Ein Kinderskiland für Ski-Einsteiger soll es auch in Zukunft in Lackenhof geben

© Spandl Alois - FotoLois.com

Chronik Niederösterreich
11/29/2021

Lackenhof: Wo liegen die Zukunftschancen?

Task Force aktiviert. Statt für Skifahrer soll Lackenhof künftig Zentrum für Läufer, Wanderer, Bogenschützen oder Klimaforscher werden. Tausende Bürger, aber auch Politiker fordern die Fortführung der Ötscherlifte

von Wolfgang Atzenhofer

Auf weiterhin massive Ablehnung stößt in Niederösterreich die Absicht, die Ötscherlifte in Lackenhof nicht mehr zu betreiben und abzutragen. Binnen drei Tagen hat eine Petition zur Rettung der wirtschaftlich prekär laufenden Bergbahnen mehr als 15.500 Unterzeichner gefunden. Der politische Widerstand ist weiter hoch. Dennoch rücken auch schon Szenarien in den Blickpunkt, die in Lackenhof Bogenschützen, Wanderer, Geländeläufer, Klimaforscher oder Langläufer als die Gäste der Zukunft sehen.

Konstruktive Konzeptvorschläge für eine zukünftige touristische Wertschöpfung im 1.200-Betten-Ort werden ab sofort gesammelt. Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) hat eine Task Force installiert. Ein erstes Meeting mit Vertretern der Gemeinde, dem Mostvierteltourismus und der Region Eisenstraße ist für diese Woche angesetzt, berichtet Taskforce-Leiter Ralf Eisenhut von der Landesgesellschaft Ecoplus Alpin. Mit vorerst zwei Millionen Euro Landesgeld soll ein Zukunftskonzept für einen Ganzjahrestourismus entwickelt werden. Im Frühsommer 2022 sollte es vorliegen, schätzt Eisenhut.

Von attraktiven Gästemagneten, wie etwa einem Flying Fox oder einer Sommerrodelbahn, wie sie in anderen nö. Bergerlebniszentren mit ähnlichen Schwierigkeiten gebaut wurden, ist in Lackenhof derzeit noch keine Rede. „Lackenhof wird es auch weiterhin geben“, übt sich die Gaminger Bürgermeisterin Renate Rakwetz jedenfalls in Optimismus. Kurzfristig geht es darum, nach der überfallsartigen Sperre durch die Schröcksnadel-Gruppe den aktuellen Winter zu retten.

„Unser Langlaufzentrum ist nicht betroffen und wird normal weiterbetrieben“, rückt Rakwetz das 33 Kilometer lange Loipennetz in den Fokus. Ebenso wird das Kinderland „Sunny Kids Park“ für Familien heuer und wohl auch in Zukunft betrieben werden. Auch den Tourenskiläufern sollen die Routen weiter offen stehen, darüber wird gerade verhandelt, so Danninger.

Naturtourismus

Die Tourengeher könnten im zukünftigen, naturnahen und sanften Tourismuskonzept weiter eine Hauptrolle spielen. So wie das Wandern, das im Naturpark Ötscher-Tormäuer ohnehin schon einen großen Stellenwert hat. Auch für den immer beliebter werdenden Geländelaufsport (Trail Running) sehen Experten gute Chancen. Mit Ultra-Berglauf-Events sind der Ötscher und Lackenhof zudem schon eine internationale Marke.

Gute Hoffnungen gibt es auch auf mögliche Wissenschaftstouristen im Ötscherdorf. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie, die ein neues alpines Forschungszentrum für den Klimawandel für Ostösterreich am Ötscher prüft. Historische Fauna- und Floradaten vom Ötscher könnten dafür wertvoll sein.

Rettung einiger Lifte?

Bleibt die kleine Hoffnung, den einen oder anderen Lift zu retten. Ob es möglich ist, den Sessellift auf den Großen Ötscher – den Vaterberg, wie in Kelten und Slawen nannten – für den Sommerbetrieb zu halten, müsse geprüft werden, sagt Eisenhut. Auch der nö. Landesskiverband wird noch auf die Task Force zugehen, und versuchen, die Distelpiste samt Lift, die ja die letzte international konkurrenzfähige Super-G-Piste in NÖ ist, für die jungen Ski-Asse zu retten.

Auch scharfe Kritik wurde am Montag wieder laut. AKNÖ-Präsident Markus Wieser forderte die Lift-Weiterführung durch das Land, um verheerende Folgen für die Arbeitnehmer der Region zu verhindern. Und LH-Stv. Franz Schnabl und Tourismussprecher Rainer Windholz, beide SPÖ, richteten eine Frageliste an Danninger und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), wie es zu dieser Situation kommen konnte. Landesbeteiligungen müssten Sicherheit für die Bürger bedeuten, sagten die SPÖ-Politiker. „Üblicherweise hat man einen besseren Plan, bevor man einer Region die Lebensader abschneidet“, so Schnabl. Ins selbe Horn blasen auch FPÖ-Klubobmann Udo Landbauer und der im Bezirk Scheibbs lebende FPÖ-Abgeordnete Reinhard Teufel. Auch sie fordern die unbedingte Rettung der Ötscherlifte.

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