Chronik
28.04.2018

Österreich: Neue Rocker mit stärkeren Drogen

Nach Verboten in anderen Ländern zog der Satudarah MC mit Mitgliedern der United Tribuns Drogenhandel auf.

Nach Verboten von Rockergruppierungen in Deutschland und angedachten Verboten in den Niederlanden weichen die entsprechenden Organisationen nun immer mehr nach Österreich aus, erklärt Andreas Holzer vom Bundeskriminalamt. Dabei gelang der Polizei nun ein großer Schlag vor allem gegen die bosnisch geprägten United Tribuns, die gemeinsam mit dem Satudarah Motorcycle-Club einen Handel mit besonders hochwertigem Kokain und Cannabis aufgezogen haben.

Die Satudarah, die bisher in Österreich nicht offiziell vertreten waren, sind eine Gruppierung vor allem aus indonesischen Einwanderern, Roma und nun offenbar auch Afghanen. Fünf der zehn meistgesuchten Niederländern waren zeitweise Satudarah-Mitglieder. Kürzlich wurde in Tirol einer von ihnen verhaftet, auch im aktuellen Drogenfall war ein Satudarah der Ausgangspunkt. Der Mann, den sie „Shorti“ nannten soll 80 Prozent reines Kokain in Salzburg verkauft haben.

Rund um seine Verhaftung hatte das Landeskriminalamt eine Schwemme von Drogen und verbotenen Waffen im Bezirk Zell am See bemerkt. Insgesamt wurden 30 Hintermänner ausgeforscht, darunter zwei hochrangige Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns als mutmaßliche Organisatoren.

Diese sollen auch in Wien ein Cannabis-Plantage mit hochwertigem Marihuana betrieben haben. „Statt früher vier bis fünf Prozent lag der THC-Gehalt bei fast 15 Prozent“, sagt Karl-Heinz Pracher, Leiter des Salzburger Landeskriminalamtes. Gehandelt wurden Drogen aller Art, die teilweise gesundheitliche Schäden bei den 400 ausgeforschten Konsumenten hinterlassen haben. „Manche sehen noch immer schiefe Häuser“, sagt Pracher.

Die United Tribuns wurden von zwei bosnischen Brüdern gegründet, gegen die ein Haftbefehl wegen Menschenhandels besteht. Im Jahr 2015 traten sie erstmals in Österreich auf und verkündeten via KURIER: „Wir sind eine Armee.“ In Villach, Graz, Wien, Bregenz, Wels, Salzburg und Innsbruck gibt es Chapter (Zweigstellen), die mehr oder weniger aktiv sind. Erst im vergangenen Jahr wurde ein Ex-Präsident aus Oberösterreich wegen Drogenhandels verhaftet. Offiziell distanziert sich der Club von Alkohol und Drogen, die Polizei rechnet diesen aber der Organisierten Kriminalität zu.

In Österreich ist ein Verbot einzelner Gruppierungen wie in Deutschland kein Thema. Holzer betonte, dass Amtshandlungen wie diese zeigen, dass die Polizei von Anfang an entschieden eingreift. Verbote hätten wenig Nutzen, da diese Organisationen unter anderem Namen weiter machen würde. Der Bundeskriminalamts-Mann verwies darauf, dass es zuletzt gelungen sei, die türkisch geprägten Osmanen Germania zu zerschlagen.

Peter Goldgruber, Generalsekretär im Innenministerium, wollte sich zu einem möglichen Verbot nicht festlegen. Man müsse die aktuellen Vorkommnisse erst „analysieren“, meinte er zum KURIER.