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Chronik Niederösterreich
07/24/2020

Ostumfahrung: Weihbischof ärgert Wiener Neustadt

Wiener Weihbischof Franz Scharl gegen Bauprojekt in Wr. Neustadt. Die Politik findet die Einmischung der Kirche entbehrlich.

von Patrick Wammerl

Grundsätzlich ist der Verkehr und all seine Auswirkungen ein irdisches Problem. Dass sich nun auch die Kirche – in Person von niemand geringerem als dem Wiener Weihbischof Franz Scharl – in Verkehrs- und Bauangelegenheiten in Wiener Neustadt einmischt, ist so vermutlich noch nicht vorgekommen. Die Volkspartei reagiert auf den öffentlichen Auftritt eines so hochrangigen geistlichen Würdenträgers gegen den Bau der Ostumfahrung jedenfalls schwer irritiert.

Kaum ein Thema spaltet derzeit Wiener Neustadt und Umgebung so sehr in zwei Lager, wie die 4,8 Kilometer langen Ostumfahrung.

Während laut Straßenplanern das Projekt eine 20-prozentige Verkehrsentlastung in der Stadt und 40 Prozent für die Nachbargemeinde Lichtenwörth bringen soll, torpedieren Umweltschützer, eine Bürgerinitiative und die Grünen die Straße mit allen Mitteln. Unter dem Titel „Vernunft statt Ostumfahrung“ hat eine Bewegung nun eine Online-Petition gegen den Bau initiiert und mehr oder weniger prominente Gesichter als Werbeträger gewonnen.

Einer davon ist Franz Scharl, der vor 20 Jahren Kurat in Wiener Neustadt war. In einer Videobotschaft zeigt sich Scharl beispielsweise von der negativen Entwicklung der Innenstadt entsetzt. Weiters spricht er sich gegen die Ostumfahrung aus und meint, es gebe Besseres, als den Boden zuzubetonieren. „Systemrelevante Wirtschaft heißt auch Landwirtschaft schützen. So braucht man auch keine Umfahrung durch die besten Böden“, so Scharl.

Erzdiözese schließt Kindergärten

Dass jemand, „der vor 20 Jahren der Stadt den Rücken gekehrt hat, sich vom Stephansplatz in Wien aus“ in verkehrspolitische Themen der Stadt einmischt, ist für ÖVP-Stadtparteichef, Nationalrat Christian Stocker mehr als verwunderlich. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Erzdiözese Wien vor Kurzem entschieden hat, in zwei Jahren alle Pfarrkindergärten in Niederösterreich aus Kostengründen zu schließen, meint Stocker. Betroffen sind davon auch zwei Kindergärten mit 40 Betreuungsplätzen in Wr. Neustadt. „Es ist schon mehr als zynisch, dass man ein überregional wichtiges Projekt bekrittelt und im gleichen Atemzug Kindergärten schließt, weil sie zu teuer sind“, so der Nationalrat.

Die Kirche wäre laut dem ÖVP-Vizebürgermeister gut beraten, einmal mit den leidgeplagten Anrainern im Osten Wiener Neustadts zu sprechen, die täglich den Stau vor ihrer Haustür haben. „Aber vom Stephansplatz aus hat man vielleicht einen anderen Blick auf die Dinge“, sagt Stocker.

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