© Oswald/soogut Sozialmarkt

Chronik Niederösterreich
03/18/2021

Sozialmärkten gehen die Helfer aus

Corona lässt die Nachfrage nach vergünstigten Lebensmittel steigen. Zugleich suchen die Märkte verzweifelt nach Freiwilligen.

von Caroline Ferstl, Wolfgang Atzenhofer

Die Corona-Pandemie fordert einen hohen Tribut: 36.000 Menschen in Niederösterreich nutzen derzeit das Angebot der „soogut“-Sozialmärkte. Im Vorjahr zählte man noch 30.000 Kundinnen und Kunden. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit hätten die Nachfrage nach den Sozialmärkten in die Höhe schnellen lassen, berichtet Ursula Oswald, Pressesprecherin der „soogut“-Sozialmärkte: „An all unseren zehn Standorten spüren wir den Zustrom neuer Kundinnen und Kunden.“

Zugleich würden jedoch vielen Sozialmärkten und auch Läden und Sozialinitiativen der Caritas der Diözese St. Pölten die freiwilligen Helfer fehlen. Ältere Freiwillige, die etwa in den fünf Soma-Märkten im Waldviertel wertvolle Arbeit geleistet hätten, sind im Zug der Covid-19-Bedrohung aus dem aktiven Geschehen ausgeschieden, heißt es von der Caritas.

Die ausgedünnte Personaldecke mache auch den Carla-Läden zu leiden. „Natürlich wegen der Kosten und immer mehr auch aus ökologischen Gründen ist Secondhand-Ware sehr gefragt“, schildert Caritas-Manager Christian Köstler aus Amstetten. Die dortigen beiden Carla-Läden sind auf eine rund 60-köpfige Freiwilligentruppe angewiesen. Jetzt sucht man dringend nach Helfern, die beim Sortieren der gespendeten Waren helfen oder mit handwerklichem Geschick Elektrogeräte überprüfen können, ob sie noch für den Wiederverkauf taugen.

Keine Fördermittel

Seit Jänner 2020 müssen Sozialmärkte in NÖ zudem aufgrund der Einstellung einer Initiative des AMS und des Landes NÖ ohne Fördermittel auskommen. Sie sind auf Geldspenden und freiwillige Helfer angewiesen.

Auch die „soogut“-Sozialmärkte suchen Freiwillige. 325 ehrenamtliche Helfer zählt man aktuell. Das Angebot soll aufgrund der starken Nachfrage aber ausgebaut werden: So sollen ab April vier Gemeinden im Bezirk St. Pölten wöchentlich mit einem Transporter angefahren werden, der Sozialmarkt soll zu den Kundinnen und Kunden kommen. Dieses Angebot gibt es bereits im Mostviertel, zweimal pro Woche ist man dort in Melk, Mank, Petzenkirchen und Loosdorf unterwegs.

Trotz allem würden sich viele Menschen immer noch schämen, in einem Sozialmarkt einkaufen zu gehen: „Es überwiegt das Gefühl, versagt zu haben und plötzlich Almosenempfänger zu sein. Da gilt es aufzuklären“, erklärt Oswald.

Denn wer im Sozialmarkt einkauft, leistet einen wichtigen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung: „In den Sozialmärkten wird kein Müll verkauft. Bei uns landen nur qualitativ hochwertige, sorgfältig aussortierte Produkte“, stellt Oswald richtig.

Produktvielfalt

Neben Eigenmarken diverser Einzelhandelsketten finden ebenso teure und hochwertige Marken ihren Weg in die Regale. Verkauft werden Produkte, die herkömmliche Supermarktketten aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes oder des Verbrauchs- und Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr verkaufen dürfen.

Auch übriggebliebene saisonale Produkte bekommen Sozialmärkte geliefert. So kann man durchaus den einen oder anderen Schokonikolaus auch noch zu Ostern im Sozialmarkt „retten“.

Zehn Standorte umfassen die „soogut“-Sozialmärkte. Zudem verfügt jeder Standort über einen Secondhand-Shop, wo man, unabhängig von seinem Einkommen, gebrauchte Kleidung, Bücher, Spielwaren und Haushaltsgeräte erwerben kann.

Einkaufen dürfen jene Einpersonenhaushalte, deren Netto-Einkommen 1.240 Euro nicht übersteigt, für Zweipersonenhaushalte gilt eine Grenze von 1.630 Euro netto.

Für jede erwachsene Person im Haushalt werden zusätzlich 195 Euro, für jedes Kind 300 Euro addiert.

Studierende, Schüler, Zivil- und Präsenzdiener dürfen ebenfalls in den Sozialmärkten einkaufen.

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