© Martin Bihounek

Chronik Niederösterreich
05/09/2021

Opas geben noch einmal so richtig Gas

Sieben Radsportler gründen erstes Senioren Racing Team Österreichs – Altersdurchschnitt: 71 Jahre. Sie wollen bei der WM dabei sein

von Marlene Penz

Sieben Herren im besten Alter geben Vollgas – und zwar auf ihren Fahrrädern. Als Crataegutt Seniors Racing Team formieren sie sich ab sofort und mischen in der Radsportszene mit. „Das ist das erste Senioren-Rennteam weltweit, das es in so einer professionellen Form gibt“, erzählt Teammanager Herbert Lackner aus Bärnkopf (NÖ). Der Altersdurchschnitt liegt bei 71, was aber kein Grund ist, langsamer zu treten. Damit würden Hannes Krivetz (NÖ), Pepi Bichl (OÖ), Heinz Reiter, Gottfried Hinterholzer (beide Salzburg), Alfred Lechnitz (Wien), Lothar Färber (Thüringen, D) und Lackner ihre ehrgeizigen Ziele auch nicht erreichen.

Für ihre erste Saison als Team sind das unter anderem: Das schwerste Nonstop-Rennen der Welt, das Race Around Austria im August. Dabei geht es einmal rund um Österreich, 2.200 Kilometer und rund 30.000 Höhenmeter bringen die Athleten dabei hinter sich. Sowie als Saisonhöhepunkt die offizielle Seniorenweltmeisterschaft des Internationalen Radsport-Weltverbandes UCI.

Höchste Altersklasse

„Die ist im Herbst in Bosnien-Herzegowina“, erklärt Lackner – so hofft er zumindest. Denn Qualifizierungsrennen sind coronabedingt bereits ausgefallen. „Es gibt 15 Rennen quer durch Europa. Wir peilen nun eines im Juni in Norwegen an“, sagt der 80-Jährige. Bei der Weltmeisterschaft würde er in der obersten Kategorie mitfahren. „Bei 80 plus endet die Staffelung, davor geht es in Fünf-Jahresschritten“, erklärt er. Obwohl es eine Einzelwertung ist, will das Team gemeinsam auftreten, denn so könne man sich gegenseitig unterstützen. „Es fährt sich leichter, wenn andere dabei sind, deswegen haben wir uns als Team zusammengeschlossen.“

Der Niederösterreicher weiß, wovon er spricht, 2014 und 2018 war er beim Race Across America dabei. „Wir fuhren in Vierer-Teams und haben beide Male in unserer Altersklasse gewonnen“, sagt er nicht ohne Stolz. Immerhin sitzt man sieben Tage lang im Sattel, Tag und Nacht, um die rund 5.000 Kilometer lange Strecke von der West- zur Ostküste zu absolvieren.

Auch die anderen Mitglieder des Teams waren zum Teil schon dabei. Insgesamt konnten sie bereits 14 Goldmedaillen bei internationalen Seniorenspielen erringen und einige mehr sollen noch folgen. „Wir verfolgen das Ziel, möglichst lange ein aktives, erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen“, betont Lackner.

Kritik am Verband

Außerdem wollen sie auch Vorbilder „für unsere Generation sein. Auch im hohen Alter kann man sich Ziele setzen und umsetzen. Man kann echt aktiv sein und nicht nur im Park sitzen und Tauben füttern“.

Er selbst habe nach der Pensionierung erst „richtig losgelegt. Ich sitze zwar schon auf dem Rad, seit ich 16 bin, aber bis ich 62 Jahre alt war, war das eher so nebenbei“, erzählt der einstige Sportlehrer. Nun legen die sportlichen Männer des Seniorenteams jeweils zwischen 6.000 und 15.000 Kilometer jährlich zurück und trainieren das ganze Jahr über.

Allerdings gibt es einen Motivationsdämpfer: Beim Radsportverband in Österreich wird bei 60 Jahren zum Zählen aufgehört, da enden die offiziellen Kategorien. Bei vielen Rennen spielt das Alter aber überhaupt keine Rolle. „Die Funktionäre interessiert es nicht, dass es noch ältere gibt, die an sportlichen Bewerben teilnehmen wollen“, kritisiert Lackner, hier fehle das Verständnis. „Es hat ja keinen Sinn, wenn ich mich als 80-Jähriger mit 40-, 50- oder 60-Jährigen messen muss“, bedauert er.

Dabei sei es so wichtig, dass man auch der Jugend zeigt, dass Sport im Alter möglich ist. „Sieht ein Kind, dass der Opa oder der Ur-Opa am Wochenende immer Sport macht, statt ins Wirtshaus zu gehen, dann wird es vielleicht selbst einmal nicht zum Wirtshaussitzer.“

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