Generaloberin Franziska Bruckner in der renovierten Klosterkirche

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
12/24/2020

Turbulente Weihnachten bei den Schwestern des Franziskus

Heuer setzte den Franziskanerinnen Corona zu. Vor acht Jahren verwüstete ein unbekannter Brandstifter vor dem Heiligen Abend ihre Klosterkirche in Amstetten.

von Wolfgang Atzenhofer

Langsam wären die Erinnerungen an Weihnachten 2012  bei den Franziskanerinnen in Amstetten etwas in Vergessenheit geraten. Damals zerstörte ein Feuer am Tag vor dem Heiligen Abend einen Trakt ihrer historischen Klosterkirche. Die Mette und die Weihnachtsmessen waren in der verwüsteten und verrußten Kirche unmöglich.  Heuer werden bei den Messen maskierte Gläubige in lichten Bankreihen wieder im Ausnahmezustand mit den Schwestern die Messen feiern. Die Corona-Pandemie drückt dieses Mal dem Orden den Stempel auf. War doch die Nonnen erst vor wenigen Wochen von einem massiven Covid-19-Cluster betroffen.

Corona-Tote

„Zum Glück sind wieder alle Schwestern negativ. Gesundheitlich leiden noch mache an den Folgen der Erkrankung“, berichtet  die Generaloberin vom III. Orden des heiligen Franziskus, Franziska Bruckner. Im wenige Kilometer vom Hauptsitz in  Amstetten entfernten Kloster Hainstetten waren 16 von 22 Ordensmitgliedern erkrankt. Ein Schock für die Ordensgemeinschaft. Gab es doch in der ersten Corona-Welle im eng verbundenen Amstettener Orden der Salesianer gleich vier Todesopfer.

Im Haupthaus Amstetten, von wo aus die sechs Niederlassungen des Konvents in Niederösterreich geführt werden, konnten in der Gemeinschaft der elf Schwestern  Infektionen vermieden werden. Weil ja im  Umfeld des Klosters vier Schulen geführt werden,  sei auch viel getestet worden, berichtet die Oberin. Das habe bestimmt zur Sicherheit beigetragen.  Auch im Umgang mit Personen außerhalb des Ordens oder bei öffentlichen Messen und Gebetsstunden hätten die Schwestern immer die Sicherheitsregeln beachtet und wo immer es notwendig war Masken getragen.

Das wird auch bei den Weichnachtsmessen so sein. „Bei der Kindermette am Heiligen Abend war unsere Kirche immer extrem voll. Das wird heuer anders sein, man muss sich bei uns anmelden. 60 bis 70 Personen bekommen einen Platz, das ist ein Drittel der Kapazität“, sagt Oberin Franziska.  Weihnachtliche Freude können Gläubige aber dennoch erleben. Auch in der nur 100 Meter entfernten Amstettener Stadtpfarrkirche in Amstetten werden am Nachmittag und am Abend jeweils zwei Andachten und Messen abgehalten.

Dank der Genesenen

Im heuer so außergewöhnlichen Christfest  können die Ordensfrauen zumindest in ihrer Gemeinschaft zusammen feiern.  Alle sonst traditionellen Weihnachtsfeiern     wurden abgesagt oder in kurze immer auf Sicherheit bedachte Treffen, etwa mit den Hausangestellten, umgewandelt. „Alle, die im Kloster leben, gelten als Hausgemeinschaft, wir dürfen uns zusammensetzen“, so die Oberin. In diesen Runden werden sicher auch die vielen Bitten und auch die Danksagungen, die sich derzeit im aufgelegten Mitteilungsbuch in der Klosterkirche angesprochen. „Zwei Drittel der Einträge betreffen Corona. Viele sagen auf diese Weise danke, dass sie  nach der Erkrankung wieder gesund geworden sind“, schildert die Schwester.

Brandstiftung

Und natürlich ebenfalls Gesprächsstoff werden auch heuer wieder die Ereignisse zu Weihnachten 2012 liefern. Der 23. Dezember, ein Sonntagmorgen, an dem ein bis heute nicht ausgeforschter Brandstifter gleich in drei Amstettener Kirchen Feuer gelegt hatte, bleibt unvergessen. „Die Erinnerungen werden immer bleiben. Unvorstellbar, während in unserer Klosterkirche das Feuer gewütet hat, hat plötzlich auch in der Nachbarkirche St. Stephan die Erntekrone gebrannt. Und das während der Messe. Der Geruch des Rauchs wurde rechtzeitig bemerkt“, erinnert sich die Ordensleiterin. Rasch wurde damals klar, dass ein Brandstifter unterwegs war. In unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang wurde auch noch in der Herz-Jesu-Kirche während der Messe ein Zeitschriftenstand im Eingangsbereich  angezündet. Das Feuer erlosch von selbst.

In allen drei Kirchen gab es zum Glück keine Verletzten. In der Klosterkirche brannten ein historischer Beichtstuhl und die Deckenkonstruktion darüber lichterloh.   Bruckner erinnert sich mit Schrecken: „Es sind die Fenster zur Straße hin geborsten, wären jene Richtung  Kloster zersprungen, hätte das Feuer wahrscheinlich auch unsere Räume und Unterkünfte erreicht. Dann wäre noch Schlimmes passiert“, erzählt die Oberin.

Helles Schmuckstück

In der Klosterkirche wurde ein Schaden von einer Million Euro angerichtet. Glücklicherweise war er versichert. Die Restaurierung dauerte fast ein Jahr. Heute ist der Zugang zur Kirche, wenn nicht gerade eine Messe gelesen wird, gesichert. Das Gotteshaus ist aber vom Eingang aus zu bewundern Es ist ein Schmuckstück der Stadt Amstetten. "Es wurde auch eine gute Beleuchtung installiert. Somit können wir jetzt bei gutem Licht Texte lesen und singen, was früher in der sehr dunklen Kirche immer problematisch war. Aber das Licht hätten wir auch ohne den verheerenden Brand einbauen lassen", sucht die Oberin einen positiven Aspekt in dem Kriminalfall. Ein anderer war "die unglaubliche Unterstützung und Zuwendung, die wir erfahren haben. Noch heute werden wir oft von Menschen weit weg von Amstetten zu dem Brand angesprochen", erzählt die Generaloberin. 

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