Osmanen Germania

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Polizei alarmiert
08/08/2016

Osmanen-Rocker eröffnen in Wien "Filiale"

"Straßenhooligans": Konflikte mit Kurden und Hells Angels befürchtet.

von Dominik Schreiber

In ihrem neuen, im Juli veröffentlichten Propagandavideo bezeichnen sie sich selbst als "Gotteskrieger" und "Straßen-Hooligans". Im deutschen Saarbrücken liefern sie sich derzeit eine blutige Auseinandersetzung, die mit Handgranaten ausgetragen wird. Vor knapp drei Wochen hat die berüchtigte Straßengang " Osmanen Germania" erstmals eine Filiale in Österreich eröffnet, nahe des Arthaberparks in Wien-Favoriten gibt es nun ein Vereinslokal. Vereinzelte Aktivitäten dürfte es auch in Vorarlberg und in Linz geben, die Wiener Dependance ist aber die erste offizielle Vertretung hierzulande.

"Wir wollen die Kaputten"

Sie selber sehen sich als eine Art "Sozialarbeiter", wie Osmanen-Chef Mehmet Bagci immer wieder (auch gegenüber dem KURIER) betont. "Wir wollen nicht die Normalen bei uns haben, sondern die kaputten", erklärte sein Vize Selcuk Sahin kürzlich in einer ZDF-Reportage über die Gruppierung. Die Rocker meinen, ein Boxclub mit sozialer Ader zu sein. Über die Entstehungsgeschichte der Osmanen gibt es viele Mythen. Die wahrscheinlichste ist, dass die Gruppe auf Betreiben von Necati Arabaci entstanden ist. Der per EU-Haftbefehl gesuchte Deutsch-Türke wollte zum Europa-Chef der Hells Angels aufsteigen, was aber scheiterte. Seither tobt ein "Bruderkrieg" zwischen migrantischen und alt eingesessenen Höllenengel, vor allem in Deutschland. Mit der Gründung einer eigenen Gruppierung soll nun ein europaweites Netzwerk geknüpft werden. Die Osmanen selbst widersprechen dieser Darstellung aber entschieden.

Beim Bundeskriminalamt in Wien werden die Osmanen als äußerst problematisch eingestuft, sie stehen unter ständiger "Überwachung" durch das hauseigene Rockerreferat, auch die "Cobra" verfolgt die Umtriebe der Rocker. Neben denHells Angelskönnte es zu Konflikten mit denbosnisch geprägten United Tribunskommen, die in Wien ihr "Nomads-Charter" haben. Noch brisanter könnte es aber rund um die ohnehin schon aufgeheizte Lage in der türkischen Community werden. Die Osmanen sind eng verknüpft mit den rechtsextremen Grauen Wölfen und lieferten sich Ende Juni bereits eine Massenschlägerei mit Kurden auf dem Wiener Stephansplatz, wo eine angemeldete Demonstration stattfand. In Deutschland, wo es 40 Filialen der Osmanen gibt, agieren die Rocker auch als Sicherheitsleute für protürkische Demonstrationen. Im Internet machen die Mitglieder keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für den aktuellen Präsidenten Recip Erdogan.

Limousine statt Motorrad

Fix ist, dass die Osmanen Germania kein Motorradclub (MC) sind und das auch nicht anstreben. Sie fahren vor allem mit deutschen Limousinen durch die Gegend. Damit unterscheiden sie sich von den United Tribuns, die durchaus zu einem MC werden wollen. Die großen Auseinandersetzungen in Deutschland und der Schweiz haben sie derzeit mit der kurdischen Gang "Bahoz", die allerdings in Österreich (noch) nicht aktiv ist.

Im März trafen sich die Osmanen Germania zu einem großen Treffen in Lindau, an der Grenze zu Vorarlberg. Damals kündigte Rockerchef Bahci im KURIER an, dass die Gruppe "in Österreich bereits aktiv" ist. Die von ihm genannten 100 Mitglieder jeweils in Linz und Wien dürften laut Szene-Insidern zu hoch gegriffen sein. Jeweils dürfte es maximal ein Dutzend vollwertige Mitglieder und noch einmal so viel Supporters (Unterstützer) geben. Hätten die Osmanen tatsächlich 100 Member, würde es ein so genanntes "Schaulaufen" geben. Dabei trifft sich eine Gang an einem wichtigen Platz in der jeweiligen Stadt und produziert dort ein Gruppenfoto. Damit wird das Territorium "markiert" und so offiziell der Besitzanspruch gestellt.

Die Osmanen sind dafür bekannt, dass sie sich mit anderen Gruppierungen nicht arrangieren. Während etwa die United Tribuns bei den in Wien ortsansässigen Hells Angels einen Antrittsbesuch und später eine Art Friedensschluss getätigt haben, ist das von der türkischen Gruppierung bislang nicht bekannt.