Svabo (links) und Fritz (re.) sind Anführer der United Tribuns.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Chronik | Wien
07/19/2015

United Tribuns: "Wir sind eine Armee"

Ein Tag mit den gefürchteten Rockern: Das planen sie in Österreich.

Dürfen wir ein Foto mit euch machen?", fragen zwei Mädchen im Teenageralter, bevor sie ein Selfie schießen. Der junge, muskulöse Mann in der Lederkutte steht gerne zur Verfügung. Kaum zu glauben, dass es sich hier um ein Mitglied der angeblich "gefährlichsten Rockergruppe Europas" (Bild-Zeitung) handelt. Vom Bundeskriminalamt werden die Rocker der organisierten Kriminalität zugerechnet. Sie selber sehen sich als Bruderschaft.

Seit rund eineinhalb Jahren sind die United Tribuns in Österreich aktiv. Sie gelten als die aufsteigende Straßengang. Normalerweise gilt in Rocker-Kreisen ein eisernes Gesetz: Mit Polizei und Medien wird nicht geredet. Der KURIER war das erste Medium, das einen Tag mit den United Tribuns – am Freitag während der Vienna Harley Days – verbringen konnte. Wie viele Rocker bei der Bruderschaft in Österreich genau sind, will das UT-Secretary Fritz L. nicht verraten. Nur so viel: "Wir sind eine Armee."

In Villach, Graz, Wien, Bregenz und Innsbruck gibt es Filialen (Chapter), Wels ist als nächstes geplant. Richtige Clubhäuser sollen entstehen, so wie sie auch Hells Angels oder Bandidos haben. Auch Motorräder sollen eine stärkere Rolle spielen.

"Österreich ist derzeit am wichtigsten für uns. Es liegt nahe zu unser aller Mutterchapter in Bosnien", sagt Fritz L. "Andere MCs haben uns belächelt, aber wir expandieren weiter. Wir sind nicht mehr zu übersehen, wir sind jetzt mit allen auf Augenhöhe."

Für die Mitglieder gelten strenge Regeln, erklärt Österreich-Präsident Jovan S.: "Sie müssen über 21 sein und einen Fürsprecher im Club haben." Fritz L. ergänzt: "Auch, damit wir keine V-Männer der Polizei bekommen." Es gibt 23 Grundregeln, aber diese werden von den einzelnen Chartern (Filialen) unterschiedlich streng ausgelegt. "Bei uns in Kärnten gilt strengstes Alkohol- und Drogenverbot. Außerdem muss jeder drei Mal in der Woche Sport machen", sagt Svabo, Leiter des Ablegers in Villach. Denn Kämpfen und Fitness-Center sind Zentralgestirne der Tribunen.
Regelmäßig treffen sich die Multikulti-Rocker zu internen Sitzungen. Wie in Firmen geht es dabei zu, berichten sie. "Obwohl wir Türken und Kurden, Juden und Moslems, Serben und Bosnier haben, ist unsere Amtssprache Deutsch", sagt Jovan S. Von Kriminalität wollen die drei Chefs aber nichts wissen. Sie sehen sich eher als Ordnungsschlichter in den eigenen Reihen. "Ich sorge dafür, dass jeder einen Job hat, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen", sagt Svabo.

"Wir züchten keine Verbrecher. Die brauchen wir nicht", sagt Fritz L. "Männer mit Hirn suchen immer die Deeskalation. Aber bei uns gibt es auch schlimme Jungs, echte Hauer. Das rechtfertigt aber keinen Generalverdacht gegen die Tribuns. Wir haben auch Anwälte, Ärzte oder Magistratsbeamte unter uns."

Besuch der Angels

Probleme mit anderen Rockergruppierungen erwartet Fritz L. nicht. "Wir verstehen uns mit allen, nur mit den Bandidos gibt es lokale Probleme in anderen Ländern." Zu den Harley Days kommt auch rund ein Dutzend Hells Angels. Sie sitzen in trauter Eintracht am Tisch mit den Tribuns. Im Ring daneben tobt ein (blutiger) Mixed-Martial-Arts-Kampf. Tribun Erhan Kartal besiegt im Fight um den österreichischen Titel Florian Harringer, der den Angels zugerechnet wird. Während die Höllenengel rasch abziehen, feiern die Tribunen den Sieg. An solchen Tagen trinken auch sie Bier. Außerdem hat sich Jovan verlobt, der Heiratsantrag fand im Boxring statt.