© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
05/09/2020

Matura-Vorbereitung: "Froh wieder in der Schule zu sein"

Seit Montag sind die Abschlussklassen wieder zurück im Unterricht. Der KURIER war vor Ort.

von Theresa Bittermann, Patrick Wammerl

Hände desinfizieren, Abstand halten, Hände waschen. Dazwischen wird für die Matura gepaukt. Der "neue Alltag" am Bundesgymnasium Zehnergasse in Wiener Neustadt funktioniert seit Montag "unaufgeregt und sehr gut". Direktor Werner Schwarz führt den KURIER durch das fast gespenstisch anmutende Gebäude. Anstelle der mehr als 1.000 Schüler tummeln sich nur die 80 Teenager in dem Komplex. "Alle haben sich für das freiwillige Ergänzungstraining vor der Matura angemeldet. Ich habe 16 Jahre als Direktor darauf warten müssen, dass ausnahmslos alle Maturanten zur Vorbereitung pünktlich um 7.45 Uhr in der Schule waren. Das hat es noch nie gegeben. Die Schule muss ihnen abgegangen sein", schmunzelt Schwarz.

Bei einer Schleuse am Eingang legen der Direktor und ein Lehrer selbst Hand an und desinfizieren den Schülern mit einer Sprühflasche die Hände. In den Gängen herrscht Maskenpflicht, dafür kann man sich in der Klasse während des Unterrichts der "lästigen Dinger" entledigen. "Unsere Räume sind zum Glück groß genug", sagt Schwarz.

Froh zurück zu sein

Julia Kontor aus der 8c der Zehnergasse hätte sich niemals träumen lassen, irgendwann so froh darüber zu sein, wieder in die Schule gehen zu dürfen. "Die Situation während des Distance-Learnings war schon gewaltig. Wir haben aber wahnsinnig viel Unterstützung von der Schule und unseren Lehrern bekommen", so Kontor. Es gab täglich Videokonferenzen und regen Mailverkehr.

Auch die 18-jährige Stella, Maturantin am BORG Guntramsdorf wundert sich: "Ich glaube gar nicht, dass ich das sage, aber ich hätte gerade lieber mehr als drei Stunden Mathe pro Woche." Nur für die Maturafächer kommen die Schüler momentan zusammen. Benjamin Koiser von der HAK St. Pölten ist auch froh, wieder in der Schule zu sein, "auch wenn es ein bisschen komisch ist durch eine Schleuse zum Unterricht zu gehen". Trotz wochenlangem Distance-Learning sieht er der Matura optimistisch entgegen: "Wir wurden ja schon fünf Jahre lang vorbereitet. Auf die letzten acht Wochen kommt es dabei meiner Meinung nach nicht mehr ausschlaggebend an". Koiser ist auch nö. BMHS-Landesschulsprecher und und gibt Feedback: "Im Großen und Ganzen hat alles gut funktioniert. Nur an einigen Schulen gab es noch Unsicherheiten, wann der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden darf", sagt Koiser.

Auch wenn die Reifeprüfung auf Grund von Corona deutlich gelockert wurde, das Antreten in nur drei schriftlichen Gegenständen verpflichtend ist und die Prüflinge eine Stunde länger Zeit haben, ist die Nervosität groß. Man erwartet sich inhaltlich keine Erleichterung der Zentralmatura-Themen, meint der Direktor Schwarz. Zumindest habe man bis dato keinerlei Informationen darüber. Dass die mündliche Matura ausfällt, finden die Schüler fair. "Ich finde, das ist ein guter Kompromiss. Benotet werden wir ja trotzdem auf Basis unserer bisherigen Leistungen. Und ich habe immerhin schon das ganze Schuljahr für diese Note gearbeitet", sagt die 18-jährige Stella.

Den Maturavorsitz übernehmen dieses Jahr die Direktoren selbst, ein Vorsitzender von außen ist nicht vorgesehen. "Es ist heuer eben alles ein bisschen anders, aber wir machen das Beste daraus", sagt Claudia Liebl, Direktorin des BRG Bad Vöslau/Gainfarn. Die zusätzliche Kontrollinstanz sei vor allem bei den mündlichen Prüfungen relevant, die ja dieses Jahr ausfallen, hieß es vom Bildungsministerium (BMBWF).

Ab 18. Mai mehr Schüler

Am 18. Mai kehren auch Pflichtschüler aus Volksschule, Mittelschule und AHS-Unterstufe aus dem Home-Schooling zurück. Die Sorgen der Direktoren sind vielschichtig. Sie reichen von Verständigungsproblemen in Schulen mit hohem Migrationsanteil bis zu zu engen Gängen in alten Gebäuden. Die Angst vor möglichen Sperren durch Krankheitsfälle ist ein ständiger Begleiter. Man sei nie vor einem Corona-Fall gefeit, sagt dazu Bildungsdirektor Johann Heuras (ÖVP). "Dann gibt es sofort das Einvernehmen mit den Gesundheitsbehörden, jeder Fall wird neu bewertet", erklärt er. Er erwarte sich aber "nicht die großen Probleme." Die Schülerzahl in den Klassen darf 18 nicht überschreiten. Geschwisterkinder sollen dieselben Schulbesuchsintervalle haben. Zudem sollen die Schüler laut Heuras gestaffelt ins Haus kommen.

Für Verunsicherung sorgte kürzlich ein Corona-Verdacht am BG Babenbergerring in Wr. Neustadt. Das Testergebnis war schließlich negativ. Das Bildungsministerium arbeitet nun an einem Notfallplan für so einen Fall. "Man wird sich immer den Einzelfall ansehen müssen. Gab es Kontakt zu anderen, während die Symptome schon da waren, werden die Schüler in Quarantäne müssen. Wir sind zuversichtlich, dass wir dann dennoch die Teilnahme an der Matura ermöglichen können", sagte Martin Netzer, Generalsekretär aus dem BMBWF.

- redaktionelle Mitarbeit: Victoria Schmidt

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