Stiwoll auf", betonte Ex-"Soko"-Leiter Kornberger Ende Jänner. Es wächst der Eindruck, dass der Verdächtige nicht mehr lebt: "Üblicherweise gibt es innerhalb von drei Monaten irgendeinen Hinweis, Geldbewegungen, Kontaktaufnahmen." All das fehlt bei Felzmann.

Das letzte Hilfsmittel

Für den Fall, dass er noch leben sollte, wählte die Polizei als letztes Hilfsmittel Geld. Eine Prämie von 5000 Euro wird für jenen Hinweis versprochen, der zu Friedrich Felzmann führt. Die Maßnahme ist aber auch schon wieder drei Wochen alt und brachte nichts. "Direkt nach der Bekanntgabe der Auslobung der Prämie sind einige neue Hinweise eingegangen", heißt es seitens der Landespolizeidirektion Steiermark. "Denen sind wir nachgegangen, aber sie haben nichts ergeben." Die Summe zu erhöhen, um mehr Tipps zu bekommen, ist derzeit kein Thema.5000 Euro sind nicht die höchste Belohnung, die derzeit in Österreich für Hinweise auf mutmaßliche Verbrecher wartet: Nach dem Mord am Wiener Friseur Arnold S. im November 2016 wurden 20.000 Euro ausgelobt. In dem Fall suchen Polizei und Justiz nach einem unbekannten Täter, deshalb sei die Summe höher, heißt es. Zum Vergleich: Für Tipps auf Tibor Foco, Österreichs am längsten untergetauchten Flüchtigen, gibt es 2900 Euro.