Die Lifte werden Familien, Vereinen und auch dem ÖSV als Renn- und Trainingsgebiet fehlen

© Ötscher Bergbahnen/ Ludwig Fahrnberger

Lackenhof
11/27/2021

Ötscherdorf Lackenhof wurde von Lift-Aus völlig überrascht

Die Schröcksnadel-Gruppe und die nö. Ecoplus Alpin nennen immer weniger Liftgäste, zu wenige Hotelbetten, fehlende Investoren und Klimaerwärmung als Gründe für die Liftsperre

von Wolfgang Atzenhofer

„Ich bin schockiert. Ich kann es nicht glauben.“ Die Hiobsbotschaft, dass die Ötscherlifte in Lackenhof nie wieder in Betrieb gehen und im Frühjahr sogar abgebaut werden sollen, klang Freitagmittag für Franz Heher wie ein übler Scherz. Zumal es vor seinem Ski-Verleih und Sportartikelgeschäft mitten im Ötscherdorf heuer erstmals richtig schneite und sich der Ort tief winterlich präsentierte.

Für Heher, der kräftig in die vermeintlich bevorstehende Saison investiert hat, und viele Betriebe und Vereine in der Region kam die Botschaft der Lifteigentümer völlig überraschend. Waren doch bis zuletzt Saisonkarten verkauft worden. Bei der Generalversammlung der Gesellschafter der Ötscherlift-GmbH. war Freitag die Schließung auf Vorschlag der Schröcksnadel-Gruppe, die eine 60-prozentige Mehrheit an den Liften hält, beschlossen worden. Das Land NÖ, das über die Ecoplus Alpin GmbH (vormals NÖ Bergbahnen-BeteiligungsGmbH.) 40 Prozent hält, musste mit seiner Minderheit mitziehen.

Die Saison in Lackenhof wird nun gar nicht mehr gestartet. Bereits gekaufte Karten werden abgelöst, und die Liftanlagen abgetragen, sobald es die Witterung im Frühjahr zulässt, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Keine Schneekanonen

„Ich habe mich noch gewundert, dass heute in der Früh und in den vergangenen kalten Tagen keine Schneekanonen gesurrt haben. Die Schließung hat aber niemand geahnt“, schildert ein Lackenhofer.

Tatsächlich gab es aber in den vergangenen Jahren einige Entwicklungen und die aktuelle Corona-Belastung, die in der Generalversammlung eine wirtschaftlich vertretbare und nachhaltige Weiterführung der Lifte infrage stellen ließen. Auch klimatische Gründe und die Schneeunsicherheit wurden ins Spiel gebracht. Beide Gesellschafter sahen keine Perspektive mehr, den Betrieb gemeinsam oder allenfalls allein aufrecht zu erhalten und fällten gemeinsam die Einstellungsentscheidung.

„Auch die hohen Investitionen in die Bahnen konnten nicht verhindern, dass sich das Angebot im Bereich der lokalen Beherbergungsbetriebe über die Jahre verschlechtert und sich die Anzahl der Urlauber als wichtige Nutzergruppe reduziert hat“, erklärte Markus Schröcksnadel für seine Gruppe zum endgültigen Aus. Die Lift-Eintritte seien von mehr als 150.000 auf unter 100.000 Nutzer pro Jahr gefallen. Gleichzeitig stiegen die Kosten viel höher als in anderen Skigebieten, so Schröcksnadel.

Bettenmangel

Bei der Ecoplus Alpin GmbH. habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, versicherte Geschäftsführer Markus Redl. „Wir haben gemeinsam mit der Schröcksnadel-Gruppe verschiedenste Investitionsvarianten geprüft. Selbst wenn die Schlagkraft der Beschneiungsanlage massiv erhöht und die Liftinfrastruktur verbessert werden, kann es sich nicht rechnen. Das liegt auch daran, dass das Bettenangebot im Ort nicht ausreicht, um die notwendige Steigerung bei den Eintritten zu erzielen“, sagte er.

Als „schlichtweg eine Katastrophe, die wir wie in Trance erleben“, beschreibt die zuständige Bürgermeisterin aus Gaming, Renate Rakwetz, die Situation.

Obwohl die Gemeinde alle Hausaufgaben für Verbesserungen bei der Beschneiung oder für neue Garagen gemacht habe, wurde „uns das völlig unvorbereitet vor den Latz geknallt“, sagt Rakwetz. Wie Franz Heher drängt auch sie auf Gespräche mit dem Land NÖ, wie es in Lackenhof weiter gehen soll. Rakwetz: „Als Betroffene werden wir gemeinsam auftreten“.

FIS-Rennstrecke

Ein herber Schlag ist das Aus für den Leistungsskisport. Die Diestelpiste vom Kleinen Ötscher ist die einzige FIS-Super-G-Rennstrecke in NÖ. NÖSV-Präsident Wolfgang Labenbacher verweist auch auf die zahlreichen Vereine, die in Lackenhof trainierten. Zuletzt habe es aber immer mehr Probleme durch Wärmeeinbrüche gegeben. „Jetzt müssen rasch andere Trainingsmöglichkeiten gefunden werden“, fordert er.

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