© Patrick Wammerl

Chronik Niederösterreich
09/17/2020

Semmering-Basistunnel: Video zeigt erneuten Wassereinbruch

Bei Probebohrungen wurde wieder eine wasserführende Schicht getroffen. Tunnelbau laut ÖBB in einer "schwierigen Phase".

von Patrick Wammerl

Ein neues Video zeigt die Gefahren und dramatischen Auswirkungen eines erneuten Wasser- und Deckeneinbruchs beim Bau des Semmering-Basistunnel zwischen Niederösterreich und der Steiermark. Bei Probebohrungen in dem geologischen Problemgebiet im Raum Gloggnitz, in dem es bereits vor einem Jahr zu einem massiven Nachbruch mit einer Kraterbildung ober Tage gekommen ist, wurde bei Sondierungsbohrungen eine Wasserader im Karbonatgestein getroffen. „Wir kennen das Video und es ist kein neues. Wie schon des Öfteren kommuniziert und erwartet, sind wir beim Bau des Tunnels im niederösterreichischen Abschnitt in einem besonders herausfordernden Gebirgsabschnitt unterwegs“, erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf Anfrage des KURIER.

 

Laut Seif findet deshalb der Tunnelbau in einer der beiden Röhren (Gleis 2) in Gloggnitz mit besonderer Vorsicht statt. „Vor jedem nächsten Schritt sind Bohrungen notwendig, um herauszufinden, wie das Gestein in den nächsten Metern beschaffen ist. Das angesprochene Video ist genau bei einer solchen Bohrung entstanden“, so der ÖBB-Sprecher.

In diesem Abschnitt müssen die Mineure die sogenannte Grassberg-Nordrand -Störung – laut Geologen eine der komplexesten geologisch-tektonischen Strukturen der Ostalpen – überwinden. Man habe bereits bei der Planung des Tunnels gewusst, dass es in diesem Bereich zu solchen Komplikationen kommen kann, erklären die ÖBB seit Monaten.

In der zweiten Tunnelröhre auf Gleis 1 im Bereich von Gloggnitz hat es fast ein Jahr gedauert,  bis der Schaden nach dem massiven Tunneleinbruch Gloggnitz saniert ist. „Die Vortriebsarbeiten wurden dort wieder gestartet“, sagt Seif.

Baustopp gefordert

Die Umweltschutzorganisation „Alliance for Nature“, die seit jeher das 3 Milliarden Euro teure Tunnelprojekt wegen der „zerstörerischen Umweltauswirkungen“ torpediert, verlangt die Einstellung der Arbeiten. „Wieviele Wassereinbrüche müssen noch stattfinden, bis die Verantwortlichen endlich zur Besinnung kommen und begreifen, dass der Natur mit dem Tunnelbau ein unheilvoller Schaden zugefügt wird?“, so Alliance-Generalsekretär Christian Schuhböck. Josef Lueger, geologischer Sachverständiger der „Alliance For Nature“, hatte schon in den Genehmigungsverfahren vor dem enormen Wasserverlust gewarnt. "Doch seine Warnungen wurden in den Wind geschlagen", sagt Schuhböck.

Offen sind noch immer die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt im Zusammenhang mit dem Wassereinbruch beim Zwischenangriff Göstritz im Sommer 2019. Wie vom KURIER berichtet, wurde 250 Meter unter der Erdoberfläche ein Bergwasser-Reservoir freigelegt. Mehr als 60 Liter stark mit sedimenten verunreinigtes Wasser wurden über Tage in den Göstritzbach in die Schwarza gespült und verwandelten die Gewässer in eine milchig-weiße Brühe. In dem Verfahren wegen „fahrlässiger Beeinträchtigung der Umwelt“ sind laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl, noch Gutachten ausständig.

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